Die Eisenbahnerhäuser in der Friedrich-Engels-Straße in Falkenberg sind verkauft. Für knapp 200 000 Euro sind die fünf Mehrfamilienhäuser bei der Immobilienauktion des Auktionshauses Karhausen in Berlin unter den Hammer gekommen. Genau dort, wo auch im Dezember 2017 das „Dorf“ Alwine bei einer Versteigerung deutschlandweit bekannt geworden ist.

Nun war es fast ein ganzer Straßenzug, den der Auktionator aufrief und für den, wie zu erfahren war, immerhin zwei Interessenten geboten haben. Deshalb blieb es auch nicht beim Anfangsgebot von 187 000 Euro für die fünf in attraktiver Klinkerbauweise errichteten Wohnhäuser mit 54 Wohneinheiten, einer Wohnfläche von rund 2700 Quadratmetern und über 7000 Quadratmeter Grundstück noch dazu.

Warum jetzt aufgeatmet wird in der Stadt Falkenberg

In der Stadt herrscht bezüglich des Käufers großes Aufatmen. Denn neuer Eigentümer nach Hammerschlag ist die Wohnungsbaugesellschaft „Elsteraue“. Geschäftsführerin Sabine Endemann hat via Telefonschalte an der Auktion teilgenommen, „mit ausdrücklichem Auftrag und Rückendeckung der Gesellschafter“, wie sie im Nachgang berichtet.

In großer Runde habe man sich vorab dazu verständigt, die angekündigte Versteigerung der etwa 1897 gebauten Häuser in der Falkenberger Friedrich-Engels-Straße nicht tatenlos verstreichen zu lassen. Man ist sich einig gewesen: Das Schlimmste wäre gewesen, die Stadt hätte bei der Zukunft der Häuser weiter nicht mitreden können.

Sie wieder in kommunale Hand zu bringen, sie waren die vergangenen 20 Jahre in westdeutscher Hand und haben keinerlei Aufmerksamkeit in Form von Sanierungen erhalten, haben alle lokalen Verantwortungsträger als einzige verlässliche Chance gesehen, die Gebäude und damit auch den gesamten Straßenzug wieder auf Vordermann bringen zu können.

Die Sanierung wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen

„Auch wenn das nicht in zwei Jahren zu machen sein, weil das mehrere Millionenprojekte werden“, nimmt Sabine Endemann allen denen den Wind aus den Segeln, die auf schnelle Veränderungen hoffen. „Alle Sanierungs- und Modernisierungsvorhaben stehen und fallen mit der Zusage von Fördermitteln. Ohne Zuschüsse sind die Projekte eine Nummer zu groß.“

Falkenberg

Sabine Endemann erinnert: „Die Gesellschaft ist einst auch deshalb gegründet worden, um genau solche Problemfälle auf die Reihe zu bringen - auch wenn es etwas dauert.“ In den zurückliegenden Jahren hat sie gemeinsam mit der Stadt Falkenberg auf diese Art und Weise Schmuckstücke wie das „Berliner Eck“ zu neuem Leben erweckt. Und auch in der Nachbarstadt Uebigau sind im Rahmen der Sanierung der historischen Innenstadt aus durchaus schon Bruchbuden einige sehr vorzeigbare, moderne Geschäfts- und Wohnobjekte entstanden.

Jetzt kommt ein neuer Plan für die Häuser auf den Tisch

Was aus den früher zur Eisenbahnersiedlung gehörenden Mehrfamilienhäusern werden soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Das sei die nun auf den Kauf folgende Aufgabe, sagt Sabine Endemann. Man müsse Konzepte erstellen, auch im Hinblick auf die Beantragung von Fördermitteln. Die beispielsweise über Stadtumbauprogramme abzugreifen wären. Die nötige Vorarbeit hat die Stadt mit einem erarbeiteten Integrierten Stadtentwicklungskonzept bereits geleistet. Das listet den Handlungsbedarf in der Friedrich-Engels-Straße immerhin schon einmal explizit auf.

Mit dem neu erworbenen Eigentum können nun auch wieder die Stadtverantwortlichen weiter Gebäude- und Straßenzukunft mitbestimmen. Noch vor der Aktion, so berichtet die Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft „Elsteraue“, habe es vor Ort Gespräche gegeben. Auch mit Verantwortlichen der Denkmalschutzbehörde. Man habe abgestimmt, was machbar wäre, denn die Gebäude sind für Falkenberg das Stadtbild prägend und stehen unter Denkmalschutz. Alles ist deshalb von vornherein nicht machbar. Aber genug, um auch aus diesem Straßenzug wieder einen ansehnlichen machen und die größtenteils aktuell leer stehenden Häuser mit neuem Leben füllen zu können.

Der Bürgermeister begrüßt die „glückliche Fügung“

Auf diese Veränderungen freut sich Bürgermeister Stephan Bawey schon sehr. Er sieht es als ausgesprochene „glückliche Fügung“ an, dass es gelungen ist, die fünf Häuser in kommunales Eigentum zu bekommen und sieht in der Wohnungsbaugesellschaft einen kompetenten Partner. Sie habe sich von Anfang an für das Vorhaben begeistern lassen - vor allem in einer äußerst knapp bemessenen Zeit. Denn vom Bekanntwerden des Versteigerungsvorhabens bis zur eigentlichen Versteigerung blieben nur vier Wochen. Die Stadt habe im Gegenzug versprochen, nach bestmöglichen Kräften bei der Beschaffung von Fördermitteln zu helfen.

„Ein Hauptschandfleck in der Innenstadt kann verschwinden“, atmet Stephan Bawey auf. „Und wenn dort erst einmal der Anstoß gegeben ist, vielleicht bekommen dann auch andere Häuser in der Nachbarschaft wieder ein schöneres Ansehen“, hofft er auf eine Art Initialzündung.