Der Beitrag, den man damit zur Minderung der Klimakrise leisten kann, das Geld, das man spart, wenn man nicht tanken muss, und die positiven Effekte, die aus eigener aktiver Fortbewegung entstehen: Gründe, (öfter) auf das (eigene) Auto zu verzichten, gibt es viele. Doch auf dem Land und gerade für Familien erscheint der Verzicht auf das eigene Auto vielen Menschen nicht als realistische Option. Stimmt das? Und welche Zwischenschritte (oder Radfahrten) sind möglich, um weniger auf das Auto angewiesen zu sein?

Das Auto ist auch auf dem Land nicht für alle ein Muss

Zumindest manche Beispiele finden sich etwa in Herzberg, die zeigen, dass auch in der ländlichen Gegend das Auto kein absolutes Muss ist. „Wir haben in unserer Familien – also zwischen meiner Mutter, Schwester und mir – momentan kein Auto, und kommen damit auch gut aus“, sagt Jessica Heyde, die für die Stadt Herzberg als Klima-Managerin arbeitet. Zumindest „für 95 Prozent der Zeit bereuen wir es nicht, kein Auto mehr zu haben“. Und für die restlichen Fälle habe man das Glück, gemeinsam mit Freunden und Nachbarn die Möglichkeit zu haben, ein Auto nutzen zu können, wenn es wirklich unumgänglich ist.
Unter anderem zum Einkaufen ist das Auto verzichtbar, sagt Herzbergs Klimamanagerin Jessica Heyde.
Unter anderem zum Einkaufen ist das Auto verzichtbar, sagt Herzbergs Klimamanagerin Jessica Heyde.
© Foto: Daniel Roßbach
Alle alltäglichen Wege ließen sich aber auch ohne das Auto schultern – so wie zum Beispiel die Tasche auf dem Weg zum Einkaufen im Supermarkt. „Das lässt sich problemlos mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigen“, sagt Heyde. Dabei helfe es, statt dem einen großen Wochenend-Einkauf Besorgungen auf mehrere Gänge mit kleinerer Last zu verteilen. Und manche Hindernisse lassen sich auch durch Verzicht vermeiden, ohne wirklich etwas zu verlieren, ist sie sich sicher, und verweist etwa darauf, dass es oft unnötig sei, schwere Kästen oder Flaschen mit Wasser und anderen Getränken zu kaufen, und lieber Leitungswasser zu nutzen.

Schlecht ausgebauter ÖPNV macht Auto öfter kaum vermeidbar

Heyde ist aber auch klar: Das ist deutlich einfacher, weil für sie und ihre Familie Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen und andere Anlaufpunkte in der Kernstadt leicht zu erreichen sind. Lebt man in kleineren Orten, in denen es all das nicht in unmittelbarer Nähe gibt, sei es zwar auch möglich, seltener das Auto zu nehmen, aber schwierig, gar keins zu haben, resümiert die Klima-Managerin Gespräche mit Bekannten. Auch das sei aber vor allem eine Frage fehlender Infrastruktur: „Einschränkungen liegen auch und vor allem daran, dass der ÖPNV schlecht ausgebaut ist“, so Heyde. Selbst aus der Kreisstadt Herzberg sei es so am Wochenende oft schwer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln Wege zu erledigen. Besonders betroffen davon seien ältere Menschen.
Gerade für sie hätten eine Gesellschaft, Städte und Dörfer, in denen das Auto eine kleinere Rolle spielt, dabei deutliche Vorteile. Sowohl zu Fuß oder auf dem Fahrrad fühlen sie sich in von Autos und der Infrastruktur für sie teils unsicher. Und auch, wenn ältere Menschen trotz körperlicher Einschränkungen noch selbst am Steuer sitzen, kann das ein erhöhtes Risiko sein. „Und das Angewiesen-sein auf Familie oder Bekannte, die einen fahren, kann sehr belastend sein“, berichtet Jessica Heyde aus ihrer Erfahrung.

Brauchen Familien das Auto? Und wenn ja, wie viele?

Auch wenn sich nicht alle Autofahrten durch andere Verkehrsmittel ersetzen ließen, gäbe es aus Sicht von Klima-Managerin Jessica Heyde aber auch in einer Region wie Elbe-Elster zumindest die Möglichkeit, ihre Rolle zu reduzieren: „Nicht jeder Erwachsene braucht ein Auto“, ist Heyde überzeugt. Sei es mittels geteilter Autos, oder indem in einer Familie nur noch eins statt mehrerer Autos gehalten werden. Erleichtern könnten das auch Möglichkeiten, Autos nicht nur individuell zu nutzen. Statt formaler, geschäftlicher Car-Sharing-Angebote, sieht Jessica Heyde in einer Region wie Elbe-Elster eher in geteiltem Zugriff auf Autos auf Nachbarschafts-Basis eine gute Möglichkeit, die Fälle, in denen das Auto nötig ist, abzudecken.
Heyde selbst hat keine Kinder, sagt aber auch: „Ich glaube nicht, dass ich mir ein Auto zulegen würde, wenn ich jetzt ein Kind hätte.“ Kinder – teils sogar innerhalb einer Stadt wie Herzberg – mit dem Auto zur Schule zu bringen, sei etwa absolut nicht nötig.
Auch in der Lausitz oder dem Elbe-Elster-Land sieht Jessica Heyde es so als weitgehend möglich an, auf das eigene Auto, aber nicht auf Lebensqualität zu verzichten. Auf jeden Fall aufgegeben wird damit nur das Auto als Statussymbol. „Das ist in meiner Wahrnehmung gerade hier auf dem Land schon noch verankert“, sagt Heyde. Für eine Zukunft freier von Autos brauche es so neben gesellschaftlicher Gestaltung auch soziale Akzeptanz für diesen Lebensstil.

Finsterwalde/Schlieben/Falkenberg

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