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Eltern der Förderschüler stehen plötzlich ohne Hort da

Christin und Oliver Bischoff aus Elsterwerda können aufatmen. Der Landkreis sichert auch für ihren Sohn Yannick (9) wieder die Betreuung nach dem Unterricht an der Schule "Stark fürs Leben". Christin Bischoff, kaufmännische Angestellte, musste hinsichtlich ihrer Arbeitszeit Kopfstände machen, um ihren Sohn nach Hause zu bringen. Ihr Mann arbeitet in Schichten.
Christin und Oliver Bischoff aus Elsterwerda können aufatmen. Der Landkreis sichert auch für ihren Sohn Yannick (9) wieder die Betreuung nach dem Unterricht an der Schule "Stark fürs Leben". Christin Bischoff, kaufmännische Angestellte, musste hinsichtlich ihrer Arbeitszeit Kopfstände machen, um ihren Sohn nach Hause zu bringen. Ihr Mann arbeitet in Schichten. FOTO: Manfred Feller
Elsterwerda. Ab sofort keine Hort- und Ferienbetreuung mehr. Panik bei den Müttern und Vätern. Manfred Feller

Als die berufstätigen Eltern der Elsterwerdaer Schule "Stark fürs Leben" mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt "Geistige Entwicklung" in der vorigen Woche von dem Schritt der Kreisverwaltung erfahren hatten, waren sie einfach nur sprachlos. Wohin mit ihrem Nachwuchs nach dem Unterricht?

Ihre Kinder von der Förderschule "Stark fürs Leben" haben den Hort der Ganztagsschule mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt "Lernen" - beide unter einem Dach - mitgenutzt. Da an der Ganztagsschule keine Kinder unterer Klassenstufen mehr lernen und sie auch deutlich selbstständiger sind, wollte sich der Landkreis den Hort sparen. Doch er übersah die Hortbesucher der anderen Schule.

"Die Kinder der Förderschule ,Stark fürs Leben' kann man nicht mit dem Schlüssel nach Hause schicken", fühlte sich der alleinerziehende Vater Christian Atlas aus Elsterwerda wie vor den Kopf gestoßen. Da war guter Rat teuer. "Wer die Möglichkeit hat, dem haben in diesen zwei Wochen die Großeltern geholfen und die Kinder abgeholt. Doch auch sie gehen arbeiten", stellt der 34-jährige Kfz-Mechaniker die absolut unbefriedigende Situation dar. Er selbst arbeitet regulär von 7.30 bis 16.30 Uhr in Haida. Die Zeit zwischen Hort-Ende und Abholzeit hatte der familienentlastende Dienst bis gegen 17 Uhr übernommen.

"Bei anderen Eltern ist die gesicherte Betreuung sogar eine existenzielle Frage", so Christian Atlas. Er weiß von einer Familie, die sich ein Haus gebaut hat und wo beide Einkommen ohne Abstriche notwendig sind. Andere wiederum arbeiten im Handel und können am frühen Nachmittag erst recht nicht Feierabend machen.

Christian Atlas hat sich mit einigen Eltern beraten und zu Wochenbeginn zwei sachliche, mit Fakten und Fragen gespickte Briefe an die Kreistagsabgeordneten und den Landrat geschrieben. Mit durchschlagendem Erfolg!

"Das Problem ist gelöst", sagt Roland Neumann, Bildungsdezernent in der Kreisverwaltung. "Wir sichern für das aktuelle Schuljahr die nachschulische Betreuung." Dies erfolge montags bis donnerstags bis 16 Uhr und freitags bis 15 Uhr. Also sogar etwas länger als bisher im Hort. "Auch die beiden Ferienwochen im Herbst sind abgesichert", blickt er voraus. Während der weiteren Ferien solle es wie bisher eine Betreuung der Schüler geben. "Für das nächste Schuljahr müssen wir eine endgültige Lösung mit allen Beteiligten suchen", lädt er zum Gespräch ein. Über alle Details werde kommende Woche in Elternversammlungen informiert.

Dass es zu diesem Betreuungsproblem gekommen ist, habe an der unzureichenden Kommunikation in seinem Hause gelegen. "Asche aufs Haupt", bittet der Dezernent um Entschuldigung.