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| 19:27 Uhr

Ein ganz wichtiger Tapetenwechsel
Eine Woche den Alltag vergessen und abschalten

 Familie Storch aus Wildgrube hat das erste Ohana-Ticket erhalten. Für das Erinnerungsfoto haben sich  Dr. Frank Hamann, Simone Storch, Dèlia, Thomas Storch und Robert Haenzel (v.l.) aufgestellt.
Familie Storch aus Wildgrube hat das erste Ohana-Ticket erhalten. Für das Erinnerungsfoto haben sich  Dr. Frank Hamann, Simone Storch, Dèlia, Thomas Storch und Robert Haenzel (v.l.) aufgestellt. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Familie Storch aus Wildgrube bekommt das erste Ohana-Ticket. Mit ihrer behinderten Tochter Dèlia wird sie im ElsterPark Urlaub machen. Von Birgit Rudow

Im Sommer des nächsten Jahres werden Simone und Thomas Storch aus Wildgrube mit ihrer schwerstbehinderten Tochter Dèlia eine Woche im Elster-Park in Herzberg Urlaub machen. Sie sind im TraumHaus untergebracht, werden im BlauHaus bestens verpflegt und können alle Freizeitmöglichkeiten im ElsterPark nutzen. Ende vergangener Woche haben sie dafür das erste Ohana-Ticket überreicht bekommen. Die Kosten für den Aufenthalt trägt die Stifterinitiative Elbe-Elster, die aus der Sparkassenstiftung Zukunft Elbe-Elster-Land und der Stiftung ElsterWerk besteht. Sie steckt hinter dem Ohana-Projekt, das Anfang Juli ins Leben gerufen wurde und schon auf der Charity-Veranstaltung 31 000 Euro an Spenden einnehmen konnte.

Mit dem Geld soll hilfsbedürftigen Familien aus dem Elbe-Elster-Kreis eine einwöchige Auszeit im ElsterPark in Herzberg ermöglicht werden, um neue Kräfte zu schöpfen und Erholung vom Alltag zu finden – so wie Familie Storch. Die Familie musste einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen, der ihr Leben völlig verändert hat. Dèlia war ein aufgewecktes kleines Mädchen, wie viele andere auch. Doch im Grundschulalter erkrankte die heute 16-Jährige an einer schweren Hirnhautentzündung. Seitdem ist sie schwerstbehindert und rund um die Uhr pflegebedürftig. Ihre Mutti musste ihre Arbeit aufgeben. Dèlia besucht die Förderschule für geistig behinderte Kinder in Elsterwerda. Den Rest der Zeit kümmert sich Simone Storch um ihre Tochter, Unterstützung erhält sie vom Familienentlastenden Dienst und natürlich von ihrem Mann, der allerdings in der Woche aus beruflichen Gründen oft nicht zu Hause ist. Die Familie lässt Dèlia an allen Aktivitäten teilhaben. Ihre Betreuung kostet die Eltern bei aller Liebe aber auch sehr viel Kraft.

Wie den Storchs geht es vielen Familien im Elbe-Elster-Kreis. Um sie etwas zu entlasten und auch finanziell nicht zu überfordern, wurde das Ohana-Projekt ins Leben gerufen. Simone und Thomas Storch freuen sich sehr über das Angebot. „Es bietet uns Freiräume. Es ist schön, auch mal andere Wände zu sehen und sich eine Woche lang bedienen zu lassen“, sagt Simone Storch bei der Übergabe des Ohana-Tickets. Die Familie hat sich auch schon mal im TraumHaus umgesehen. In der Übernachtungseinrichtung der Stiftung ElsterWerk im ElsterPark sind alle Zimmer behindertengerecht ausgestattet. Délia wäre am liebsten gleich da geblieben.

Während ihres Aufenthaltes wird den Wildgrubern eine Betreuungskraft vom Familienentlastenden Dienst zur Seite stehen und sich mit Délia beschäftigen, während die Eltern für einige Stunden mal ihrer eigenen Wege gehen. Julia Köhler, als Mitarbeiterin des ElsterParks zuständig für die TraumHaus-Belegung und Ansprechpartnerin für Ohana-Anfragen, wird die Einzelheiten mit Simone und Thomas Storch noch genau besprechen.

Für ein Ohana-Ticket liegen bereits weitere Anmeldungen vor, sagt Julia Köhler. Sowohl aus dem Elbe-Elster-Kreis, als auch aus ganz Deutschland. „Diese Initiative hat sich also schon herumgesprochen. Wir wollen aber regional bleiben und sprechen Familien aus unserem Landkreis an“, so der Vorstand der Stiftung ElsterWerk Dr. Frank Hamann. Er ruft betroffene Familien dazu auf, sich zu trauen und einen Antrag auf ein Ohana-Ticket zu stellen. „Das kann man direkt bei Julia Köhler im ElsterPark machen. Wir haben aber auch ein Antragsformular auf unserer Internetseite“, sagt er. Berechtigt für die Übernahme der Kosten für den einwöchigen Aufenthalt im ElsterPark sind wirtschaftlich hilfsbedürftige Familien mit behinderten Kindern.

Das TraumHaus mit seinen 30 behindertengerechten Doppel- bzw. Familienzimmern ist weit über die Grenzen des Elbe-Elster-Kreises und Brandenburgs gefragt. Anfragen kommen aus der gesamten Bundesrepublik. „In dieser Saison waren wir bis weit in den Oktober hinein sehr gut ausgelastet. Der Mai und der Juni waren die stärksten Monate“, so ElsterPark-Chef Robert Haenzel. Zwei Drittel der Plätze müssen hilfsbedürftigen Menschen vorbehalten sein. Seit kurzem nutzt der ElsterPark auch Online-Buchungsportale. „Für die Nebensaison können wir noch freie Zimmer anbieten“, sagt Robert Haenzel.

 Familie Storch hat schon mal ein Zimmer in TraumHaus angeschaut und freut sich auf den Aufenthalt im Sommer 2020.
Familie Storch hat schon mal ein Zimmer in TraumHaus angeschaut und freut sich auf den Aufenthalt im Sommer 2020. FOTO: LR / Rudow