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| 20:12 Uhr

Herzberg
Es muss ja nicht gleich die große Politik sein

Herzberg. In Herzberg sollen Kinder und Jugendliche mehr Mitspracherecht erhalten. Doch wie stellt man das an?

Nach der Änderung der Kommunalverfassung des Landes Brandenburg haben die Herzberger Stadtverordneten, wie die meisten Kommunalparlamente im Elbe-Elster-Kreis, Ende vergangenen Jahres die Einwohnerbeteiligungssatzung der Stadt neu gefasst. Bisher waren Beteiligungsformen wie Einwohnerfragestunde, Einwohnerversammlung Einwohneranträge, Bürgerentscheide oder Bürgerbegehren festgeschrieben. Diese wurden in der neuen Satzung um die Einwohnerbefragung, Anliegerversammlungen, die Beteiligung der Bürger an der Haushaltsdiskussion und die Sicherstellung der Beteiligung und Mitwirkung von Kinder und Jugendlichen ergänzt.

Um das Mitwirken von Kindern und Jugendlichen am Stadtleben in Herzberg, vielleicht sogar auf politischer Ebene in Form eines Jugendparlaments, ging es auch im jüngsten Ausschuss für Jugend, Kultur, Bildung und Sport. Teilgenommen haben an der Beratung einige Kinder und Jugendliche (fast ausschließlich Mädchen) der Clajus-Oberschule, des Gymnasiums und aus dem Grundschulbereich der Clajus-Schule. Sie durften an der Diskussion mitwirken.

Diese zeigte schnell, dass Herzberg als Kleinstadt ohne Kino, ohne spezifische Jugendeinrichtung (außer kleinere Jugendclubs in Ortsteilen) und ohne Diskothek nicht gerade ein Schlaraffenland für die jungen Leute ist. Außerhalb von Schule und Vereinen liegt die Jugendarbeit in der Stadt ziemlich am Boden. Hinzu kommt, dass die Gruppe der Kinder und Jugendlichen nicht nur wegen der verschiedenen Altersgruppen naturgemäß wenig homogen ist. Es gebe Jugendliche, die viele Veranstaltungen besuchten, die sehr engagiert und auch politisch interessiert seien. Andere wüssten einfach nichts mit sich anzufangen und wieder andere würden nur Chaos anrichten, charakterisierte eine ältere Schülerin die Situation. Einen klassischen Jugendklub sahen die Mädchen nicht als Allheilmittel an. Der würde nur ein bestimmtes Klientel bedienen, von dem sich andere dann fern hielten, meinten sie.

Die kleineren Schülerinnen (4. Klasse) hatten schon konkrete Vorstellungen. Sie wünschen sich ein Haus mit mehreren Räumen, wo man Lesen, sich mit Technik beschäftigen oder spielen kann, eine Art Jugendfreizeitzentrum. Auch die Älteren kritisierten, dass es in Herzberg keinen offenen Treffpunkt für die jungen Leute gebe.

Das Problem der Stadtverantwortlichen in Herzberg ist, dass sie nicht wissen, was sich die Jugendlichen eigentlich von der Stadt erhoffen. In der Diskussion kam der Vorschlag, ähnlich wie die Umfrage zur altersfreundlichen Gemeinde auch eine Befragung zur jugendfreundlichen Stadt zu starten.

Der Trend, so viel scheint sicher, geht zur offenen Arbeit. Aber wie soll und kann das in Herzberg umgesetzt werden? Die Stadt möchte die Jugendkoordinatorenstelle wieder neu besetzen. Dafür müsste zunächst geklärt sein, was dieser Koordinator überhaupt leisten soll und was die Jugendlichen sich von ihm oder ihr erwarten. Aus den Reihen der Stadtverordneten kam mehrmals der Vorschlag, die Kinder und Jugendlichen einfach zu fragen. Bürgermeister Karsten Eule-Prütz und seine Crew wollen sich an das Problem „herantasten“, in die Schulen gehen und sich mit Schülersprechern und Schülervertretern unterhalten. „Wir fangen erst mal klein an. Es muss ja nicht gleich ein Jugendparlament sein“, so der Bürgermeister. Der Ausschussvorsitzende Marco Hammer nannte es „Ideen einsammeln“, und Susanne Wegner, zuständig für das Stadtmarketing, ist überzeugt, dass die jungen Leute viele Ideen haben werden. Inwieweit diese umsetzbar sind, betonte Karsten Eule-Prütz immer wieder, müsse man sehen. Als Bürgermeister hat er natürlich nicht nur den Spaß- sondern auch den Kostenfaktor im Blick.

Kinder- und Jugendarbeit ist mehr als Kitas und Schulen zu bauen. Die jungen Leute an den Entscheidungen zur Stadtentwicklung teilhaben zu lassen und auf ihre Meinung Wert zu legen, ist eine existenzielle Aufgabe für die Zukunft nicht nur in der Stadt Herzberg. Es wird Zeit, dass diese Thematik zielstrebiger angepackt wird.