| 02:38 Uhr

Falkenbergs Bürgermeister fürchtet um Ansehen seiner Stadt

3000 dieser Cannabispflanzen wurden in Falkenberg sichergestellt.
3000 dieser Cannabispflanzen wurden in Falkenberg sichergestellt. FOTO: Polizei
Falkenberg. Das Ausheben einer professionellen Aufzuchtanlage für Cannabispflanzen in der alten Post in Falkenberg am Dienstag durch die Polizei ist in der Stadt auch Ende der Woche noch Gesprächsthema Nummer eins. 3000 Pflanzen im Anzuchtstadium haben die Beamten dort gefunden. Birgit Rudow

Den Wert allein der elektrischen Anlage zum Betreiben der Plantage schätzt die Polizei auf 50 000 Euro.

Dazu gehören 300 Höchstleistungslampen, etwa 30 Ventilatoren und Filteranlagen, Sicherungs- und Schaltkästen. 20 Tonnen Pflanzerde wurden abtransportiert. "Wir gehen von Betäubungsmittelhandel im größeren Stil aus", sagt die Chefin der Pressestelle der Polizeidirektion Süd, Ines Filohn zur RUNDSCHAU. Bei anderen solchen Fällen habe man bisher einzelne oder bis zu ein paar Dutzend Cannabispflanzen entdeckt. "Die in Falkenberg gefundene Menge ist schon außergewöhnlich hoch ", so die Polizeisprecherin. Zu eventuellen Tatverdächtigen will sie sich nicht äußern, auch nicht dazu, wie lange die Anlage nach Einschätzung der Polizei bereits betrieben wurde. Auch von der Staatsanwaltschaft Cottbus waren gestern keine neuen Informationen zum Ermittlungsstand zu erfahren. Der zuständige Staatsanwalt war nicht zu erreichen.

In Falkenberg kocht derweil die Gerüchteküche. Vor allem stellen sich die Falkenberger die Frage, warum niemandem aufgefallen ist, was sich da in dem alten Gebäudekomplex mitten in der Stadt direkt am Bahnhof abgespielt hat.

Gegenüber den Gebäuden befindet sich das Berliner Eck, in dem der ASB mit einer Tagesgruppe und einer Wohngruppe für Demenzkranke sein Domizil hat. Von dem großen Polizeiaufgebot am Dienstag seien sie überrascht gewesen, sagt die Leiterin Mandy Lenk. Auch wurden ab und an mal Lkw bemerkt, die dort wahrscheinlich etwas abgeladen haben könnten. Gedacht habe sich dabei aber niemand etwas.

Die Gebäude befinden sich in Privatbesitz, erläutert Falkenbergs Ordnungsamtsleiterin Andrea Wagenmann. Die Stadt habe darauf keinen Zugriff, war nie Eigentümerin. Früher waren dort das Zollamt und bis vor einigen Jahren noch die Post drin. Dann wurden Grundstück und Gelände verkauft, sagt sie. Für einige Zeit habe es bis vor etwa zwei Jahren einen Nutzer gegeben, der dort Kühlgeräte zerlegt und entsorgt hat. Das war ordnungsgemäß angemeldet, sagt sie. Man habe von Seiten der Stadt nichts wahrgenommen, was auf eine Straftat schließen ließ. "Es ist schon erschreckend, dass hier so etwas installiert worden ist. Zum Glück hat die Polizei dem ein Ende bereitet", so Andrea Wagenmann.

Auch Bürgermeister Herold Quick liegt die Sache schwer im Magen. Kürzlich erst die Automatensprengung bei der Spardabank, und jetzt ist Falkenberg schon wieder im Zusammenhang mit Kriminalität im Gespräch. Er fürchtet um das Ansehen der Stadt, auch wenn diese das nicht zu verantworten habe. "Vor etwa einem halben Jahr ist das Areal auf Vordermann gebracht worden. Das war sogar im Sinn der Stadt, weil es dort direkt am Bahnhof so wüst aussah", sagt er. Heute fragt er sich, ob da nicht mehr dahinter gesteckt hat. Doch er will nicht spekulieren und die Ermittlungen der Polizei abwarten.

Was die Falkenberger ebenfalls noch umtreibt, ist die Frage, wo die Täter den Strom für eine solche Anlage herbezogen haben. Der Verbrauch muss immens gewesen sein. Darauf hatte auch der Stromversorger enviaM gestern noch keine Antwort. "In dem Gebäude lag Strom an. Wir haben ihn abgestellt, nachdem die Polizei uns informiert hat. Zur Zeit kommen wir nicht in die Gebäude. Wenn die Polizei sie freigegeben hat, werden unsere Mitarbeiter feststellen, ob und wie der Strom dort bezogen wurde", sagt Stefan Buscher, Sprecher der enviaM in Chemnitz.