Leicht gefallen ist ihnen der Schritt an die Öffentlichkeit nicht. Aber Nicole und Stefan Richter sehen keinen anderen Ausweg mehr. Sie sind unverschuldet in Not geraten, wie es fast jeden treffen kann. Und sie brauchen dringend Hilfe. Gemeinsam erzählen die beiden Prestewitzer (Elbe-Elster) ihre Geschichte.

Krebsdiagnose für die vierfache Mutter

Anderthalb Jahre ist es her, da begann die Welt über ihnen zusammenzubrechen. Angefangen hat es mit der Diagnose Krebs für die Vierfachmutter Nicole. „Wir waren gerade aus einem einwöchigen Urlaub in Bayern zurückgekommen, für den wir viele Monate gespart hatten“, blickt sie zurück auf eine Zeit, als das Leben für Richters noch in Ordnung war. Nicht einfach mit vier Kindern, Klein Leon hatte das Kleeblatt erst kurz zuvor komplett gemacht, aber machbar.
Ungetrübte Kindertages sind für Jamie, Leon, Sophie und Larissa selten geworden, denn die Sorgen ihrer Eltern bleiben ihnen nicht verborgen.
Ungetrübte Kindertages sind für Jamie, Leon, Sophie und Larissa selten geworden, denn die Sorgen ihrer Eltern bleiben ihnen nicht verborgen.
© Foto: Stefan Richter

Der harte Kampf gegen den Krebs

Und dann das: Nicole musste sich ihrer Krankheit stellen. „Zuerst war man noch davon ausgegangen, dass es eine gutartige Form ist, aber dann war es doch ein bösartiger Krebs“, berichtet sie. Bestrahlungen, Chemotherapie und inzwischen auch zwei Operationen. Nicole Richter musste im Kampf um Besserung schon das ganze Programm über sich ergehen lassen. Eine Ende ist momentan längst nicht absehbar.
Ihr Mann steht ihr dabei immer zur Seite und versucht, ihr den Rücken freizuhalten, soweit es nur geht. Mit vier Kindern ist das ein enormer Kraftakt. Noch dazu hat es die Corona-Situation nicht einfacher gemacht. Fernunterricht von zu Hause aus, das war und ist noch heute für alle eine riesige Herausforderung und zusätzliche Belastung in einer Zeit, in der die kranke Mutter eigentlich immer wieder Ruhephasen bräuchte, um die aktuelle Chemotherapie zu schaffen.

Als nächstes steht Vater Stefan ohne Job da

Für Familienvater Stefan hat das Folgen. Unangenehme. Zwei Jobs wurden ihm seitdem schon gekündigt, „weil ich immer wieder ausfalle, wenn ich mich um die Kinder kümmern muss“, erzählt er. Ersatz in Sachen Arbeit findet sich einfach nicht.
Stefan Richter sitzt zwischen zwei Stühlen. Einerseits braucht er die Einnahmen aus einem Job zum Bestreiten des Lebensunterhalts seiner Familie. Andererseits weiß er, dass er vor Ort mindestens genau so dringend gebraucht wird. „Das Beste wäre es, eine Arbeitsstelle zu finden, bei der ich nachts arbeite, damit mir tagsüber Zeit für die Familie bleibt“, überlegt der Prestewitzer und durchforstet das Netz nach derartigen Angeboten - bestenfalls in der Nähe. Bisher Fehlanzeige.

Und dann auch noch die Kündigung für das gemietete Haus

Zumal eine dritte, noch viel größere Last dazugekommen ist. Der Eigentümer des Häuschens, in dem sie seit 2017 zur Miete wohnen, hat Eigenbedarf angemeldet. Bis Ende Juli diesen Jahres muss die Familie mit ihren vier Kindern im Alter von anderthalb bis 12 Jahren ausgezogen sein.
Spätestens diese Botschaft hat der Familie den Boden unter den Füßen weggerissen. Für Nicole und Stefan Richter steht fest, dass sie in der Region bleiben wollen. Dort haben sie ihre Freunde, dort sind sie verwurzelt. Ob im Sportverein SV Blau-Weiß Möglenz oder bei der Prestewitzer Feuerwehr. Und auch der Kinder wegen, die hier ihre Freunde haben und die unter der aktuellen Situation schon genug zu leiden hätten. „Es geht an ihre Psyche“, beobachten die Eltern mehr und mehr.
Aber die Suche nach einer Ersatzbleibe gestaltet sich enorm schwierig. Stefan Richter erzählt: „Egal, wo man anfragt, als Familie mit vier Kindern wird man schief angeschaut. Noch dazu die kranke Frau. Ich ahne die Fragen, die aufkommen. Was wird, wenn der Mann mit den vier Kindern allein dasteht? Sind da nicht Mietschulden vorprogrammiert?“ Für ihn und seine Frau ist die Situation kaum zu ertragen.
Müssen sie ihren Traum begraben? Den von einem gemieteten Haus, wo ihre Kinder auf dem dazugehörigen Grundstück weiter Platz finden zum gemeinsamen Spielen. So, wie sie es jetzt gewohnt sind. Eigentlich geht es aus Sicht der beiden Prestewitzer gar nicht anders, „denn eine Wohnung, mindestens mit fünf Räumen, bestenfalls mit sechs, damit jedes Kind ein eigenes Zimmer haben kann, ist nicht zu finden“, müssen Richters aus bis jetzt gesammelten Erfahrungen bilanzieren.

Finanzielle Probleme belasten die Prestewitzer Familie noch obendrauf

Das finanzielle Problem, das der Umzug mit sich bringt, haben sie noch gar nicht angesprochen. Vermutlich wird eine Kaution für das neue Mietobjekt nötig. Die Küche lässt sich nicht noch einmal neu aufbauen und muss ersetzt werden. Gegebenenfalls sind noch andere neue Möbel nötig. „Wir wissen nicht, woher wir das Geld dafür nehmen sollen. Unser Erspartes ist aufgebraucht, auch wegen der viele Kosten für meine Behandlung“, gesteht Nicole Richter. „Und nach einem Kredit brauchen wir in unserer Situation gar nicht fragen“, setzt ihr Mann Stefan nach.
Beide sind von der Hoffnung getrieben, dass sich Hilfe findet. Hilfe in Form von Hausbesitzern in der Umgebung, die eine freie Immobilie zur Miete anbieten. Hilfe in Form von Möbelangeboten. Und vielleicht auch Hilfe in jedweder anderen Form, an die sie jetzt noch gar nicht zu denken wagen.
Kontakt: E-Mail an mondeo86@gmx.net oder telefonisch unter 035341 234789

Spendenaktion gestartet


In der Not versuchen Richters jeden Strohhalm zu greifen. So hat Familienvater Stefan auf der Plattform www.gofundme.com eine Spendenkampagne gestartet. Das Geld soll in den Umzug, eventuell die notwendige Kaution für das neue Mietobjekt sowie in den Möbelerwerb investiert werden, aber natürlich auch den Kindern zugute kommen, „damit wir ihnen wenigstens eine kleine Freude bereiten können“, sagt Stefan Richter. „Sie brauchen unbedingt mal wieder Abwechslung.“

Die beiden Prestewitzer verstehen die Aktion nicht als betteln, und wenn schon betteln, dann maximal um Aufmerksamkeit, „um unsere Situation zu entschärfen. Ich würde das nicht machen, wenn es anders ginge“, bekräftigt der Familienvater. „Wir hoffen einfach nur auf Hilfe in der Not“, sagt Nicole Richter. „Und auf eine Bleibe im Umkreis, um endlich wieder zur Ruhe kommen zu können“, fügt Stefan Richter hinzu.