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| 18:02 Uhr

Elbe-Elster
Elbe-Elster-Landrat will wieder antreten

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski
Landrat Christian Heinrich-Jaschinski FOTO: Kai Huettner / LR
Herzberg. In einem RUNDSCHAU-Interview sagt Christian Heinrich-Jaschinski (CDU), wie er sich die Zukunft des Elbe-Elster-Kreises vorstellt. Und er spricht auch darüber, wie er mit Blick auf die Landratswahl seine eigene Zukunft plant. Von Birgit Rudow

Herr Heinrich-Jaschinski, die Kreisgebietsreform ist gekippt, der Landkreis Elbe-Elster bleibt eigenständig. Worin sehen Sie unter diesen Voraussetzungen die Schwerpunkte für die Entwicklung des Landkreises in den kommenden Jahren?

Heinrich-Jaschinski: An den Alltagsgeschäften von heute wird sich nicht viel ändern. Wir sind und bleiben eine ländliche Region. Ein Schwerpunkt ist der Bereich Bildung. Hier haben wir mit der Kreisvolkshochschule, der Kreismusikschule oder dem Bildungsbüro gute zusätzliche Angebote. Auch die ärztliche Versorgung ist aufgrund der demografischen Entwicklung stets ein Thema. Ebenso müssen wir die Mobilität unserer Menschen im Blick haben und die Investitionen in die Infrastruktur.

Und die Wirtschaft?

Heinrich-Jaschinski: Der Landkreis wird jegliche wirtschaftliche Aktivitäten unterstützen. Unsere Wirtschaft ist kleinteilig. daran werden wir nur wenig ändern können ohne Autobahnanschluss und ohne Universität oder Hochschule. Wir müssen uns als Dienstleistungsstandort stärken und die Infrastruktur muss verbessert werden. Dazu zählt der Breitbandausbau genauso wie die Verkehrsinfrastruktur und der Hochwasserschutz. Hier muss das Land endlich etwas mehr tun. Zum Beispiel kann es nicht sein, dass Investitionen in Gewerbegebieten, die in Überflutungsgebieten liegen, in Frage gestellt werden, nur weil sich im Hochwasserschutz seit Jahren nichts tut.

Wir werden uns weiter in der Wirtschaftsregion Lausitz einbringen. Wenn dort Arbeitsplätze im Rahmen der Energiewende verloren gehen, müssen adäquate Industriearbeitsplätze  geschaffen werden. Dafür müssen wir uns einsetzen, auch wenn diese Stellen nicht im Elbe-Elster-Kreis entstehen werden.

Ein Glücksfall waren für uns das Reformationsjubiläum und der Lutherpass. Der sich sanft entwickelnde Tourismus ist ein zartes Pflänzchen, das wir im Landkreis nachhaltig pflegen müssen auf den Gebieten Tourismus, Kultur und Kulinarik.

Wie ist es um die finanzielle Ausstattung des Elbe-Elster-Kreises für die Zukunft bestellt?

Heinrich-Jaschinski: Mit den beiden Doppelhaushalten 2015/16 und 2017/18 sind wir gut zurechtgekommen. Wir haben aber steigende Sozialausgaben durch einen hohen Anteil von Langzeitarbeitslosen und Hartz IV-Empfängern. Hier müssen der Bund und das Land unterstützen. Dann bleibt abzuwarten, wie das Land mit den angekündigten 400­ Millionen Euro für die Kommunen umgeht. Dort muss es sich etwas einfallen lassen, wie es die strukturschwachen Regionen unterstützt.

Das schließt auch Verwaltungsstrukturen ein. Wie könnten die künftig in Elbe-Elster aussehen?

Heinrich-Jaschinski: Ich stelle mir für die Zukunft fünf funktionierende Verwaltungen plus die Kreisverwaltung im Landkreis vor. Das wären die Sängerstadtregion mit Finsterwalde, Sonnewalde und dem Amt Kleine Elster/Niederlausitz; die Kurstadtregion mit Bad Liebenwerda, Falkenberg, Uebigau-Wahrenbrück und Mühlberg; der Raum Schraden mit Elsterwerda, dem Amt Röderland, dem Amt Schradenland und dem Amt Plessa; die Region Elbe-Elsteraue mit Herzberg, Schönewalde und Schlieben sowie der Bereich Doberlug-Kirchhain mit dem Amt Elsterland.

Die Kurstadtregion ist dabei sicher schon am weitesten fortgeschritten. Ich als Landrat kann dafür nur werben. Die Kommunen müssen selbst zueinander finden und miteinander arbeiten. Welche Form die kommunalen Verbünde dann haben könnten, das legt der gesetzliche Rahmen fest. Die springenden Punkt sind, dass das Engagement der Bürger in ihren Orten hochgehalten werden kann, dass die Bürger weiterhin ein offenes Ohr finden und dass es in einzelnen Kommunen auch noch finanzielle Entscheidungsfreiheiten gibt.

Zurecht fordern die Kommunen auch, dass der Landkreis Aufgaben an sie abgeben soll. Dabei muss aber immer darauf geachtet werden, dass die Strukturen in der Verwaltung leistungsfähig bleiben. Wir haben zum Beispiel einen Nachholbedarf bei der Digitalisierung in den Verwaltungen. Es fehlt an Infrastruktur und Technik. Und dann müssen die Bürger damit auch umgehen. Aber auch in Zukunft werden die Bürger persönlich mit dem Bürgermeister reden wollen und nicht nur mit dem Computer. Das dürfen wir nicht außer Acht lassen.

Die Landesregierung hatte per Gesetz beschlossen, im Zuge der Kreisreform turnusmäßige Landratswahlen 2018 in fünf Landkreisen nicht durchzuführen und neue Landräte erst 2019 durch die neuen Kreistage wählen zu lassen. Das ist ja nun hinfällig, und es soll doch 2018 in einer Direktwahl gewählt werden. Das betrifft auch Elbe-Elster. Stehen Sie für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung?

Heinrich-Jaschinski: Das Gesetz ist noch nicht aufgehoben. Aber ich gehe davon aus, dass im Elbe-Elster-Kreis 2018 Direktwahlen stattfinden werden. Ja, ich stehe für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung und werde mich zur Wahl stellen. Elbe-Elster hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und ist als Region selbstbewusst aufgetreten. Der Landkreis braucht auch für die Zukunft Kontinuität. Wir sind in der Kreisverwaltung ein kompetentes Team, haben einen engagierten Kreistag und arbeiten gut mit den Kommunen zusammen. Dafür möchte ich gern weiter die Verantwortung übernehmen.

Mit Christian Heinrich-Jaschinksi sprach Birgit Rudow.

Der Landkreis wird jede wirtschaftliche Aktivität unterstützen, sagt der Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (r. hier mit Uesa-Geschäftsführer Helmut Hoffmann) Elbe-Elster müsse sich vor allem als Dienstleistungsstandort entwickeln.
Der Landkreis wird jede wirtschaftliche Aktivität unterstützen, sagt der Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (r. hier mit Uesa-Geschäftsführer Helmut Hoffmann) Elbe-Elster müsse sich vor allem als Dienstleistungsstandort entwickeln. FOTO: B“ttcher