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| 18:11 Uhr

"Es gab für mich keine Anzeichen"

Herzberg. Herzberger Friseurmeisterin spricht darüber, was sie nach dem Angriff eines syrischen Angestellten vor zwei Wochen bewegt. Sylvia Kunze

Ilona F. steht wieder in ihrem Salon. Dort, wo sie vor zwei Wochen von einem ihrer Angestellten angegriffen und mit einem Rasiermesser erheblich verletzt worden war. Der 39-jährige Mohammed H. sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen versuchten Mordes.

Hätte sie diesen Angriff auf sich kommen sehen müssen? Die Friseurmeisterin stellt sich diese Frage immer wieder. Und findet darauf keine Antwort. "Heute weiß ich nicht, was ich denken soll. Bis zu diesem Mittwochabend war er für mich ein liebenswerter Mann. Ich habe bis zuletzt daran geglaubt, dass aus ihm was wird, denn ich habe seine Qualitäten im Fachlichen geschätzt", sagt Ilona F..

Die Herzbergerin möchte sich zur Tat selbst nicht äußern, viel mehr kreisen ihre Gedanken immer wieder um das Warum. "Habe ich mich zu sehr eingemischt? War ich zu stark für ihn? Haben wir, also mein Mann und ich, zu viel für ihn organisiert?" - Diese und ähnliche Gedanken gehen ihr ständig durch den Kopf. Aber es habe doch keinerlei Anzeichen gegeben, dass der aus Damaskus stammende Syrer vielleicht andere Pläne gehabt haben könnte. Seine Mutter, mit der Ilona F. in Verbindung stand, habe mehrmals geschrieben, wie dankbar ihr Sohn wäre für die Chance, die er bekomme und wie sehr er die "Chefin" respektiere. "Das hat er mir und meinem Mann auch persönlich versichert."

Dennoch muss etwas mit ihm geschehen sein, das ihn zu dieser Bluttat trieb. "Es gab für mich keine Anzeichen, dass etwas Derartiges passieren könnte", blickt die 64-Jährige zurück. Aber, gesteht sie ein, er habe sich in den vergangenen Monaten verändert. Ilona F. berichtet: "Wir hatten nach dem super Anfang viel Zeit in ihn investiert und haben ihm in jeder Beziehung geholfen. Wir hatten durchaus Pläne. Er ist ein super Friseur. Die Kunden waren mit seiner Arbeit sehr zufrieden. Ich habe bis zuletzt daran geglaubt, dass das alles wird."

Selbst noch, als die Veränderung einsetzte. Er, der Moslem, der bislang keineswegs als besonders gläubig in Erscheinung getreten war, habe immer öfter von Gott gesprochen. Das sei ihr schon langsam auf die Nerven gegangen. Er sei auch nicht mehr so häufig zu Besuch zu der Friseurmeisterin und ihrem Mann gekommen. Vorher sei das durchaus üblich gewesen. Man habe viel mitein ander gesprochen, sowohl auf beruflicher als auch auf privater Ebene. Er habe das Lernen der deutschen Sprache immer mehr vernachlässigt. "Er hat mir immer wieder versichert, dass er die Sprache lernen will, aber später. Immer öfter hieß es später, wenn wir über die Zukunft geredet haben", erzählt die Geschäftsfrau.

Es habe zudem Probleme im Salon gegeben. Mohammed H. sei immer wieder mal unpünktlich gewesen, habe es mit der Zeit nicht so ernst genommen. Nach Schönewalde, wo Ilona F. Inhaberin eines weiteren Friseurgeschäfts ist, sei er nur unwillig gefahren. In der Woche seines Angriffs habe er seinen Einsatz dort abgelehnt.

Nach Ärger im Herzberger Laden, weil ein Kunde mit dem Ergebnis der Arbeit des syrischen Friseurs nicht zufrieden gewesen sei, habe sie ihm angekündigt, dass man miteinander reden müsse. "Ich wusste, dass es so nicht weitergehen kann. Aber sofort drängte sich mir die Frage auf, was aus ihm werden soll, wenn ich ihn rausschmeiße. Ich habe schließlich immer noch an ihn geglaubt."

Dass dies möglicherweise ein fataler Fehler war, beginnt die Herzbergerin erst jetzt zu realisieren. "Dass ich mich in einem Menschen so getäuscht haben soll", schüttelt sie ungläubig den Kopf. "Mir tut er eigentlich nur leid."

Um so mehr habe es sie gefreut, wie viel Mitgefühl sie in den vergangenen zwei Wochen erfahren habe, wie viele Grüße sie erreichten - "zum Teil von Menschen, die ich gar nicht kenne". Darunter auch Syrer, sie hätten ihr Blumen gebracht, sich in einem Brief für die Tat ihres Landsmannes entschuldigt und sich davon distanziert. "Ich habe keinen Hass auf Syrer", sagt Ilona F. "Die Inte gration hätte klappen können, auch der vielen Unterstützung wegen, die ich erhalten habe." Gesundheitlich gehe es ihr halbwegs gut, schätzt sie ein. "Nur das ist mir alles noch zu viel Trubel", sagt sie und hofft auf mehr Ruhe.