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Erst bitterer Ernst, dann die Feier

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Der Dachstuhlbrand in der Walther-Rathenau-Straße am Samstagmittag fordert die Kameraden der Falkenberger Wehr und ihrer Helfer. Schnelles Eingreifen und versiertes Handeln gebieten den Flammen schnell Einhalt. Es wird niemand verletzt. Warum der Brand ausgebrochen ist und welchen Schaden er angerichtet hat, ist noch nicht bekannt. Das Haus ist erst einmal nicht mehr bewohnbar.
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Der Dachstuhlbrand in der Walther-Rathenau-Straße am Samstagmittag fordert die Kameraden der Falkenberger Wehr und ihrer Helfer. Schnelles Eingreifen und versiertes Handeln gebieten den Flammen schnell Einhalt. Es wird niemand verletzt. Warum der Brand ausgebrochen ist und welchen Schaden er angerichtet hat, ist noch nicht bekannt. Das Haus ist erst einmal nicht mehr bewohnbar. FOTO: dmu1
Falkenberg. Die Falkenberger Feuerwehr war Samstag voll gefordert. Mitten in den Vorbereitungen zur großen Versammlung schrillen die Sirenen. Sylvia Kunze

So mancher der Kameraden der Falkenberger Feuerwehr ist gerade dabei, in Vorbereitung der in wenigen Stunden beginnenden Jahreshauptversammlung und Festveranstaltung zum 125-jährigen Bestehen der Falkenberger Feuerwehr seine Anzugsunform auszubürsten oder das Feuerwehrhemd zu bügeln, als der schrille Sirenenton jede Arbeit zum Ende verdammt. Es ist 11 Uhr am Samstagvormittag, und in der Walther-Rathenau-Straße brennt es in einem mehrgeschossigen Haus. Die Leitstelle Lausitz alarmiert wegen des Gefahrenpotenzials eines Brandes mitten in der Falkenberger Innenstadt nicht nur die Falkenberger Wehren, sondern auch die umliegender Orte. Mehr als 30 Kameraden sind schnell vor Ort. Aus dem Dach des Hauses lodern die Flammen. Dachziegel prasseln zu Boden. Genau dieses Geräusch hatte einen jungen Mann im Haus auf das Feuer aufmerksam gemacht. Als er auf den Balkon trat, sah er Qualm über dem Dach aufsteigen und schlug Alarm, sodass sich alle Hausbewohner rechtzeitig ins Freie retten konnten und niemand verletzt wurde.

Die Feuerwehrmänner gehen nach erster Lageerkundung zum Innenangriff über, arbeiten sich nach oben bis zum Brandherd vor, haben ihn schnell unter Kontrolle und bereiten den Flammen ein Ende. Aber allein des vielen Löschwassers wegen, das zum Einsatz kam und das sich nun seinen Weg durchs Haus nach unten suchen wird, gelangt Einsatzleiter Sören Diecke zur Einschätzung, dass die Wohnungen vorerst nicht bewohnbar sind.

Bürgermeister Herold Quick ist längst vor Ort und hält telefonischen Kontakt mit Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes und Monika Mietsch vom Erholungsgebiet "Kiebitz". In dortigen Bungalows könnten vom Brand Geschädigte erst einmal ein Ausweichquartier beziehen. Aber alles regelt sich so. Die Mieter kommen privat unter.

Die Zeit ist vorangeschritten. Diecke ruft den Herzberger Stadtbrandmeister Ralf Becker an und bittet um Hilfe. "Er hat sofort zugesagt, die Einsatzstelle mit seinen Leuten zu übernehmen, damit wir rechtzeitig zur Versammlung kommen", freut er sich.

Nur wenig später eröffnet der Falkenberger Stadtbrandmeister die Jahreshauptversammlung mit: "Mein Dankeschön an alle vor Ort. Es hat prima geklappt!" Zwar sind noch nicht alle da, aber nach und nach stoßen dann auch die Kameraden dazu, die den Einsatz abgearbeitet haben. Ein Einsatz, der gezeigt hat, was für eine schlagkräftige Truppe die Falkenberger Wehr ist. Die 276 Mitglieder gliedern sich auf in 82 in der Alters- und Ehrenabteilung, 66 in der Kinder- und Jugendfeuerwehr und 128 Aktive. Die sind allein im Vorjahr nach 57 Alarmierungen ausgerückt. Neben 28 Brandeinsätzen waren das 24 technische Hilfeleistungen und fünf Fehlalarme. 31 Personen konnten gerettet werden, für eine Person kam leider jede Hilfe zu spät.

Alles in allem kann Diecke eine beeindruckende Bilanz ziehen. Mit dem Fazit: Die Falkenberger Wehr steht im 125. Jahr ihres Bestehens gut da. Genau diesem Jubiläum widmete man sich gleich im Anschluss der Jahreshauptversammlung, die in diesem Jahr angesichts der noch nachfolgenden Vorhaben deutlich kürzer ausfiel, aber dennoch nicht auf die traditionellen Ehrungen und Beförderungen verzichtete.

Danach war es an Bernhard Neupert, Wehrleiter der Falkenberger Feuerwehr, als Erster zurückzublicken. Er erinnerte an das Anfangsjahr des Freiwilligenzusammenschlusses. 1892 sei man mit einem Pferdefuhrwerk und Eimern zum Brandeinsatz ausgerückt. Heute verfüge man über vier Fahrzeuge, jede Menge moderner Technik - müsse sich inzwischen aber auch einem immer breiter werdenden Anforderungsprofil stellen. "Wenn die Sirene heult, wissen wir nicht, was auf uns zukommt. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen", sagt er und erinnert: "Wo andere rausrennen, rennen wir hinein."

Wie viele dieser Situationen es in den 125 Jahren gegeben hat, versucht der Stadtbrandmeister danach in Wort und Bild in etwa aufzuzeigen. "Aber das gelingt nur ansatzweise", weiß er selbst, "denn 125 Jahre ehrenamtliche Arbeit von Frauen und Männern, die in ihrer Freizeit dem Gemeinwohl dienen, passen nicht in wenige Minuten".

Dankende Worte gibt es im Anschluss nicht nur von Bürgermeister Herold Quick, sondern auch vom Kreisbrandmeister Steffen Ludewig und anderen Gästen. "Auf unsere Feuerwehrleute sind wir stolz. Ohne sie wären wir bei der Gefahrenabwehr und beim Mitein ander in der Stadt schlecht bestellt. Sie sind an 365 Tagen 24 Stunden einsatzbereit", lobt das Stadtoberhaupt.

Der ereignisreiche Tag findet beim gemütlichen Beisammensein der Kameraden mit ihren Partnern einen gelungenen Ausklang.