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| 02:41 Uhr

Eine tonnenschwere Leidenschaft

Enrico Forker hat sich in seiner Freizeit nicht nur Oldtimern der Straße, sondern auch Stahlkolossen verschrieben.
Enrico Forker hat sich in seiner Freizeit nicht nur Oldtimern der Straße, sondern auch Stahlkolossen verschrieben. FOTO: rmr
Falkenberg. Bernd Falz ist ein Sammler aus Rheinland-Pfalz. Das, was er sammelt, hat Gewicht. Und zwar viel. Im Schnitt wiegt ein Sammlerstück etwa einhundert Tonnen. Falz sammelt Lokomotiven. Der Lokschuppen in Falkenberg am oberen Bahnhof ist gut gefüllt. Rico Meißner

Einer, der viel über die Sammlung weiß und auch selbst tatkräftig Hand bei der Restaurierung anlegt, ist Enrico Forker. "Wir sind eine Truppe von etwa zehn Leuten", erzählt er. Nach Feierabend oder am Wochenende trifft man sich zum Arbeiten auf dem Gelände." Auch das gehört Falz. "Er hat das alles vor dem Verschrotten gerettet", so Forker weiter.

"Wir haben hier Dampf-, Diesel- und E-Lokomotiven stehen." Ungefähr aus der Bauzeit von 1917 bis 1976. Die Restaurierung erfordert jede Menge Einsatz. "Wir brauchen für eine Lok ungefähr anderthalb Jahre. Wir schleifen sie herunter, lackieren sie neu und ersetzen Teile aus unserem Ersatzteilvorrat. Dazu kommen aber auch noch Arbeiten zur Gebäudeinstandhaltung und Gleisarbeiten."

Wie kommt man zu so einem Hobby, das eine Menge privater Zeit beansprucht? Forker lacht nur und meint: "Für jedes Hobby muss man eben auch ein bisschen verrückt sein." Und gleich darauf kommt er ins Schwärmen. "Das ist eine einfache Technik. Sie kommt ohne komplizierte Elektronik aus und man kann sie gut reparieren. Teilweise sind die Stücke 70 bis 80 Jahre alt, aber sie könnten heute noch arbeiten." Theoretisch natürlich. Theoretisch könne auch ein Dampflokbetriebswerk bei gegebener Infrastruktur an Ort und Stelle in Betrieb genommen werden.

Seit 2001 arbeiten und schrauben sie an jener Stelle. Aufgearbeitet wird allerdings nur im optischen Bereich. Eine betriebsfähige Aufarbeitung wäre allein aus Kostengründen nicht machbar. "Es ist eine der größten privaten Sammlungen in Europa, ich glaube sogar die größte", so Forker. Gäste kämen zuweilen aus England, Holland, Tschechien oder Russland. Natürlich auch aus dem näheren Umfeld und Falkenberg selbst. Bei den bereits zwanzig restaurierten Lokomotiven, von denen achtzehn im Lokschuppen stehen, steht auch ein wenig der Erinnerungseffekt im Vordergrund. "Wir möchten die Geschichte erhalten und jüngeren Generationen, die diese Fahrzeuge nicht aus eigener Erfahrung kennen, zeigen, was einmal gebaut wurde. Sie waren aus dem Güterverkehr vor Jahren nicht wegzudenken." Geld wolle Falz mit seiner Sammlung nicht verdienen, da ist sich Forker sicher: "Er wollte die Loks vor der Schrottpresse retten, denn dann wären sie einfach weg gewesen." Wenn es auch nicht mehr werden sollen, es wird weiter gewerkelt und man kann sich von den Fortschritten der Arbeit immer wieder überzeugen.

Das Dampflok-Museum in Falkenberg steht allen Interessierten offen. "Wir bieten nach Vereinbarung gerne Führungen an", erklärt Enrico Forker.

Kontakt: Tel. 0177 2870641