Der private Spediteur hat das Wochenende über seinen Lkw immer auf dem Gelände der Fröschke FILA GmbH Am Holländer abgestellt. Am Sonnabendnachmittag kommt Stefan Kuboth wieder von einer Tour zurück – als er vom Fahrerhaus aus einen Mann auf dem Dach des nebenliegenden Getränkemarktes entdeckt. Der ist dabei, Kästen mit leeren Flaschen aufs Dach und von dort auf die Straßenseite zu werfen. Stefan Kuboth nähert sich dem jungen Mann um die 20 und stellt den Dieb auf frischer Tat. Zuvor hat er Kathleen Fröschke, die Chefin der Transport- und Landhandelsgesellschaft, telefonisch informiert, die sofort in ihrer Firma erscheint. „Ich habe zweimal die Polizei alarmiert. Doch man hätte weder Personal noch Autos, alle seien beim Großbrand in Massen im Einsatz“, habe man ihr am Telefon gesagt. „Versuchen sie ein Foto zu machen, sagte der Polizist am Telefon noch“, berichtet Kathleen Fröschke.

Inzwischen kann Stefan Kuboth den Dieb nicht länger festhalten. „Er sitzt im Gefängnis und hat nur Freigang, hat er mir noch gesagt und ist dann geflüchtet“, berichtet Stefan Kuboth. Kurz vor 20 Uhr, vier Stunden nach der Alarmierung, sei dann ein Polizist vorbeigekommen.

„Ich kann verstehen, dass die Polizei bei solch einem Großfeuer wie in Massen alle Hände voll zu tun hat“, erklärt Kathleen Fröschke. „Ich kann aber nicht verstehen, dass, wenn woanders ein Einbruch passiert und der Täter bereits gefasst wurde, niemand mehr da ist, der sofort ausrücken und helfen kann.“ Als eine „mehr als unglückliche Antwort“ bezeichnet Ines Filohn die Reaktion in der Polizeiwache in diesem Fall – „wo wir doch auf Hinweise aus der Bevölkerung immer angewiesen sind“. Dennoch bittet die Polizeisprecherin um Verständnis: „Beim Brand in Massen waren von uns Mann und Maus unterwegs, unterstützt von allen Nachbarschutzbereichen. Hinzu kam zur gleichen Zeit ein weiterer Großeinsatz, wo es um die Aufklärung einer Diebstahlserie ging. Der Diensthabende in der Wache musste also abwägen. Wäre es nicht nur um gestohlene Getränkekästen, ohne den Diebstahl kleinzureden, sondern um die Gefahr für Leib und Leben gegangen, wie das in Massen der Fall war, hätte er mit Sicherheit anders entschieden“, so Ines Filohn. „Ich werde mich bei Frau Fröschke entschuldigen.“

Bei der Gelegenheit wird die Geschäftsfrau ihre Sorgen der Frau von der Polizei mitteilen. „Ständig wird in unserem Grundstück eingebrochen. Die Geschäftsräume sind zwar durch eine Alarmanlage gesichert, doch zum Kohleplatz verschaffen sich Eindringlinge immer wieder Zugang. Die Zäune werden zerschnitten, durch die Löcher wird die gestohlene Kohle abtransportiert.“ Jede Woche, so schätzt Kathleen Fröschke, verschwinde so ein Autohänger voll Kohle. „Ich habe in diesem Jahr mindestens 28 Tonnen Kohle durch Diebstahl verloren.“

Ines Filohn will mit Frau Fröschke besprechen, wie sich die Firma künftig vor Dieben besser schützen – und wie die Polizei dabei helfen kann.