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| 15:29 Uhr

Tierschutz
Wie ist das Optimum an Platz für Sau und Ferkel?

In der Sauenzuchtanlage der Agrargenossenschaft Beyern im Falkenberger Ortsteil Kiebitz werden Bewegungsbuchten für Sauen und Ferkel getestet. Ziel ist herauszufinden, bei welcher Variante Tierwohl und Produktivität den größten gemeinsamen Nenner finden. Erste Ergebnisse liegen vor.
In der Sauenzuchtanlage der Agrargenossenschaft Beyern im Falkenberger Ortsteil Kiebitz werden Bewegungsbuchten für Sauen und Ferkel getestet. Ziel ist herauszufinden, bei welcher Variante Tierwohl und Produktivität den größten gemeinsamen Nenner finden. Erste Ergebnisse liegen vor. FOTO: Agrargenossenschaft
Beyern. Agrargenossenschaft Beyern arbeitet an europäischem Innovationsprojekt und liefert Antworten. Von Sylvia Kunze

Seit 2015 können sich in Brandenburg wissenschaftliche Einrichtungen mit Partnern aus der Landwirtschaft um Fördermittel aus der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ bewerben. Zu den ersten der rund 20 bereits bewilligten EIP-Projekte gehört die Untersuchung von „Bewegungsbuchten für säugende Sauen in der Produktion“. Das Projekt passt zum Tierwohl-Konzept des im Tierschutzplan Brandenburg vorgeschlagenen Maßnahmekatalogs und wird mit einem der größten Agrarbetriebe im Landkreis Elbe-Elster bearbeitet: der Agrargenossenschaft Beyern. Deren Vorstandsvorsitzender, Horst Bielagk, hat nun am gestrigen Dienstag Brandenburgs Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde erst das Projekt selbst in der Theorie am großen Beratungstisch im Firmensitz und dann am praktischen Beispiel in der Sauenzuchtanlage am Standort Kiebitz vorgestellt.

Schilde betonte gleich zu Beginn, dass sie froh sei, dass dieses Förderprogramm in Brandenburg so hervorragend angelaufen sei, weil die Ergebnisse, „die Sie liefern, auch gut für andere Betriebe sind, denn wir brauchen praxistaugliche Lösungen“. Die weitergehende Debatte zeigte auf, dass Praxistauglichkeit und die Forderung bestimmter Personengruppen nach Tierwohl selten konform gingen. Da wolle ein Mensch, der zu Hause gerade mal, wenn überhaupt, eine Katze oder einen Hund halte, den Landwirten vorschreiben, wie Schweineproduktion funktioniere. Bielagk ärgert sich darüber massiv. Seine Forderung an seine Arbeit hat er schon mehrfach unterstrichen: „Unseren Tieren muss es gutgehen, sonst können wir nichts verdienen.“ Aber er macht auch deutlich: „Mehr Platz für sie bedeutet nicht unbedingt mehr Tierwohl.“

Das kann er an Fakten belegen, die im Rahmen des Förderprojekts bisher gesammelt wurden. Agrar­ingenieurin Katja Menzer, die das Förderprojekt betreut, hat über die zurückliegenden Monate akribisch Daten gesammelt und kommt zu dem Schluss, dass steigender Bewegungsspielraum der Sau für anwachsende Ferkelverluste sorge. Ihre Ergebnisse kommen aus den Daten von vier verschiedenen Bewegungsbuchten, die seit Januar vorigen Jahres in den Kiebitzer Ställen der Agrargenossenschaft Beyern getestet werden.

Der Vorstandsvorsitzende ist froh, die junge Frau für die Studie an seiner Seite zu haben: „Allein hätten wir das nicht leisten können“, sagt er. Weitere Partner haben sich in einer operativen Gruppe zusammengefunden. Dazu gehören unter anderem Vertreter von der Humboldt-Uni, aus der Agrargenossenschaft Mühlberg und von der sächsischen Landesversuchsanstalt Köllitzsch.

Bielagk ist bereits von den ersten Ergebnissen der Studie überzeugt und darauf basierend kräftig am Umbauen. Aus seiner Sicht rechnen sich die Investitionen für Sauen und Jungferkel, weil weniger Tierverluste und mehr Leistung erreicht und zugleich die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter in der Sauenhaltung verbessert werden können.

In der Agrargenossenschaft Beyern ist ein Zwischenstand des laufenden Projekts "Bewegungsbuchten für säugende Sauen in der Produktion" vorgestellt worden. Gast war unter anderem die Brandenburger Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde (linke Tischseite, 2.v.h.).
In der Agrargenossenschaft Beyern ist ein Zwischenstand des laufenden Projekts "Bewegungsbuchten für säugende Sauen in der Produktion" vorgestellt worden. Gast war unter anderem die Brandenburger Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde (linke Tischseite, 2.v.h.). FOTO: Sylvia Kunze / LR