Im Schönewalder Rathaus stapeln sich rote Plastikeimer. Es sind genau 1500 Stück. Damit sollen nicht etwa Äpfel gesammelt oder das Rathaus geputzt werden. Vielmehr will die Stadt mit dieser etwas außergewöhnlichen Aktion um den Feuerwehrnachwuchs werben. Deshalb steht auf den Eimern auch „Haushaltslöscheimer Stadt Schönewalde“. Ortswehrführer und Ortsbeiräte „versorgen“ in den nächsten Wochen jeden Haushalt in Schönewalde und den Ortsteilen mit solch einem Eimerchen, inklusive Gebrauchsanweisung im Brandfall. Denn sollte in der Not keine Feuerwehr kommen, ist der Haushaltslöscheimer zum Löschen mit Wasser zu befüllen. Hat das Feuer größere Ausmaße, ist es ratsam, die Nachbarschaft zu informieren und eine Löscheimerkette zu bilden.

Natürlich ist die Aktion ironisch gemeint. Sie hat aber einen ernsten Hintergrund und soll auf eine besorgniserregende Entwicklung aufmerksam machen: den fehlenden Nachwuchs in den Schönewalder Feuerwehren.

Mit Glücksspielgeldern finanziert

Die Idee dazu hatte Bürgermeister Michael Stawski, der von einer ähnlichen Eimer-Prozedur im benachbarten Schweinitz in Sachsen-Anhalt gehört hatte. Das Geld für die Eimer hat er Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei dessen Besuch im Jahr 2018 in Bernsdorf sozusagen aus dem Kreuz geleiert. Es stammt aus Mitteln der Glücksspielabgabe 2019.

„Wir wollen mit dieser etwas spaßigen Vorgehensweise vor allem unseren jüngeren Mitbürgern klar machen, wie wichtig die Feuerwehr ist. Man darf sich nicht hinter der demografischen Entwicklung verstecken. Es gibt in meinen Augen in der Stadt noch genügend Potenzial für die Feuerwehr“, erklärt der Bürgermeister.

Jede Menge Fördermittel

Die Aktion, so Stawski, sei aber auch ein Zeichen an das Land. „Schönewalde bekommt gerade für die Feuerwehren viel Unterstützung vom Land. Wir wollen zeigen, dass wir uns mit allen möglichen Mitteln bemühen, unsere Wehren intakt zu halten“, sagt er. In Schönewalde entstehen gerade zwei neue Gerätehäuser in Stolzenhain und in Jeßnigk für jeweils etwa 600 000 Euro. In Jeßnigk sollen zwei große Zisternen gebaut werden. Die Wehr Stolzenhain/Hartmannsdorf hat kürzlich ein neues Fahrzeug erhalten. Für Brandis und Grassau sind neue Autos vorgesehen. Und überall stecken jede Menge Fördermittel für die hoch verschuldete Kommune Schönewalde drin.

Wie wichtig ein funktionierendes Feuerwehrsystem ist, haben die Schönewalder im August bei einem Großbrand in einem Recyclingunternehmen in ihrer Stadt am eigenen Leib erfahren. „Wir waren froh über jeden Feuerwehrmann, der gekommen ist“, sagt der Bürgermeister.

Gravierende Personallage

Im Schönewalder Stadtgebiet gibt es in elf Ortsteilen zehn Ortswehren. Die Wehr Dubro musste unter anderem aus Personalmangel bereits geschlossen werden. Zwar haben in diesem Jahr 20 neue Kameraden eine Ausbildung abgeschlossen. Aber das reicht noch nicht. „Auch wir haben überall das Problem mit der Tagesbereitschaft, weil die Kameraden auswärts arbeiten. Besonders gravierend ist die Personallage in der Wehr Grassau. Außerdem sind viele Feuerwehrangehörige über 50 Jahre alt. Wir brauchen unbedingt Nachwuchs“, sagt Beate Rose, Sachbearbeiterin für Brand- und Katastrophenschutz im Rathaus.

Mit der Eimeraktion wollen Verwaltung wie Wehren die Bürger für das Problem sensibilisieren. Ziel ist es, auf diesem Weg mindestens 15 neue Mitglieder für die Feuerwehr zu gewinnen. Am Dienstagabend haben Ortswehrführer sowie Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher mit der Verwaltung im Rathaus zusammengesessen. Alle begrüßen die Aktion.

Viel Freizeit opfern

Einige machen aber auch auf die Schwierigkeiten aufmerksam, junge Leute von der Feuerwehr zu überzeugen. Denn mit dem Eintritt allein ist es nicht getan. Die Feuerwehrleute müssen viel Freizeit vor allem für die Ausbildung opfern. Dennoch ist man in Schönewalde optimistisch. Bis Weihnachten wollen Mitglieder der Ortswehrführungen und Ortsbeiräte die Eimer in den Haushalten verteilt haben. Auch in Dubro. Diese Geste, so sagen sie, sei auch eine gute Gelegenheit, mal wieder mit allen ins Gespräch zu kommen. Der Bauhof wird die roten Eimer in den nächsten Tagen in die Orte bringen.