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| 14:28 Uhr

Baugeschehen
Eine Abdeckung für „Louise“-Schornstein

 Der Schornstein der Brikettfabrik "Louise" ist am Mittwoch mit einer Abdeckung versehen worden.
Der Schornstein der Brikettfabrik "Louise" ist am Mittwoch mit einer Abdeckung versehen worden. FOTO: Jens Berger
Domsdorf. Auch wenn die Sanierungsarbeiten vor Ort noch andauern, wurde am Mittwoch ein wichtiges Detail geschafft. Ein großer Kran hat das schwere Teil hinaufbefördert. Es schützt nun die Esse vor Wind und Wetter. Von Sylvia Kunze

Seit Wochen sind die Fachleute schon mit den Sanierungsarbeiten am Schornstein des Technischen Denkmals Brikettfabrik „Louise“ in Domsdorf beschäftigt. Aber was für diesen Tag auf dem Plan steht, ist auch in ihrem Arbeitsalltag etwas Besonderes. In 68 Metern Höhe soll der schon vor Jahren stillgelegte Rauchfang mit einer Abdeckung versehen werden.

Der massive Ringanker, der stattliche sechs Tonnen Gewicht auf die Waage bringt, liegt schon bereit. Er soll mit einem Kran nach oben gehievt und dann von den Fachmännern am Schornstein sicher befestigt werden. Doch ein „normaler“ Kran reicht bei dieser Höhe nicht. Ein Spezialkran ist deshalb vorgefahren und wird zusammenmontiert. Bauleiter Uwe Bastian kann derweil noch einmal kurz Luft holen.

Eigentlich hätte er nach ersten Planungen mindestens jetzt zum Endspurt ansetzen müssen. Aber die Realität sieht etwas anders aus. Erst gut zwei Drittel des Schornsteins hat er mit seinen Mannen fertig sanieren können. „Die Fugen waren zum großen Teil in einem sehr viel schlechteren Zustand, als zuerst angenommen. Die Witterung hat ihnen massiv zugesetzt“, benennt er das Kernproblem, das für Bauverzug sorgt.

„An vielen Stellen hat sich zudem gezeigt, dass viele der Fugen bei der schon einmal ausgeführten Sanierung nur oberflächlich behandelt worden waren und sich dahinter Hohlräume verbargen“, ergänzt Andreas Claus, Bürgermeister in Uebigau-Wahrenbrück und in dieser Funktion zugleich Bergwerksdirektor für die im Ortsteil Domsdorf befindliche Brikettfabrik. Andreas Claus hat genau so wie die in der „Louise“ Beschäftigten sehr genau mitverfolgt, was sich vor Ort tat. Da wurde längst nicht nur verfugt. Da wurden auch Steine gewechselt. Spannringe sind zu entrosten und vor weiteren Wetterangriffen zu schützen. Das Logo an der Spitze des weithin sichtbaren Gebäudeteils ist erneuert. Bauschuttreste, die noch vom stückweisen Abtragen des Schornsteins vor einigen Jahren im Inneren der Esse verblieben waren, sind herausgeholt. Und der Übergang zum Hauptfuchs ist verbrettert, um Feuchtigkeitseintrag zu verhindern.

Die Mehrarbeiten sind nicht von der Hand zu wischen. Welche finanziellen Auswirkungen sie haben? „Wie sich die Kosten entwickeln, müssen wir sehen. Die Rechung liegt noch nicht vor. Wir haben erst einmal um eine Zwischensumme gebeten,“ sagt Bürgermeister Andreas Claus.

Zur Erinnerung: 300 000 Euro waren für die Sanierung veranschlagt. Finanziert wird diese Summe zu 80 Prozent aus einer Zuwendung aus Landesmitteln (gemäß Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung) und zu 20 Prozent (immerhin noch knapp 62 000 Euro) aus Eigen- und Drittmitteln. 17 000 Euro schultert die Stadt Uebigau-Wahrenbrück. 15 000 Euro kommen vom Freundeskreis Technisches Denkmal Brikettfabrik „Louise“. 10 000 Euro hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beigesteuert. Weitere rund 20 000 Euro sollen über Drittmittel kommen.

Was Andreas Claus froh stimmt, ist die Tatsache, dass das Schlotbier komplett ausverkauft ist. Es ist ein in der Finsterwalder Brauerei eigens gebrautes Bier, mit dessen Verkauf der Spendentopf für die Sanierungsarbeiten gefüllt werden soll. Die ersten 1000 Flaschen sind verkauft. „Und wir machen weiter!“, kündigt der Bürgermeister an. Im Frühjahr soll die Edition Nummer 2 gebraut werden – natürlich nach gleichem Rezept wie Nummer 1. „Besonders jetzt kurz vor Weihnachten hat es noch einmal eine große Nachfrage nach dem Schlotbier gegeben. Viele sehen darin eben auch ein schönes Geschenk“, berichtet Claus.

Vor Ort haben sich inzwischen die Spezialisten positioniert. Der Kran ist fertig montiert. Der Kranführer ist bereit. Einige Männer der Sanierungsfirma sind bis ganz nach oben zur Schornsteinspitze aufgestiegen und warten auf dem Gerüst, dass der sechs Tonnen schwere Ringanker nach oben gehievt wird und sie ihn dort als Abdeckung des Schlotes verankern können.

Die Abdeckung, die mit einer kontrollierten Belüftung versehen ist, sei immens wichtig, bekräftigt Claus. Sie soll das innere Mauerwerk des Schornsteins vor Wetterangriffen schützen. Man habe sich das Innere im Zuge der Sanierungsarbeiten schon genauer angesehen. Es sei vom jahrelangen Gebrauch der Esse gezeichnet. Abplatzungen und Versalzungen würden sich jedoch noch im Rahmen halten. Und ganz wichtig: „Die Standsicherheit des Schornsteins ist nicht gefährdet. Im Gegenteil: Der steht wie eine Eins“, ist der Bürgermeister froh, sich in dieser Hinsicht nicht sorgen zu müssen.

Sollte das Wetter mitspielen und weitere Sanierungsarbeiten ohne große Einschränkungen zulassen, glaubt Bauleiter Uwe Bastian, noch gut einen Monat zu tun zu haben und dann die Arbeiten abschließen zu können.

Parallel machen sich die Verantwortlichen der Brikettfabrik, die als technisches Denkmal besonderen Schutz erfährt, Gedanken, wie es weitergehen kann. Dass weitere Schritte zum Erhalt der Bausubstanz nötig sind, steht außer Frage. „Es kann aber nicht Aufgabe einer kleinen Stadt sein, solch deutsches und europäisches Kulturerbe allein zu erhalten“, fordert Andreas Claus zum wiederholten Mal Unterstützung ein.