Von Sylvia Kunze

Im Beisein vieler Anwesender ist die neue Falkenberger Ausstellung „Was Sagen sagen ... Legenden und Märchen erzählen“ im Verwaltungsstandort in der Zille-Straße eröffnet worden. Vorausgegangen ist dieser ein Stadtspaziergang der besonderen Art. „Sagen- und Geistertour“ stand auf der Einladung, der etwa 80 Interessierte folgten. Vom Rathaus aus ging es Richtung Stadtpark zum Eiskeller, weiter zum Stadtor, zur Kirche, zur großen Kastanie am Sportplatz, zur Bibliothek und schließlich zur Rathaus-Nebenstelle. An allen Punkten wurden die Spaziergänger bereits erwartet: von Gunter Gesper, von Klaus Paust, von Andrea Stephan und von Heidemarie Quick, die sich einzelne Sagen, Legenden und Märchen ausgesucht hatten, um sie im Feuerschein der Fackeln der Jugendfeuerwehr sowie eines winzigen LED-Lichts, das der Nachtwächter Schließauf (Michael Hienzsch) aus seiner Hose zauberte, vorzulesen.

Dicht umringt waren sie dabei von der sehr aufmerksamen Besuchertruppe. Auch die Kinder hörten gebannt zu - vielleicht auch froh, der ansonsten stellenweise sehr erdrückenden Dunkelheit entkommen zu sein. So manchen hat es dabei wohl doch gegruselt - auch ohne viele Gespenster oder andere Figuren, die ihr Unwesen trieben. Lediglich in der Bibliothek war man auf so einen Andrang gleich zur Premiere der Aktion nicht eingerichtet. Gut die Hälfte der Truppe passte nicht mehr rein und hörte deshalb nicht das Andersen-Märchen vom Tölpelhans.

Stattdessen hörte man immer wieder erste Beurteilungen der Aktion, die alle durchweg positiv waren. „Eine tolle Aktion“, „Klasse Idee“ und ähnliche Reaktionen machten die Runde. Gefolgt von Überlegungen, wie man im folgenden Jahr noch eine Schippe obendrauf legen könnte.

Die beiden Hauptorganisatorinnen, die Falkenberger Stadtarchivarin Ramona Heide und die Abgeordnete Grit Salbach, die die Idee nach eigenen Angaben bei Ingwerbrause und einer sehr tollen Stunde ausgesponnen hatten, waren derweil mit letzten Handgriffen in der Ausstellung beschäftigt und der bangen Frage, ob denn bei der Sagen- und Geistertour alles nach Plan läuft.

Lief es. Dafür sorgten die Partner, die sie sich an die Seite geholt hatten: Jugendfeuerwehr, zwei Musiker vom Jugendblasorchester, insgesamt sieben Mitstreiter aus den Reihen der Laientheaterspieler (hübsch herausgeputzt mit Kostümen aus dem Tanzmäuse-Fundus), Lesebegeisterte sowie vor Ort als Versorger die Bäckerei Getzschmann mit ihren Leckereien, die wie immer den thematischen Bezug nicht vermissen ließen und bei Eintreffen der hungrigen und durstigen Meute sehr begehrt waren.

Die einsetzende Kälte leistete ihren Anteil, dass sich mehr und mehr auch wirklich in die Aula verzogen und dort die neue Ausstellung in Augenschein nahmen. Die Stadtarchivarin hatte die Schautafeln mit einer Vielzahl von Sagen und Legenden aus der Region gefüllt. Ein Mini-Kino lädt ein, alte Märchenfilme, einst per Diaprojektor gezeigt und nun für den Beamer umgearbeitet, oder auch moderne Filme anzusehen.

In die kälter und dunkler werdende Jahreszeit passt nach Ansicht von Ramona Heide das Thema Sagen, Legenden und Märchen bestens rein. Und sie weiß: In den Schulen war es in den Vorjahren in dieser Zeit auch immer wieder an der Tagesordnung. Sozusagen vorausschauend hat sie sich deshalb an die Ausgestaltung dieser Ausstellung gemacht und lädt alle Lehrer und Schüler herzlich ein, sich vor Ort umzusehen und fleißig zu lesen. Aber auch Familien und alle anderen Interessierten sind natürlich gern gesehene Gäste.

Die Sagen- und Geistertour vorangestellt, hätte kein besserer Auftakt sein können. „Das ist eine sehr gute Idee“, loben Angela und Livia Urban. Mutter und Tochter haben beide nicht geahnt, dass es so viele Sagen aus der Region gibt und reihen sich ein in die Reihe derer, die die Tafeln interessiert inspizieren.

„Und wer noch Sagen kennt, die nicht dabei sind - ich nehme sie gern in das Archiv mit auf“, hofft Ramona Heide auf weitere Fundstücke. Erst am Tag vor der Ausstellungseröffnung war ihr noch weiteres Material übergeben worden.

Der gelungene Abend rund um Sagen und Geister hat jedenfalls Lust auf mehr gemacht. Ob das von der Weißen Frau in die Runde gerufene „Bis nächstes Jahr“ schon ein Versprechen war?

Die Ausstellung „Was Sagen sagen ... Legenden und Märchen erzählen“ ist bis zum 20. Dezember während der Öffnungszeiten der Verwaltung in der Aula im Verwaltungsstandort in der Heinrich-Zille-Straße in Falkenberg zu sehen. Schulen und Gruppen werden gebeten sich anzumelden. Für sie können auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten Termine gefunden werden. Kontakt: Tel. 035365 41170