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| 13:50 Uhr

Polzen
Feuerwacht gegen den Wolf

Max Kirsten aus Polzen ist Vorstandsmitglied im Bauernbund Brandenburg. Er hatte die Wolfswache am Freitagabend organisiert.
Max Kirsten aus Polzen ist Vorstandsmitglied im Bauernbund Brandenburg. Er hatte die Wolfswache am Freitagabend organisiert. FOTO: Rudow / LR
Polzen. In Polzen beteiligen sich Landwirte, Jäger und Einwohner an der Bauernbund-Initiative. Von Birgit Rudow

Das große Feuer auf der Wiese hinter der Gaststätte „Lindenhof“ in Polzen am Freitagabend war weithin zu sehen. Ein Parkplatz ist eingerichtet. Unter dem Pavillon werden Bier und Würstchen verkauft. Fast hätte man denken können, bei einem Volksfest zu sein. Doch diese Veranstaltung hatte einen ernsten Hintergrund. Der Bauernbund Brandenburg, der die Interessen der bäuerlichen Familienbetriebe im Land vertritt, hatte nach Polzen zu einer Wolfswache eingeladen, wie an 20 anderen Standorten im Land an diesem Abend auch.

Die offiziell angegebene Zahl der Wolfsrudel in Brandenburg schwankt derzeit zwischen 20 und 24. Immer mehr Bauern sehen durch den Wolf die Weidewirtschaft gefährdet. Erst am Samstag hatte die RUNDSCHAU berichtet, dass wahrscheinlich ein Wolf vor wenigen Tagen ein Kalb in der Elsterland GmbH Wahrenbrück gerissen hat.

Mit den Wolfswachen will der Bauernbund in der Öffentlichkeit gegen immer mehr Wölfe in Brandenburg protestieren und die Landesregierung auffordern, endlich etwas gegen die Gefährdung für die Landwirtschaft zu tun. Der Bauernbund fordert wolfsfreie Zonen. Dass das Problem vor allem im ländlichen Bereich längst angekommen ist, beweist der große Zuspruch in Polzen am Freitagabend. Etwa 200 Besucher, so schätzten es die Veranstalter ein, sind zur Wolfswache gekommen. Das hat selbst Organisator Max Kirsten überrascht. „Mit so vielen hatten wir nicht gerechnet“, sagt er.

Der 23-Jährige ist seit etwa einem Jahr Vorstandsmitglied im Bauernbund Brandenburg. Er arbeitet im elterlichen Betrieb in Polzen und ist gerade dabei, eine eigene Mutterkuhherde aufzubauen. Drei seiner Mutterkühe hat er am Freitagabend mitgebracht. Symbolisch sollte das Feuer die Tiere beschützen. Er sei mit Leib und Seele Weidetierhalter, so Max Kirsten. Aber er habe Angst, die Kühe jetzt mit den Kälbern auf die Weide zu bringen. „Wir wollen den Wolf nicht wieder ausrotten. Davon kann gar keine Rede sein. Aber die Landesregierung muss etwas unternehmen, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu schützen. Problemwölfe müssen geschossen werden dürfen und wir brauchen wolfsfreie Zonen. Wir wollen nicht darauf warten, bis erst einige Kälber Opfer der Wölfe werden“, sagt Max Kirsten.

Er hat sich am Freitagabend mit vielen Leuten unterhalten. Vor allem Landwirte und Jäger hatten sich zur Wolfswache nach Polzen aufgemacht. Sie kamen aus dem Bereich Herzberg, aus Annaburg aber auch aus dem Raum Finsterwalde, so Max Kirsten. Selbst einige Leute aus dem Dorf waren gekommen, die sich mit den Bauern solidarisieren. „Wir haben viel miteinander diskutiert. Manche Landwirte haben schon Wolfserfahrung. Und auch einige Jäger haben schon direkte Bekanntschaft mit dem Wolf gemacht. Sie haben ihre Fotos gezeigt“, so Max Kirsten.

Auch Mitglieder des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster waren vor Ort. Nicht immer seien der Bauernverband und der Bauernbund einer Meinung. In der Wolfsfrage aber schon, sagt der Chef des Kreisbauernverbandes Dorsten Höhne. „Wir sehen das Problem genauso. Ein gezieltes Eingreifen in den Wolfsbestand muss möglich sein. Der Wolf kann sich nicht einfach unkontrolliert ausbreiten, so Höhne. Die Weidetierhalter könnten nicht zig Kilometer Zaunwände errichten. Das wäre ein Eingriff in die Landschaft und würde auch das Wild behindern. Zuspruch bekamen die Bauern in Polzen auch vom CDU-Landtagsabgeordneten Rainer Genilke.

Bis gegen 23 Uhr wurde am Freitag Wache gehalten und über das Problem Wolf diskutiert. „Es muss etwas passieren in Brandenburg“, sagt Max Kirsten. Und er wünscht sich, dass solche öffentlichen Veranstaltungen bei der Landesregierung nicht ungehört bleiben.