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| 13:39 Uhr

Schönewalde
Eine Stadt turnt seit 130 Jahren

TSV-Turner Christoph Schreiber an den Ringen in der neuen Turnhalle, die 2014 eröffnet wurde.
TSV-Turner Christoph Schreiber an den Ringen in der neuen Turnhalle, die 2014 eröffnet wurde. FOTO: LR / Peter Clemens
Schönewalde. Schönewalde ist eine Turnhochburg in der Region Herzberg. Der TSV 1888 feiert am Wochenende „130 Jahre Turnen“ und ehrt damit eine lange Tradition. Von Birgit Rudow

130 Jahre Turnsport in der kleinen Stadt Schönewalde – das muss würdig begangen werden. Und das wird es auch. Zu Samstag lädt der Verein zum Schauturnen in die Sporthalle der Schule ein. „Anschließend wollen wir das Jubiläum mit Musik und Tanz an der Sporthalle feiern“, sagt Michael Kopka, seit 1993 Vorsitzender des Vereins.

Mit 188 Mitgliedern ist der TSV 1888 derzeit der größte Verein in Schönewalde. 29 Männer, 84 Frauen und 75 Kinder sind im Geräteturnen, bei Step-Aerobic, Gymnastik und dem Vorschulturnen aktiv.

Der Verein wurde am 6. Juni 1888 gegründet. Turnen war damals an wenigen primitiven Turngeräten ein Freiluftsport oder es wurde im alten Schützenhaussaal geturnt. „Ab 1951 hat der damalige Neulehrer Hans Ewald bei vielen Kindern die Liebe zum Turnsport geweckt und die Turngemeinde in der Stadt  ist ständig gewachsen“, erzählt Michael Kopka. Die Aktiven erzielten bei Wettkämpfen zahlreiche Erfolge, was zur Folge hatte, dass 1961 in Schönewalde die erste Turnhalle gebaut wurde. Die Turnerinnen und Turner der mittlerweile BSG Traktor hatten jetzt ausgezeichnete Bedingungen. Der Verein wurde Trainingszentrum. Leistungsstarke Aktive wurden zum SC Cottbus delegiert. Bekannte Turner waren Dirk Ewald und Bernd Heide, späterer Bundestrainer beim SC Cottbus.

Nach der Wende wurde aus der BSG Traktor der TSV 1888 Schönewalde e.V. Die Neuorientierung war schmerzhaft. Es gab nur noch die Sektionen Geräteturnen und Gymnastik mit insgesamt 77 Mitgliedern. Ein Glücksfall war es, dass eine engagierte Sportlerin Step-Aerobic in den Verein brachte, was vor allem bei den Frauen gut ankam. Auch die Kinder und Jugendlichen begeisterten sich wieder mehr für den Turnsport. Das jährliche Weihnachtsturnen wurde zur Tradition. Mit anderen Sportvereinen und der Bundeswehr organisierte der TSV den „Treffpunkt Sportplatz“ in Schönewalde. Die Turner des Vereins nahmen regelmäßig an den Deutschen Turnfesten und am Jahn-Gedenkturnen teil. Von 2003 bis 2007 waren die jungen Turner bei Bezirks- und Landesmeisterschaften vertreten.

Mittlerweile wird auch Kindergartenkindern das altersgerechte Turnen ermöglicht, und die Resonanz beim Vorschulturnen ist so groß, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können, so Michael Kopka. In Sachen Wettkampfsport ist es etwas ruhiger geworden um den TSV 1888. „Wir können nur noch höchstens ein oder zwei Wettkämpfe im Jahr absolvieren“, sagt der Vorsitzende. Der Verein hat engagierte Übungsleiter, wie zum Beispiel Dr. Jörg Thienel, der die männlichen Geräteturner betreut. Bei ihm haben sein Sohn Johannes, Christoph Schreiber und viele andere Jungs das Turnen erlernt. Der TSV 1888 sucht aber dringend neue Übungsleiter, um wieder in den Wettkampfbetrieb einsteigen zu können.

Wozu die Vereinsmitglieder dennoch in der Lage sind, zeigen sie am Samstag beim Schauturnen. Bis auf die Senioren gestalten alle Gruppen das Programm. Die Männer turnen (fast) alle Geräte. „Es gibt auch Akrobatik und unsere Frauen haben sich etwas Besonderes einfallen lassen. Das verrate ich aber nicht“, so Michael Kopka. Es ist jeder eingeladen, selbst vorbeizukommen.

Dr. Jörg Thienel und sein Sohn Johannes auf dem Hochbarren beim Schauturnen noch in der alten Turnhalle.
Dr. Jörg Thienel und sein Sohn Johannes auf dem Hochbarren beim Schauturnen noch in der alten Turnhalle. FOTO: LR / Peter Clemens