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Festival startet furios mit Welturaufführung

Das Weimarer Klavierquartett mit Johanna Zmeck, Barbara Seifert, Jacob Tuchscheerer und Nassib Ahmadieh (v.l.) bot eine tolle Konzertatmosphäre zum Auftakt des sechsten Finsterwalder Kammermusikfestivals.
Das Weimarer Klavierquartett mit Johanna Zmeck, Barbara Seifert, Jacob Tuchscheerer und Nassib Ahmadieh (v.l.) bot eine tolle Konzertatmosphäre zum Auftakt des sechsten Finsterwalder Kammermusikfestivals. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Mit einem besonderen Ereignis ist das sechste Finsterwalder Kammermusikfestival am Ostermontag gestartet. Das Weimarer Klavierquartett mit den künstlerischen Festivalleitern Nassib Ahmadieh und Johanna Zmeck bot eine Welturaufführung. Jürgen Weser

Als Auftragswerk hat der libanesische Komponist Houtaf Khoury dem Ensemble das Piano-Quartett No.1 geschrieben und erlebte die Weltpremiere im Finsterwalder Logenhaus selbst mit.

Zusätzliche Stühle mussten in den Konzertraum gestellt werden. Mehr als das Doppelte an Karten hätte verkauft werden können. Das Fest der Kammermusik in Finsterwalde erfreut sich inzwischen großer Beliebtheit. Darüber sind die Festivaleltern Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh, beide auch Musikpädagogen an der Kreismusikschule, gemeinsam mit der Stadt als Organisatoren glücklich. Vor allem strahlt das Festival immer mehr nach außen, machen die Kartenwünsche deutlich. Die Klammer des diesjährigen Festivals ist das musikalische Schaffen des böhmischen Komponisten Antonio Dvorák, von dem Werke bei allen sechs Konzerten des Festivals zu hören sind.

Aber natürlich waren die Besucher am Ostermontag besonders auf die moderne Kammermusik von Khoury gespannt, die geschickt zwischen Klavierquartette aus der Feder von Beethoven und Dvorák platziert worden war. Beethoven als Vorbild, wie Khoury erzählte, war mit seinen Klangbildern zu erahnen. Auch Khourys Dynamik und die hörbare Pathetik des alltäglichen Lebens korrespondierte mit dem Klavierquartett von Dvorák aus dem Jahr 1889.

Seit Monaten hatten sich Jakob Tuchscheerer (Viola), Barbara Seifert (Violine), Johanna Zmeck (Klavier) und Nassib Ahmadieh (Cello) mit dem 17-minütigen Klavierquartett von Houtaf Khoury auseinandergesetzt. Die Premiere begeisterte den Komponisten so sehr, dass er sich gern mit den Musikern vom Publikum feiern ließ.

,,Nachdem das Finsterwalder Publikum im vergangenen Jahr die Musik von Schostakowitsch so gut angenommen hatte, war ich optimistisch, dass auch moderne Kammermusik ankommt", schwärmte der Massener Bernd Raabe in der Konzertpause. Auch Musiklehrer und Chorleiter Roland Reichelt war von der modernen Komposition angetan. Zwar war die spannungsgeladene polyphone Komposition mit den vier Stimmen der Instrumente, die zum Teil eigene Wege gehen, um sich dann in gemeinsamen Klangbildern zu treffen, ungewohntes Hörerlebnis für viele Konzertbesucher. Aber mit der Spannung zwischen Klavier und Streichern und den meditativen Stimmungen des Stückes erzielte Khoury beim Publikum emotionales Mitfühlen.

Zu verdanken hat das Publikum dieses besondere Erlebnis vor allem Nassib Ahmadieh, der Houtaf Khoury seit seinem Musikstudium im Libanon kennt und als einen der besten zeitgenössischen Komponisten schätzt. Der 1969 geborene Khoury hat fünf Sinfonien und 18 Konzerte komponiert und wird mit seinen Werken in Europa, den USA, Russland und in der Ukraine, wo er zwischenzeitlich gelebt hat, gespielt. Die Schweiz ist sein nächster Konzertort. Dank der Elbe-Elster-Sparkasse wurde Khourys Besuch in Finsterwalde möglich.

,,Ganz toll wäre eine Konzertreise mit dem ,Weimarer Klavierquartett' in den Libanon", hofft Ahmadieh. ,,Das ist ein ganz vorzügliches Ensemble mit tollen jungen Musikern", lobte Kantor Andreas Jaeger. Und Maler Dietrich Tosch schwärmte nach dem Dvorák-Klavierquartett von ,,wunderbaren Klangbildern". Das Finsterwalder Publikum feierte sein Lieblingskammermusikensemble mit begeistertem Beifall und Füßetrampeln.

Weitere fünf Konzerte bietet das Finsterwalder Kammermusikfestival vom Sonntag, 3. April, bis zum Samstag, 23. April. Konzertliebhaber sollten sich beim Kartenkauf beeilen. Der Vorverkauf läuft sehr gut. Karten gibt es in der Touristinfo Finsterwalde oder auch online unter www.finsterwalder-kammermusik.de .