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| 02:38 Uhr

Elbe-Elster-Express ist endgültig Geschichte

Zwischen der Mühlstraße und der alten Elster-Brücke sind die Schienen ebenfalls entfernt – sehr zum Leidwesen der Stadt Herzberg.
Zwischen der Mühlstraße und der alten Elster-Brücke sind die Schienen ebenfalls entfernt – sehr zum Leidwesen der Stadt Herzberg. FOTO: dmu1
Herzberg. Die Zeiten, in denen Fahrgäste mit dem Elbe-Elster-Express nach Schlieben zum Moienmarkt oder zur Rochauer Waldweihnacht fahren konnten, sind schon lange vorbei. Jetzt hat die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH auch zwischen Schlieben und Herzberg die Schienen von der Strecke der Niederlausitzer Eisenbahn abgebaut. Birgit Rudow

Immer wieder haben die RUNDSCHAU in den vergangenen Wochen und Monaten Anfragen zur Strecke der Niederlausitzer Eisenbahn im Bereich Herzberg erreicht. Vor allem ältere Bewohner können sich noch gut daran erinnern, wie früher regelmäßig Züge auf dieser Strecke zwischen Falkenberg und Luckau und darüber hinaus verkehrt sind. Noch bis vor wenigen Jahren fuhr der Elbe-Elster-Express an Wochenenden und zu regionalen Höhepunkten wie zur Rochauer Waldweihnacht oder zum Moienmarkt. Ob das jemals wieder der Fall sein wird, steht in den Sternen. Wie bei den meisten anderen Abschnitten ist jetzt auch der Streckenbereich zwischen Schlieben und Herzberg stillgelegt. Die Schienen dürfen abgebaut werden. Das hat die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (DRE) als Eigentümerin der Strecke von Herzberg bis Beeskow nun veranlasst.

Für eine weitere Nutzung der Strecke ist sich die DRE mit dem Landkreis Elbe-Elster nicht einig geworden. "Alle Versuche für eine touristische Lösung sind gescheitert. Der Landkreis Elbe-Elster hat eine touristische Erschließung der Strecke beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg nicht angemeldet" so DRE-Geschäftsführer Gerhard J. Curth zur RUNDSCHAU. In anderen Bereichen, wie zum Beispiel bei der Fichtelgebirgsbahn, habe die DRE mit der Region mehr auf die Beine gestellt, so der Geschäftsführer.

Der Landkreis hat kein Interesse an einem Weiterbetrieb der Strecke. Es habe mehrere Gespräche mit der Deutschen Regionaleisenbahn GmbH gegeben, das letzte im November 2014, so Eberhard Stroisch, zuständiger Fachdezernent der Kreisverwaltung Elbe-Elster. "Dabei haben wir klargemacht, dass der Landkreis keinen Bedarf für diese Strecke sieht, nicht für den Schülerverkehr und auch für den touristischen Verkehr lohnt sich ein Betrieb nicht", sagt Stroisch.

Jetzt sind die Schienen zwischen Schlieben und Herzberg abmontiert. Dennoch bleibt der Verlauf als Bahnstrecke gewidmet. Und so bleiben auch die großen Schwellen liegen, erklärt Gerhard J. Curth. Sollte es einmal zu einer anderen Einigung mit der Politik kommen, könnten die Schienen innerhalb eines halben Jahres wieder montiert werden, sagt er. Aber erstmal sind sie weg. Gerade im ländlichen Raum sei man vor Diebstahl nicht sicher, so der Geschäftsführer. In den Schrott kämen die Schienen aber nicht. "Wir sichern noch brauchbares Material und nutzen es für Reparaturarbeiten auf unseren anderen Strecken", sagt er. Auch die Triebwagen, die einst als Elbe-Elster-Express dienten, sind mittlerweile woanders unterwegs, zum Beispiel zwischen Schönberg und Schlaitz oder in der Dübener Heide, so Curth.

Bleibt die Frage nach den Bahnübergängen. Im Bereich des Altkreises Herzberg kreuzen zahlreiche Straßen und Wege die Bahnstrecke, auch auf Bundesstraßen wie auf der B 87 bei Schlieben und der B 101 in der Dresdener Straße in Herzberg. Zwei Bahnübergänge gibt es in Polzen, einen bei Neunaundorf, weitere in der Mühlstraße und der Badstraße in Herzberg.

