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| 08:14 Uhr

Rewe-Bauvorhaben in Falkenberg
Südstraße drängt auf andere Lösung

 So sieht es jetzt noch aus, wenn Familie Stabroth und Anwohner vier weiterer Häuser in der Falkenberger Südstraße aus dem (Stuben)Fenster schauen - nicht restlos idyllisch, aber grün und hell. Wird dieser Ausblick bald von einer hohen Rückwand eines neuen Rewe-Marktes versperrt?
So sieht es jetzt noch aus, wenn Familie Stabroth und Anwohner vier weiterer Häuser in der Falkenberger Südstraße aus dem (Stuben)Fenster schauen - nicht restlos idyllisch, aber grün und hell. Wird dieser Ausblick bald von einer hohen Rückwand eines neuen Rewe-Marktes versperrt? FOTO: LR / Sylvia Kunze
Falkenberg. Die Vorbereitungen für den Neubau eines Rewe-Einkaufsmarktes im Süden der Stadt Falkenberg schreiten voran. Den Anwohnern schmeckt das definitiv nicht. Und wie die Kleingärtner darüber denken, wird sich am Samstag zeigen. Von Sylvia Kunze

Die Vorbereitungen für den Neubau eines Rewe-Einkaufsmarktes im Süden der Stadt Falkenberg schreiten voran. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung haben die Abgeordneten mit dem Feststellen der städtischen Entbehrlichkeit der für das Bauvorhaben in Betracht gezogenen Grundstücke im Bereich der Gartensparte „Gute Hoffnung“ einen wichtigen Schritt getan. Etwas anderes wäre auch nicht festzustellen gewesen, bekräftigt die Falkenberger Bauamtsleiterin Gundula Manigk. Das Areal werde definitiv nicht für kommunale Aufgaben, beispielsweise für den Bau einer Kita oder einer Schule, benötigt. Und das Verpachten an eine Gartensparte sei nicht als kommunale Aufgabe eingestuft.

Grundsatzbeschluss mehrheitlich gefasst

Ganz wohl war einigen Abgeordneten bei diesem Grundsatzbeschluss dennoch nicht. Warum mache man nicht erst Nägel mit Köpfen, wenn die Mitgliederversammlung der Gartensparte „Gute Hoffnung“, auf deren Gelände der neue Einkaufsmarkt entstehen soll, dem Vorhaben zugestimmt habe, fragte beispielsweise Patrick Dunkel (CDU). Sein Parteikollege Tilo Koch befürchtete, dass bei derartigem städtischen Vorpreschen die Verhandlungsmöglichkeit der Pächter geschmälert werde.

Richtig unwohl wird derweil den Anwohnern der fünf Häuser in der Südstraße, die den neuen Markt direkt vor ihre Nase gesetzt bekommen sollen. Sie fühlen sich in den bisherigen Entscheidungs- und Gesprächsprozess nicht ausreichend einbezogen. Mit den Kleingärtnern habe die Stadt den Schulterschluss gesucht, mit den Südstraßenanliegern jedoch nicht, ärgert sich Rainer Stabroth, der gemeinsam mit anderen Südstraßenbewohnern den Dialog mit Stadtverwaltung und Abgeordneten sucht.

Statt Blick in die Natur Blick auf eine Wand

Der ist aus seiner Sicht (weiter) dringend nötig. Der Blick auf die Bauskizze lässt erst einmal nichts Gutes erahnen. Mit der Idee, das Einkaufsgebäude direkt an die Südstraße angrenzen zu lassen, sehen die jetzt dort Wohnenden den Ausblick ins Grüne und Helle schwinden und stattdessen eine in ihrer Höhe noch nicht fest definierte Wand wachsen.

Der Zollstock-Test am Montagvormittag hat offenbart: Die Sonne kann noch so kräftig scheinen, die Südstraße einschließlich der Vorgärten läge selbst bei einem gerade erst einmal drei Meter hohen Gebäude, das auf jetziger Höhe der Zäune der Gartenanlage abschließt, aktuell voll im Schatten. Welches Bild sich im Winter abzeichnet, kann sich jeder ausmalen.

Platzierung des Marktes überdenken

Deshalb bitten die Südstraßen-Anwohner, die Platzierung des Marktes noch einmal zu überdenken und um ein Verschieben weiter in Richtung Süden: entweder nur um eine Gartenreihe (und auf dem frei bleibenden Platz mit Bäumen, Sträuchern und anderem Grün zu arbeiten) oder den Markt zu drehen und an die Grenze der Gartenanlage im Süden zu rücken. Bei der jetzt favorisierten Variante führen sie gefürchtete Wertminderungen der Grundstücke, Lärm und Abgase durch Lieferfahrzeuge und Kühlanlagen sowie Entwässerungsprobleme für die Straße ins Feld.

Die Stadtverantwortlichen stecken in der Zwickmühle. Wollen sie den Anliegern entgegenkommen, hieße das, dass einige Noch-Gartenbesitzer mehr als bei der jetzt auf dem Tisch liegenden Planung den Kürzeren ziehen würden und ihre angestammten, kleinen Paradiese im Grünen aufgeben müssten.

Anwohner wollen sich noch einmal klar positionieren

„Im weiteren Planungsprozess werden wir darüber sprechen müssen“, hat die Bauamtsleiterin zugesichert. Denn dass die Südstraßenanwohner die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans nutzen werden, um die Planungsunterlagen zu studieren und danach noch einmal eine umfassende Stellungnahme abgeben werden, das steht nicht nur für Rainer Stabroth und seine Frau Karin fest.

Kleingärtner haben Samstag Mitgliederversammlung

Bei den Kleingärtnern der „Guten Hoffnung“ rückt indessen die Mitgliederversammlung näher, zu der am Samstag eingeladen wird. Bei der soll über die Umgestaltung der Anlage, sprich auch das beabsichtigte Bauvorhaben Rewe und die damit verbundene Aufgabe von etwa 40 Parzellen, einige davon noch bewirtschaftet, gesprochen werden. Und man wolle dabei abstimmen, welche Forderungen man im Gegenzug aufmachen werde, hat Vorstandsvorsitzender Hartmut Richter angekündigt.

 So sehen die Planungen für das Bauvorhaben aus.
So sehen die Planungen für das Bauvorhaben aus. FOTO: Atlas-Bau GmbH Weimar