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| 18:00 Uhr

Trauer um Peter Kunze
„Er hat sein Wissen offenherzig geteilt“

„Kunzen Peter“, hier bei einer Lesung vor einigen Jahren, war vor allem für seine mundartlichen Vorträge bekannt.
„Kunzen Peter“, hier bei einer Lesung vor einigen Jahren, war vor allem für seine mundartlichen Vorträge bekannt. FOTO: privat / LR
Knippelsdorf. Die Region Herzberg trauert um „Kunzen Peter“. Der Mundartsprecher und Ortschronist aus Knippelsdorf ist am 24. Februar verstorben.

Die vielen Freunde der Heimatgeschichte in Schlieben, Schönewalde und Herzberg haben einen ihrer bedeutendsten Mitstreiter verloren. Peter Kunze ist am vergangenen Samstag im Alter von 80 Jahren verstorben. Die Herzberger Verlegerin von regionalgeschichtlicher Literatur Stephanie Kammer bezeichnet Peter Kunze in einem Nachruf als „den letzten großen Mundart-Erzähler unserer Breiten“. Der Schliebener Heimatforscher Hans-Dieter Lehmann pflichtet ihr bei. „Peter Kunze war unheimlich beliebt, vor allem wegen seiner Mundartsprache. Er war in unserer Region der letzte, der das konnte“, sagt er.

Noch am vergangenen Donnerstag war Hans-Dieter Lehmann bei Peter Kunze zu Hause in Knippelsdorf-Siedlung. Er hat ihm immer das Schliebener Amtsblatt gebracht. „Da kam er gerade aus dem Garten vom Vögelfüttern“, sagt Hans-Dieter Lehmann. Dass sein Freund nur wenige Tage später verstorben ist, mache ihn sehr traurig, sagt er.

Hans-Dieter Lehmann weiß viel über das Leben von Peter Kunze zu berichten. Er ist am 29. November 1937 in Jagsal geboren. Später ist die Familie nach Schlieben gezogen „Peter war ein lustiger Bursche. Er hatte Kontakte zu vielen in den Dörfern und er liebte den Wald und die Natur“, erzählt Lehmann. Kunzes Vater Albert war Landschullehrer und sehr an der Heimat und ihrer Geschichte interessiert. Der Sohn hat sich einiges vom Vater abgeschaut. Auch Peter wurde Lehrer (Hauptfächer Biologie und Chemie). Seine Junglehrerzeit verbrachte er in Proßmarke. Später lehrte er in Knippelsdorf und Schönewalde, ehe er mit seiner Frau Christel gemeinsam viele Jahre lang das Schullandheim in Körba führte, berichtet Hans-Dieter Lehmann. Im Schullandheim habe er mit Peter Kunze eine Reihe von Veranstaltungen organisiert. „Ich habe Dias gezeigt und Peter hat in seiner Mundart erzählt“, so der Schliebener. Diese Veranstaltungen waren sehr beliebt. „Auch, weil Peter so ein volkstümlicher und spaßhafter Typ war, der gern in geselligen Runden zusammengesessen hat“, so Lehmann. Die Mundart sei sein Hobby gewesen, das er sehr ernst genommen hat. „Er hat sich dazu mit anderen Experten ausgetauscht“, sagt Hans-Dieter Lehmann. Der hat an seinem Freund auch geschätzt, dass er nie etwas zurückgehalten hat. Peter Kunze habe ihm immer Informationen oder Dokumente, die er besaß, zur Verfügung gestellt. Unter anderem auch Material aus dem Nachlass seines Vaters, der mit dem Heimatforscher Fritz Stoy zusammengearbeitet hat. „Ich habe Peter Kunze viel zu verdanken, auch für die Bücher, die ich geschrieben habe. Er hat sein Wissen offenherzig geteilt“, urteilt Hans-Dieter Lehmann über seinen Freund.

Stephanie Kammer kennt Peter Kunze als „Stammautor“ für den Herzberger Heimatkalender. „Er war ein außergewöhnlicher Mensch. Er konnte die Mundartvarianten schreiben und auch sprechen. Und er war sehr unterhaltsam. Es kam vor, dass er in der Mundart einen Gassenhauer nach dem anderen rausgehauen hat“, sagt die Verlegerin. Sie kenne Leser, die im Heimatkalender immer als erstes geschaut haben, was Peter Kunze geschrieben hat. „Sein Tod ist ein großer Verlust“, so Stephanie Kammer.

Bis zum Ende seines Lebens war Peter Kunze Ortschronist in Knippelsdorf. „Zuletzt war er dabei, die Knippelsdorfer Ortschronik zu schreiben. Dazu hat er sich in sein Haus zurückgezogen. Schade, dass die Chronik jetzt unvollendet ist“, so Hans-Dieter Lehmann.

(ru)