ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:03 Uhr

Einen Tag Behördenwahnsinn in zwei Stunden in Herzberg erlebt

Herzberg.. Eine lange Schlange bildete sich am Freitag vor der Herzberger Elsterlandhalle. Der Wind zog und es regnete. Fotos: Christian Nitsche

Doch das alles nahmen die Besucher in Kauf, um die Kultbeamten Baumann & Clausen mit ihrem Programm „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe gleich auf morgen!“ live zu erleben. Mit über 650 Gästen war die Halle nahezu ausverkauft.

Anstrengendes Beamtendasein
20.05 Uhr war es dann soweit: Oberamtsrat Alfred Clausen und Hans-Werner Baumann betraten die Bühne. Vielen Brandenburgern sind die beiden Comedians aus dem BB Radio bekannt, wo sie jeden Morgen die Zuhörer mit ihren „Geschichten aus dem Amt“ in den Tag schicken. Für Herzberg hatten sie sich viel Zeit mitgebracht und ließen die Besucher zwei Stunden lang Zeugen eines, wie sie bekundeten, „knüppelharten Arbeitstages“ werden. Wie furchtbar anstrengend dieser sein würde, ahnten wohl schon einige. Die Akteure beherrschten ihr Behördendasein bravourös und verstanden es beispielhaft, sich bis zur Mittagspause mit buch-stäblichem Nichtstun hinüberzuretten, um dann weiter in amtlicher Bewegungslosigkeit bis zum Feierabend zu verharren. Und das ging wie immer am besten zu zweit.
Oberamtsrat Clausen hatte also wieder Kollegen Hans-Werner Baumann vom Passamt in seinem Büro. Dem Zuhörer eröffnete sich in den Dialogen der ganz normale Amtswahnsinn. So fanden sich Jahrzehnte alte Bauanträge auf Clausens Tisch und bei „der Zeitung“ wird sich beschwert, wenn im Horoskop die Schreckensnachricht steht, dass am Nachmittag mit Antragstellern zu rechnen sein würde.
Als beste und trostspendende Freundin erwies sich die Kaffeemaschine im Wandschrank zwischen den Akten. Mit ihr hangelten sich die beiden Beamten von „Käffchen zu Käffchen“ , bis sie beschlossen, die Restzeit bis zum Mittag Mikado zu spielen.
Eines sei zwischendurch verraten: Während dieser Programmpause wagte die RUNDSCHAU einen Blick hinter die Bühne. Dort stand auf dem Tisch zwischen Frank Bremser, alias OAR Clausen, und Jens Lehrich, alias Baumann, übrigens wirklich „die beste Freundin“ , und die Frage „Käffchen„“ kam prompt.

Nichts ist wirklich unpassend
Und sie gestanden eine Unsicherheit ein: Manchmal seien sie sich selbst nicht sicher, ob ein Gag vielleicht zu unpassend wirkt, wie beispielsweise der über das aktuelle Thema Hartz IV. „Wenn dann die Leute aber darüber lachen, ist das ein Zeichen, dass wir auch da richtig liegen“ , lässt Frank Bremser wissen.
Nachdem das Publikum in Erwartung des zweiten Teils lachenderweise auf die Plätze zurückgekehrt war, konnte sich das Beamtenduo auf der Bühne doch tatsächlich durchringen, den prophezeiten Antragstellern Audienz zu gewähren. Die (Un-)Glücklichen waren Doris Hoffman und Jörg Schiemann aus dem Publikum. Einen Taubenschlag und eine Tiefgarage bauen zu dürfen, war ihr Begehr. Doch Clausen machte mit unerfüllbaren Auflagen und veranschlagten Investitionssummen von 2,2 und 2,1 Millionen Euro deren Pläne kurzerhand zunichte und ersparte ihnen damit doch sehr viel Arbeit.
Kaum waren diese „Störenfriede“ vom Bühnen-Büro verschwunden gab es - na klar: endlich wieder mal „Käffchen“ , bei dem die gestressten Beamten sich auch endlich noch einiges Privates von der Seele reden konnten.

Die Amtsmühlen bejubelt
Sei's drum: Den Zuschauern gefiel das Szenario nur zu gut. Fand gar der eine oder andere in den Pointen selbst Erlebtes wie mit dem Nagel auf den Kopf getroffen wieder“ Der Beifall jedenfalls klang ganz danach.
Nach mehreren Zugaben verabschiedeten sich Baumann & Clausen nun gar nicht mehr unbeweglich beim dankbaren und sehr heiter gestimmten Herzberger Publikum. (cn/red)