Kurz nach 9 Uhr saßen die 19 Kursteilnehmerinnen - Bibliothekarinnen aus dem Elbe-Elster-Kreis - im Halbkreis um Tina Kemnitz und lauschten gespannt ihrer ersten Aufgabe.
Die Frauen wurden daraufhin in Gruppen geteilt, die jeweils einer Farbe zugeordnet waren. „Welches Bild haben Sie bei Ihrer Farbe im Kopf„ Malen Sie es bitte auf ein Blatt Papier“ , so lautete die erste Aufgabe an die Kursteilnehmerinnen. Marina Wilhelm war der gelben Gruppe zugeteilt. Bei der anschließenden Bilderschau im großen Kreis zeigte sie ihre Sonnenblume. Nun ist das ja noch nicht wirklich eine Überraschung. Vielmehr erstaunte, dass jede der Assoziationen der Bibliothekarinnen sich in dem Buch „Die ganze Welt“ wiederfand.
Die Diplom-Sprechwissenschaftlerin und Spezialistin für freies Vorlesen und Erzählen, Tina Kemnitz, erklärte anschließend das Konzept der Autoren. „Die Bilder lösen Assoziationsketten aus“ , so die Kursleiterin. Die Bibliothekarinnen machten den Test und richtig, jedes Motiv fand sich in gewisser Art und Weise im folgenden Bild wieder.
Natürlich sollte es nicht Sinn und Zweck sein, zu dieser simplen Erkenntnis zu kommen. Vielmehr solle mit dieser Übung die Fähigkeit geschult werden, spontan zu jedem der Bilder Geschichten zu ersinnen, wie es Kinder ja nahezu perfekt beherrschen, so die Kursleiterin. Die Fähigkeit zu träumen sei auch für die Arbeit einer Bibliothekarin wünschenswert. Denn was ist eine Bibliothekarin ohne Fantasie“ Dass es den Frauen, die täglich in den Bibliotheken des Kreises mit den jüngsten Lesern zu tun haben, an Fantasie nicht fehlt, bewiesen sie in den nachfolgenden Übungen.
„In den Kursen, die unsere Agentur anbietet, sollen Lehrer, Erzieher, Bibliothekare und Buchhändler für Methoden sensibilisiert werden, Kinder und Jugendliche auf Bücher neugierig zu machen“ , erläutert Tina Kemnitz das Konzept. In ganz Deutschland sei das achtköpfige Team von „Eventilator“ unterwegs. Der Kurs am Mittwoch wurde in Kooperation mit dem Kulturamt des Landkreises veranstaltet, ergänzt Anke Fichtmüller, die Leiterin des Kreismedienzentrums in Finsterwalde. Regelmäßig fänden Arbeitstreffen für die Bibliothekarinnen des Elbe-Elster-Kreises statt.
Regina Schuppe, Leiterin der Stadtbibliothek in Elsterwerda und sozusagen die Gastgeberinnen am Mittwoch, begründet, weshalb es so wichtig ist, das Geschick im Umgang mit Kindern ständig zu schulen: „Sie können heute kein Kind mehr mit einer gewöhnlichen Vorlesung locken. Eine Bibliothekarin muss es schaffen, die jungen Zuhörer mit spannenden Geschichten zu fesseln und in die Vorlesung einzubeziehen. Erst dann wird eine Lesung erfolgreich. Wir müssen immer wieder neu dazulernen, wie man dem jungem Publikum den Spaß am Lesen näher bringt.“