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Falkenberg erinnert an Bahnhofsbombardierung

Letzte Vorbereitungen für die Sonderausstellung: Auszubildende Angi Krausch widmet sich einer Tafel, auf der die Chronologie der Ereignisse vor 70 Jahren festgehalten werden soll.
Letzte Vorbereitungen für die Sonderausstellung: Auszubildende Angi Krausch widmet sich einer Tafel, auf der die Chronologie der Ereignisse vor 70 Jahren festgehalten werden soll. FOTO: sk
Falkenberg. Am 18. und 19. April 1945 fielen Hunderte Bomben auf Falkenberg herab, insbesondere entlang der Bahnstrecke. Mit einer Gedenkveranstaltung und einer Sonderausstellung soll an den Jahrestag dieses Grauens erinnert werden. Sylvia Kunze

Wenn am Samstag um 17.50 Uhr Kirchglockengeläut dem ruhigen Nachmittag vorübergehend ein Ende setzt, dann aus gutem Grund: 70 Jahre zuvor begannen genau zu diesem Zeitpunkt schreckliche Stunden für den Ort. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs flogen amerikanische Bomber einen Großangriff auf Falkenberg. Schwerpunkt war der Bahnhof. Auch am Tag darauf dauerte der Bombenbeschuss an. Hundertfach fiel die zerstörerische Fracht der Flieger zu Boden und richtete bei der Detonation schlimme Schäden an. Die Bahnanlagen wurden massiv zerstört. Das Bahnhofsgebäude lag in Schutt und Asche. Trümmer, wohin man schaute, auch in den angrenzenden Straßen.

An die 35 Augenzeugenberichte hat Archivarin Ramona Heide in einem dicken Ordner gesammelt. Darüber hinaus umfangreiches Bild- und Faktenmaterial. Die Zahl der Dokumente, die über eine Zeit berichten, an die zu erinnern Mahnung sein soll, ist insbesondere in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. "Zum 60. Gedenktag an die Bombenangriffe hatten wir die erste thematische Ausstellung gehabt, damals noch in der alten Mitropa. Mehr als 1000 Besucher sahen sie sich damals an", blickt Ramona Heide zurück. Sie habe für viele, die die schlimme Zeit miterlebt haben, den Anstoß gegeben, ihre Erinnerungen aufzuschreiben und weiterzugeben. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Heimatgeschichte wurde alles eingehende Material emsig gesammelt.

Die neue Sonderausstellung, die im Rahmen der öffentlichen Gedenkfeier am Samstag um 17.30 Uhr im Verwaltungsgebäude in der Heinrich-Zille-Straße eröffnet werden soll, kann nun einen noch umfangreicheren Überblick über die Geschehnisse vor 70 Jahren geben. 15 Stoffbanner und weitere zehn Schautafeln werden vorbereitet. Sie zeigen Falkenberg vor und nach der Bombardierung, berichten vom Wiederaufbau. Das Eisenbahnmuseum unterstützt mit Exponaten. Darunter befindet sich auch ein Plan, auf dem alle Einschläge an diesen Tagen im April 1945 verzeichnet sind.

Wer genau hinschaut, wird sehen, dass ein Treffer unweit des Gebäudes registriert ist, an dem die Gedenkveranstaltung stattfindet. Schräg gegenüber vom heutigen Verwaltungssitz, gleich hinter der alten Sparkasse klaffte ein riesiger Bomben trichter. Und wahrscheinlich werden sich einige Gäste der Veranstaltung noch daran erinnern können und davon berichten. "Den Zeitzeugen heute zuzuhören, ist ganz wichtig. Bald wird es sie nicht mehr geben", mahnt die Archivarin.

Zum Thema:
In Schlieben-Berga gibt es am Samstag ebenfalls eine Gedenkveranstaltung. Dort wird an die Befreiung des KZ-Außenlagers vor 70 Jahren erinnert. Beginn ist um 9 Uhr mit einer Kranzniederlegung am Denkmal der Opfer des Faschismus auf dem Schliebener Friedhof. Weiter geht es dann ab 10 Uhr in der Gedenkstätte mit einem internationalen Forum und Führungen.