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Es ist ein bodenständiger Blick auf die Historie

HERZBERG.. Nein, sagen Hannelore Lehmann und Anke Lausch übereinstimmend, Probleme hätten sie damit überhaupt nicht, nun als gemalter Akt in einer Ausstellung zu hängen. Lothar Günther

Im Gegenteil, es sei ein sehr gutes Gefühl, von einem derart renommierten Künstler wie Volker Pohlenz gemalt worden zu sein. Zumal die beiden auch noch zu jenen Hobby-"Sonntagsmalern" gehören, die der Künstler aus Wöllnau bei Doberschütz in den Techniken des Malens und Zeichnens unterrichtet. Und auch für diese pädagogische Arbeit schätzen sie ihn sehr. Am Donnerstag nun eröffnete die Herzberger Stadtbibliothek eine Ausstellung mit Werken von Volker Pohlenz, die sofort reges Interesse fand.
Die Bilder überraschen den Betrachter zunächst aus zwei Gründen: Einmal springt die fast archaische Malweise des Volker Pohlenz ins Auge. Im Stile der Alten Meister schafft er nahezu fotorealistische Gemälde, die frei sind von jeglichem moderen Schnickschnack, sondern realistisch im besten Sinne. Ein unverstellter Blick auf die Wirklichkeit tut sich auf, die Bodenständigkeit des 50-Jährigen spricht uns an, auch und gerade, wenn er sich mit historischen Gegenständen beschäftigt. Und - daran anknüpfend - zum zweiten verblüffend: Die Vielfalt der Themen, Sujets und Malanlässe, die das Werk ausmachen.
"Entwürfe der vergangenen zwei Jahrzehnte" hat Pohlenz seine Herzberger Exposition genannt, und in der Tat gibt es darunter etliche Darstellungen, die im Anschluss geradezu zu einem Gebrauchswert geführt werden. So die Bühnenbilder und Prospekte fürs Puppentheater (einige davon sind auch im Kreismuseum Bad Liebenwerda zu sehen), so die Vorarbeiten für größere Wandbilder, die inzwischen einige öffentliche und private Gebäude im Großraum zwischen Torgau, Eilenburg, Jessen und dem Elbe-Elster-Kreis schmücken. Meist wird dabei ländliches Leben und die Spezifik des jeweiligen Gewerks dargestellt, das am Anwesen seine Geschichte hat. Einen Rückblick auf die letzten Jahre der DDR bieten die Darstellungen von vier Gutshöfen in Mockrehna, die eine Erinnerung heraufbeschwören an den morbiden Charme einer Endzeit. Und: Pohlenz gestaltet auch diese völlig un prätentiös, ohne die Arroganz des Drüberstehers. So war es, will er wohl sagen. So sahen unsere Dächer und Fassaden aus. Und fast bedauert er es ein wenig, dass inzwischen vieles so glatt und edel geworden ist. "Auf jeden Fall", sagt er, "sind das inzwischen auch historische Bilder geworden." Ohne dass er dies am Ende der achtziger Jahre bewusst gewollt hat.
Gezielter dagegen sind die Rückblicke auf Ereignisse des Siebenjährigen Krieges, insbesondere die Schlacht bei Torgau am 3. November 1760. Hier erkennt man deutlich den künstlerischen Einfluss seines Lehrmeisters Prof. Werner Tübke. Nach dem Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (bei Prof. Mayer-Foreyt und Arno Rink) war es dem jungen Absolventen vergönnt, neben anderen unter Anleitung des Meisters am berühmten Monumental-Wandbild "Frühbürgerliche Revolution in Deutschland" in Bad Frankenhausen mitzuwirken. "Das war eine großartige Schule", sagt Volker Pohlenz im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Man habe bei Tübke das disziplinierte Arbeiten erlebt, die Liebe und Beachtung auch des kleinsten Details, die Strenge sich selbst gegenüber.
Später hat Pohlenz mit dem exponierten Vertreter der so genannten Leipziger Schule auch das Bühnenbild für eine "Freischütz"-Inszenierung an der Bonner Oper mit gestaltet.
Als sein wichtigstes bisheriges Werk freilich sieht er das Wandbild "Kaiserliche Pfalz" aus Goethes Faust, das im Leipziger "Auerbachs Keller" zu besichtigen ist. Wer nach dem Herzberger Ausstellungsbesuch nicht ganz so weit reisen will, um ein weiteres "Stück Pohlenz" zu genießen, der möge nach Zwethau fahren. Hier findet sich an der Giebelseite eines großen Gasthofes ein wunderbar heiteres Wandbild des Wöllnauers, bei dessen Ausführung vor zwei Jahren sich übrigens der Kontakt zu Mitarbeitern der Herzberger Bibliothek ergeben hat.
Für die Ausstellungseröffnung hatte sich Volker Pohlenz Musik von Karl Heinrich Graun gewünscht - Lieblingsmusiker von Preußenkönig Friedrich II. und gemeinsam mit seinem Bruder Namenspatron der hiesigen Kreismusikschule. Luisa Skawski (Flöte) und Rainer Frieß (Piano) erfüllten diesen Wunsch gern. Und wenn der Maler dennoch bekannte, dass er eher den harten Rock bevorzuge, dann hörte es der alte Graun auf dem Porträt von Volker Pohlenz, das man nun ebenfalls in Herzberg sehen kann, augenscheinlich mit Milde.