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| 11:26 Uhr

Kultur mit hohem Stellenwert
Elbe-Elster-Kunstpreis statt „Keimzeit“-Konzert

Die Kulturpreisträger 2017 Werner Enig, Chris Poller, Heide Waschkies, Stephan Creuzburg und Dr. Rainer Ernst (v.l.) mit Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (3. v. l.) und dem Beigeordneten Roland Neumann  (3. v. r.)
Die Kulturpreisträger 2017 Werner Enig, Chris Poller, Heide Waschkies, Stephan Creuzburg und Dr. Rainer Ernst (v.l.) mit Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (3. v. l.) und dem Beigeordneten Roland Neumann (3. v. r.) FOTO: Jürgen Weser
Herzberg. Der Landkreis Elbe-Elster startet in ein überaus aufregendes Kulturjahr 2018 und verleiht feierlich insgesamt sechs Kulturpreise für 2017. Von Jürgen Weser

Bereits zum 20. Mal hat der Landkreis Elbe-Elster am Freitagabend im Bürgerhaus Herzberg seinen Kulturpreis in mehreren Kategorien vergeben. Diese Tradition auf Landkreisebene ist ziemlich einzigartig in Brandenburg und hebt den Stellenwert von Kunst und Kultur in Elbe-Elster hervor. Gleichzeitig mit der Kulturpreisvergabe und der vorangeschalteten Kulturkonferenz vollzog der Landkreis mit vielen Kulturakteuren den Start in das Kulturjahr 2018.

Schon der einleitende Konzertbeitrag verwies auf die Pflege kultureller Traditionen. Natalia Lentas aus Köln bewies mit ihrem Vortrag einer Klaviersonate von Wolfgang Amadeus Mozart eindrucksvoll, warum sie 2016 Preisträgerin des Internationalen Graun-Wettbewerbs als einem kulturellen Höhepunkt im Elbe-Elster-Kreis geworden war. „Wie vielfältig die kulturell-künstlerische Landschaft hier ist, zeigen exemplarisch die diesjährigen Preisträger“, freute sich Landrat Christian Heinrich-Jaschinski nicht ohne Stolz. Zuvor hatte er das Spektrum von Puppentheaterfestival bis zum Internationalen Jazz-Pop-Wettbewerb umrissen und das erfolgreiche Reformations- und Lutherjahr mit 89 Veranstaltungen im Landkreis umrissen. „Kulturelles Engagement fördert Kreativität und Offenheit“, bezog sich der Landrat auf die Preisträger als Beispiel für viele Kulturschaffende im Landkreis.

Heide Waschkies – sie bekam den Preis für Denkmalpflege – hat ihr Haus in Mühlberg von 1543 nicht nur restauriert, sie öffnet es auch für Konzerte und als temporäres Café für die Öffentlichkeit. „Ich habe nach der Einladung nicht im Traum an den Preis gedacht“, strahlt sie und erzählt, mit welchen Mühen es verbunden war, das Renaissance-Bürgerhaus wieder zum Schmuckstück zu machen. Sie erinnert sich an Freude und Sorge im Jahr 2002: erst Denkmal des Monats und dann Angst vor dem Hochwasser.

Werner Enig nahm stellvertretend für „etwa vierzig engagierte Dorfbewohner“ der Interessengemeinschaft „Historisches Feld“ Kolochau den Preis für Heimatpflege in Empfang. Die Pflege dörflicher Traditionen leben sie nicht nur mit Garbenfest und Kürbisfest und der Sanierung des ehemaligen Herrenhauses. Er selbst sei, wie andere Mitglieder der Interessengemeinschaft, zwei- bis dreimal pro Woche im Einsatz: „Fünfhundert Stunden werden es wohl im vorigen Jahr gewesen sein.“

Marble Cake-Trio mit dem Kunstpreisträger Chris Poller (l.) in seinem Element.
Marble Cake-Trio mit dem Kunstpreisträger Chris Poller (l.) in seinem Element. FOTO: Jürgen Weser

Ein Lächeln der Zufriedenheit beherrschte am Abend der Preisverleihung das Gesicht von Dr. Rainer Ernst. Der Preisträger für Heimatgeschichte genoss die Ehrung. Völlig zu Recht, hörte er von vielen Gratulanten. Vor allem die publizistische Arbeit wird der im umtriebigen Unruhestand befindliche ehemalige Museumsleiter des Sänger- und Kaufmannsmuseums in Finsterwalde und vom Elbe-Elster-Musemsverbund weiter betreiben. Das Märchenhaus in Finsterwalde gehört dazu.

Seine Karten für ein „Keimzeit“- Konzert an diesem Abend hatte Chris Poller weiter verschenkt. Schließlich gab es Wichtigeres: Er wurde mit dem Kunstpreis für dreißigjähriges Engagement als Musikschullehrer bei der Förderung von jungen Sängern und Musikern und als Musiker geehrt. Das zeigte er am Abend mit dem Marble Cake-Trio.

Besonders herzlich fiel die Gratulation von Musikschul-Regionalstellenleiterin Elvira Mader aus. „Das ist meine Musikschule in Finsterwalde. Da fühle ich mich einfach wohl und das schon seit dreißig Jahren“, freute sich Chris Poller, der am Abend der Preisverleihung noch nicht richtig feiern konnte, denn am Wochenende stand eine von ihm zu leitende Fortbildung für Musikschulleiter im Popgesang an.

Der genreübergreifende Kulturpreis wird an herausragende Kultur­akteure verliehen. Diesmal freute sich der Elsterwerdaer Stephan Creuzburg über die Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements. Das neue Amt als Bürgermeisterin von Elsterwerda hinderte Anja Heinrich daran, dass sie den Kulturpreis persönlich in Empfang nehmen konnte. Vor allem ihr historischer Stadtspaziergang in Elsterwerda ist legendär geworden.

Die ausführlichen Laudationes zu den Preisträgern hat die LAUSITZER RUNDSCHAU bereits am Sonnabend veröffentlicht.

Mit welchem Elan das Kulturjahr 2018 mit dem neuen Großprojekt „Kulturschatzsucher“ in Angriff genommen wird, zeigte die Übergabe zahlreicher Förderbescheide durch den Landkreis an Städte, Vereine, Chöre und Kirchen für die Organisierung unterschiedlichster kultureller Aktivitäten.