Die Kommunen hätten die Übergänge gern weg, zumal sie in einem sehr schlechten Zustand sind und die Verkehrsteilnehmer durch Geschwindigkeitsherabsetzungen ausbremsen, meint Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU). Er ist der Meinung, dass die Deutsche Regionaleisenbahn beauflagt werden sollte, den Weg eines Entbehrlichkeitsprüfungsverfahrens zu gehen und die Bahnübergänge komplett zurückzubauen.

Das sieht DRE-Geschäftsführer Curth anders. Die Vorgehensweise beim Rückbau der Übergänge sei gesetzlich geregelt, sagt er. Der Straßenbaulastträger könne bei einer stillgelegten Bahnstrecke eine Einziehung der Bahnübergänge verlangen. Im Rahmen einer Vereinbarung könne dann eine vorübergehende Auflassung vollzogen werden. Die Kosten für den Rückbau des Bahnüberganges müssten sich dann die DRE und der Straßenbaulastträger teilen, so Curth

Die Stadt Herzberg hat aber noch ein ganz anderes Problem. Sie war sehr daran interessiert, dass die Schienen im Bereich der alten Eisenbahnbrücke über die Schwarze Elster im Stadtgebiet zwischen der Mühlstraße und der Badstraße (bis hierhin gehört die Strecke der DRE, dann der Deutschen Bahn) liegen bleiben. Grund ist der Hochwasserschutz. "Wir haben erst sehr spät vom Abbau der Schienen zwischen Schlieben und Herzberg erfahren und Herrn Curth am Donnerstag vergangener Woche per Mail darum gebeten, den Abbau zu stoppen. Da waren die Schienen noch drin. Am Montag aber waren sie auch hier weg", so Oecknigk.

Die Stadt hat bei den vergangenen Hochwassern einen Platz in der Badstraße direkt neben der Bahnstrecke als Füllplatz für Sandsäcke benutzt und die Säcke auf dem Schienenweg per Loren auf beide Deichseiten gebracht, was im direkten Flussbereich so nicht möglich sei, so Oecknigk. Gerhard J. Curth meint dazu, dass ein Erhalt der Gleise in dem Bereich nicht abgestimmt war. Er konnte das nicht mehr stoppen. Mail und Brief hätten ihn erst in dieser Woche erreicht. Jetzt könne er nicht mehr helfen.

Der DRE-Geschäftsführer schlägt der Stadt vor, die Grundstücke an der Brücke und die Brücke im Rahmen einer rechtlichen Zwischennutzung zu erwerben. Wenn die DRE die Grundstücke verkauft, hätte die Stadt Vorkaufsrecht, so Curth. Sie könnte dann Fuß- und Radwege über die Brücke bauen, die auch im Hochwasserfall genutzt werden könnten, sagt er. Die DRE müsste die Brücke sonst wegen der Verkehrssicherungspflicht über kurz oder lang wahrscheinlich ganz wegnehmen.

Zum Thema:
Die Strecke der Niederlausitzer Eisenbahn ist 113 Kilometer lang und führt von Falkenberg bis Beeskow. Als erster Abschnitt wurde am 20. Dezember 1897 die Teilstrecke Uckro Süd-Luckau eröffnet. Am 15. März 1898 war der Streckenabschnitt Falkenberg-Lübben durchgehend hergestellt. Zu DDR-Zeiten hat die Deutsche Reichsbahn die Strecke betrieben. Das letzte DR-Fahrplanjahr 1993/94 sah einen relativ dichten Verkehr an allen Wochentagen vor. Die Deutsche Bahn AG betrieb die Strecke zwischen 1994 und 1998. Der Schienenpersonenverkehr wurde abschnittsweise eingestellt. Am 31. Dezember 1998 übernahm die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH die Strecke von Herzberg nach Beeskow. Ziel war es zu zeigen, dass auch ohne größere staatliche Subventionen der Schienenverkehr im ländlichen Raum aufrechterhalten werden kann. Doch das gelang nicht. Ab 2000 wurde im Sommerhalbjahr wieder Personenverkehr am Wochenende betrieben. Die Fahrten des Elbe-Elster-Express waren eher schlecht ausgelastet. Sonderfahrten wie zum Moienmarkt hingegen wurden sehr gut angenommen. Seit Dezember 2008 fand auf der NLE kein planmäßiger Personenverkehr mehr statt. Quelle: Wikipedia