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| 01:07 Uhr

Eine Woche mit den Königinnen der Nacht

Nur für wenige Stunden entfaltet die Königin der Nacht im Saxdorfer Pfarrgarten ihre ganze Blütenpracht.
Nur für wenige Stunden entfaltet die Königin der Nacht im Saxdorfer Pfarrgarten ihre ganze Blütenpracht. FOTO: Foto: Veit Rösler
Saxdorf.. Seit einigen Tagen entfalten im Saxdorfer Pfarrgarten inmitten der 3000 verschiedenen Pflanzenarten in den Nachtstunden prächtige Gewächse ihre ganze Schönheit. Es ist etwa 21.30 Uhr. Die Dämmerung dreht das Tageslicht immer weiter zurück. Veit Rösler

Pfarrer Karl-Heinrich Zahn und Hanspeter Bethke beobachten wieder einmal eine schlangenartige Pflanze in ihrem Kaktusbeet, in dem sich allein zirka 400 Kakteen vom „Schwiegermutterstuhl“ über die „Königin der Nacht“ bis hin zur „Bischofsmütze“ befinden. Im Zeitlupentempo entfaltet die „Königin der Nacht“ , lateinisch „Selenicereus grandiflorus“ , mit zunehmender Dunkelheit ihre Blüten. Im Saxdorfer Pfarrgarten waren es bereits 25 Stück an zwei verschiedenen Pflanzen. Schon jetzt ist vorauszusehen, dass noch weitere acht Blüten in den nächsten Nächten folgen werden.

Blütenpracht für eine Nacht
Insgesamt etwa 50 kleine Knospen haben die beiden Kakteen im Vorfeld getragen. In einer einzigen Nacht entfaltet sich eine der prächtigsten Blüten des Pflanzenreichs, die ihren vollen Durchmesser von rund 25 cm bei Einbruch der Dunkelheit erreicht und bereits nach drei Stunden wieder verblüht. Erfahrene Kakteenzüchter wissen, am Blühtag selbst lässt sich ab etwa 14 Uhr feststellen, ob sich eine Blüte am gleichen Abend öffnen wird oder nicht. Gute Pflege vorausgesetzt, blühen die Pflanzen jedes Jahr.
Im Verlauf des Nachmittags schwillt die Knospe allmählich an. Die Blütenblätter strecken sich und beginnen sich ab 19 Uhr voneinander zu lösen. Innerhalb von zwei bis drei Stunden entfalten sie sich zu einem Trichter aus weit über 100 cremefarbenen, goldgelben und braunen Blütenblättern mit einem feinen Duft nach Schokoladenpulver. Kurze Zeit nach Mitternacht beginnt die Blüte zu welken.

Zu Hause in den Tropen
Die „Königin der Nacht“ stammt aus den tropischen Regionen, insbesondere aus Mittelamerika. Sie wächst auf Bäumen als Rankenpflanze. Der Kaktus stammt aus relativ feuchten Gebieten und bildet daher auch nicht die typisch kugeligen Sprossen aus wie die Wüstenpflanzen unter seinen Verwandten. Seine Triebe sind langgestreckt und kaum bestachelt.
Mit ihrer imposanten Blüte versucht die Pflanze, Nachtschmetterlinge oder Fledermäuse anzulocken, die dann nur wenige Stunden Zeit haben, die Blüte zu befruchten. Es entsteht eine rote Beerenfrucht. Etwa zehn weitere Arten gibt es, die sich auf ähnliche Weise verhalten und fortpflanzen. Die Königin der Nacht wird seit einiger Zeit als Heilpflanze eingesetzt.
Da es hier keine Nachtschmetterlinge gibt, bestäubt Hanspeter Bethke manchmal die Pflanzen erfolgreich mit einem Pinsel. Über den Winter stehen die Pflanzen im Gewächshaus, wo es dennoch ziemlich kühl werden kann. Im Sommer werden sie ins Freie gebracht. Die beiden Pflanzen sind etwa zehn Jahre alt. Die Mode, Kakteen zu kultivieren, gibt es in Europa seit 1830.

Auf zum Bambusfest
Im 10 000 Quadratmeter großen Pfarrgarten in Saxdorf stehen derzeit viele Pflanzen wie Rosen, Dahlien oder der Sommerphlox, die so genannte Flammenblume, in voller Pracht. Neben den Konzerten an den Wochenenden lädt der Pfarrgarten für Sonnabend, den 9. August, zu seinem traditionellen Bambusfest ein, bei dem neben musikalischer Unterhaltung neun Firmen ihre Spezialitäten anbieten und natürlich auch Bambus verkauft wird.
Der Pfarrgarten in Saxdorf ist immer mittwochs, sonnabends und sonntags in der Zeit von 10 bis 19 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Nach Absprache unter der Telefonnummer 03 53 41 / 21 52 kann dann auch die Blütenpracht der „Königin der Nacht“ vor Ort im Pfarrgarten in Saxdorf von den Blumenfreunden bewundert werden.