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Es geht auch ohne Hauen und Stechen

Bei der Tour am Donnerstag durch den "Schweinert".
Bei der Tour am Donnerstag durch den "Schweinert". FOTO: sk
Falkenberg. Es sind hauptsächlich Befürchtungen, dass alles "einen Zacken schärfer" werden könnte, die so manchen Gast der naturkundlichen Führung, zu der am Donnerstagnachmittag die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg im Zusammenhang mit der begonnenen Managementplanung für das Natura 2000-Gebiet "Schweinert" eingeladen hatte, bewegen. "Was man damals zum Körbaer Teich gehört hat, hat hellhörig werden lassen", sagt der Falkenberger Bürgermeister Herold Quick. Sylvia Kunze

Und schiebt nach: "Wir wollen von Anfang an aufpassen und mitreden." Schließlich umfasst das ausgewiesene Planungsgebiet fast ausschließlich Stadtwald.

Mit in der Exkursionsrunde sind neben weiteren Mitarbeitern der Stadtverwaltung und vom Kiebitz-Team zum Beispiel auch Vertreter der Forstwirtschaft, der Jägerschaft, der Agrargenossenschaft Beyern, der Naturschützer und ein privater Waldbesitzer. Eine gute Mischung, mit der André Freiwald vom NaturSchutzFonds und Frank Meyer vom beauftragten Hallenser Planungsbüro RANA durchaus zufrieden sein können. Geht es den beiden doch in dieser Anlaufberatung darum, die Managementplanung zum einen ganz allgemein und zum anderen auch schon recht konkret mit ersten Ideen vor Ort vorzustellen. Man stehe ganz am Anfang, bekräftigen beide, und es bleibe noch genügend Zeit, in Ruhe und bei umfangreicher Beteiligung zu besprechen, was gehauen und gestochen ist, verdeutlicht Meyer.

Die folgende zweistündige Exkursion bringt ans Licht, dass man im "Schweinert" von einem Hauen und Stechen ganz weit entfernt sein dürfte. Kein Aufschrei: Das geht so gar nicht! Kein skeptischer Blick: Was will der uns denn jetzt erzählen? Stattdessen die Erkenntnis: Wovon hier die Rede ist, das machen wir doch eh schon bzw. haben es genau so geplant.

Wundern muss das nicht, setzen doch die Maßgaben für das Naturschutzgebiet und die Fläche der Bodendenkmale im Bereich des "Schweinert" schon jetzt klare Grenzen für Machbares und Unmögliches. Hinweise von Frank Meyer, wie noch vorhandene "Problemflächen" zukünftig behandelt werden müssten, quittiert Revierförsterin Doris Reimann mit einem: "Genau so war es angedacht."

Und dass das nicht einfach so dahergeredet ist, zeigt sich nur wenige Meter weiter. "Ein mustergültiger Bestand", lobt der an einem bodensauren Eichenwald stehen gebliebene Planer. "Aber muss so viel totes Holz drin rumliegen?", fragt der Bürgermeister angesichts der nicht nur vom Kiebitz-See in den "Schweinert" drängenden Touristen. Er hätte es gern sauberer. Doch Meyer bremst: "Da ginge theoretisch sogar noch mehr. Wir wollen keinen aufgeräumten Wald." Hubert Prause, jetzt Jäger, einst über viele Jahre Oberförster im "Revier" hat die passende Idee: "Erklären wir doch auf Infotafeln, was es mit dem Totholz auf sich hat. Vielleicht auch noch das frühere Harzen und die heutige Waldnutzung." Wofür es sogar finanzielle Unterstützung der Stiftung geben könnte, wie André Freiwald meint.

Der Weg führt vorbei an Flächen, auf denen früher Kiefern standen und die nach Sturmschäden wieder aufgeforstet wurden. Mit Stieleichen. Und nur wenige Meter weiter mit Pappeln, als Futterangebot für den heimischen Biber. "Alles richtig gemacht", lobt Planer Frank Meyer.

Er berichtet, dass es nach dem Erheben der Daten, welche Arten und Lebensraumtypen im Gebiet vorkommen, an das Schreiben des Berichts gehen werde. Und dass man nach dessen Prüfung durch das Landesamt voraussichtlich Anfang 2018 zur nächsten Inforunde in Falkenberg einladen könne, dann mit konkreten Vorschlägen für Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen im "Schweinert".

Zum Thema:
Im Landkreis zählen insgesamt 44 Gebiete zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Eines davon ist das nördlich von Falkenberg, am Mittellauf der Schwarzen Elster gelegene Gebiet "Schweinert". Es wurde aufgrund der dort vorkommenden seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten als sogenanntes Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet in das Natura 2000-Netz aufgenommen. www.natura2000-brandenburg.de/projektgebiete/elbe-elster/schweinert