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Entschlossene Krieger trainieren Rettung

Ein "verletzter" Soldat wird in Holzdorf durch niederländisches Sanitätspersonal auf seinen anstehenden Lufttransport vorbereitet.
Ein "verletzter" Soldat wird in Holzdorf durch niederländisches Sanitätspersonal auf seinen anstehenden Lufttransport vorbereitet. FOTO: Sven Gückel/svg1
Schönewalde/Holzdorf. Soldaten aus 26 Nationen nehmen an einer NATO- Sanitätsübung teil. Der Bundeswehrstandort Schönewalde / Holzdorf ist Drehkreuz für die Luftfahrzeuge. Sven Gückel / svg1

Um als Soldat im Ernstfall effektiv agieren zu können, müssen notwendige Handlungsabläufe regelmäßig trainiert werden. Am effektivsten geschieht das im Verbund mit anderen Nationen, zumal sich dabei die teils unterschiedlichen Standards angleichen lassen. Diesem Ansinnen folgt aktuell eine NATO-Übung der Sanitätsdienste, in die auch der Fliegerhorst Holzdorf involviert ist.

Deutsche, polnische und rumänische Transportmaschinen starten und landen, italienische Hubschrauber, aber auch Maschinen der Lufttransportgruppe des Hubschraubergeschwaders 64 tun es ihnen gleich. Auf dem Fliegerhorst Holzdorf herrscht gegenwärtig erhöhter Flugbetrieb. Die alle zwei Jahre stattfindende NATO-Übung Vigorous Warrior (Entschlossener Krieger), bei der Sanitätsdienste den vermeintlichen Bündnisfall trainieren, läuft in diesem Jahr auf deutschem Boden ab.

Mehr als 1000 Soldaten aus 26 Nationen nehmen daran teil, wobei die Bundeswehr ein Kontingent von etwa 350 Soldaten stellt. In Holzdorf und Rostock, vor allem aber auf dem Truppenübungsplatz Lehnin trainieren medizinische Dienste Handlungsweisen, wie sie weltweit jederzeit zum Tragen kommen können. "Unter anderem wurden mobile Notfallaufnahmen sowie mobile Krankenhäuser errichtet. Letztere werden durch Deutschland, Norwegen, Estland und die USA gestellt", erläutert Oberstleutnant Jörg Adam vom Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung in Weißenfels. Auf dem Fliegerhorst Holzdorf haben Niederländer und Belgier eine Notfallaufnahme eingerichtet. Soldaten, die Verletzte darstellen, werden hier durch entsprechendes Fachpersonal "versorgt" und für den weiteren Lufttransport vorbereitet. Etwa 50 Übungsverletzte stehen für das gesamte Training bereit, teilweise entsprechend ihrer vorgegebenen Verletzung geschminkt.

Die größte Hürde im Zusammenwirken der Streitkräfte sind die unterschiedlichen Kommunikationssysteme, sagt Adam. Ein Problem, das nach wenigen Übungstagen allerdings abklingt. "Wenn sich alle auf ein Level eingearbeitet haben, läuft auch das", ergänzt er. Fortan setzen die Teilnehmer alles daran, die gestellten Aufgaben zu absolvieren. Neben anderem gehört dazu das Bilden einer Rettungskette nach NATO-Standard.

Die Manöver-Serie soll die beteiligten Nationen zudem Schritt für Schritt dem übergeordneten Ziel einer multinationalen Medical Task-Force näherbringen. In den Einsatzgebieten der aktuellen Auslandsmissionen der NATO arbeiten Mediziner und Sanitätsfachpersonal aus verschiedenen Nationen schon jetzt eng zusammen. Bislang jedoch lag der Schwerpunkt eher auf der Kooperation nationaler Einheiten und Verbände. In der Praxis bedeutet das, dass geschlossene nationale Kapazitäten mit multinationalen Verbänden zusammengefügt oder zumindest bereitgestellt werden. Eine weitere Überlegung für die Bündelung der Kräfte sind die immer knapper werdenden Mittel. Sie zwingen dazu, neue Wege zu gehen. Zusammenarbeit und Arbeitsteilung sind daher geboten. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr präsentiert sich hierbei weltweit als Vorreiter.

Im Verlaufe von Vigorous Warrior 2017 werden Operationen simuliert, die Verlegung von Patienten auf die Intensivstation und die schon erwähnte Vorbereitung für den Lufttransport geübt. Dass der Fliegerhorst Holzdorf dabei als Drehkreuz für die teilnehmenden Luftfahrzeuge agiert, liegt auf der Hand. Seine zentrale Lage, aber auch die infrastrukturellen Bedingungen vor Ort prädestinieren ihn für solche Aufträge.

Hauptinitiator der Übung ist das Militärische Zentrum für Medizin der NATO mit Sitz in Budapest. Dieses gab als Übungsszenario unter anderem vor, in Rostock das Vorgehen bei einer möglichen Epidemie zu trainieren. Ins Land gebracht wurde der Erreger dabei durch ein Schiff, dargestellt durch eine Fregatte der Bundeswehr.

"Es gibt viele Situationen, die es zu üben gilt. Deshalb ändert sich der Themenschwerpunkt zumeist alle zwei Jahre”, so Oberstleutnant Adam. Wichtig ist den NATO-Partnern aber auch, dass die Armeen der osteuropäischen Mitgliedsstaaten möglichst schnell den vorgegebenen Standard erreichen. Einmal mehr sind es hier die Esten, die den Anforderungen frühzeitig nachkommen.