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Eindeutiges Votum für Eule-Prütz

Wahlkampf war gestern. Karsten Eule-Prütz kann sich jetzt gut drei Monate darauf vorbereiten, Anfang Januar als Bürgermeister in das Herzberger Rathaus einzuziehen.
Wahlkampf war gestern. Karsten Eule-Prütz kann sich jetzt gut drei Monate darauf vorbereiten, Anfang Januar als Bürgermeister in das Herzberger Rathaus einzuziehen. FOTO: Rudow
Herzberg. Einen Tag nach der Bürgermeisterwahl in Herzberg ist der Sieger in Gedanken schon mal im Rathaus. Die Verlierer suchen Erklärungen. Birgit Rudow

Nach dem Wahlsonntag war am Montag erst einmal aufräumen angesagt. Die Herzberger Bürgermeisterkandidaten waren unter anderem damit beschäftigt, ihre Wahlplakate von den Laternenmasten zu holen. Betrachtet man das eindeutige Wählervotum bei der Bürgermeisterwahl in der Kreisstadt, ist gut vorstellbar, dass den (bis Sonntagabend) Anwärtern auf dieses Amt dabei recht unterschiedlich zumute war.

Mit 63,7 Prozent der abgegebenen Stimmen hat Karsten Eule-Prütz einen überraschend klaren Wahlsieg eingefahren. In allen 20 Stimmbezirken der Stadt hat er mehr als 50 Prozent eingefahren, in Mahdel sogar 87,9 Prozent, in Friedersdorf 78,4 Prozent und in Rahnisdorf 71,6 Prozent.

21 Prozent der Gesamtstimmen gingen an Einzelbewerber Mario Lehmann und 15,2 Prozent an Ulf Lehmann von der Wählergruppe "Herzberg zählt".

Auch am Montag kam Karsten Eule-Prütz sein deutlicher Wahlsieg noch "krass" vor. Er habe gehofft, bei einer Stichwahl dabei zu sein, sagt er. Das klare Ergebnis sei auch für ihn überraschend gewesen. "Das ist eine Legitimation, über die muss ich noch viel nachdenken", so Karsten Eule-Prütz im Gespräch mit der Lausitzer Rundschau.

Zwei Dinge hat er für den Start in sein neues Amt besonders im Blick. Das Wichtigste wird für ihn sein, mit der Kämmerei die Haushaltslage so auf Vordermann zu bringen, dass die Stadt weiß, wo sie eigentlich steht. Ein zweiter Schwerpunkt sei der Umgang miteinander in einer serviceorientierten Verwaltung, sagt er. Alles in allem gehe es um die Frage, wie die Zukunft der Stadt, eventuell auch ohne Kreisstadtstatus, aussehen könnte. Doch solange noch alles offen ist, will er dafür kämpfen, dass Herzberg Kreisstadt bleibt. "Ich hoffe, dass das Brandenburger Wahlergebnis zum Bundestag vor allem in den Randgebieten, die Landesregierung dazu bewegt, nicht eine Entscheidung zu treffen, die sie nur schlecht erklären kann", sagt er.

Dennoch, so Eule-Prütz, müsse man definieren, wo die Stadt hin will, so oder so. Sie sollte mehr sein, als nur ein Verwaltungssitz. Und dabei setzt der künftige Bürgermeister nicht auf Parteien oder Fraktionen, sondern auf die Bürger, die sich in der Stadt engagieren. "Wir alle sind Herzberg. Auch ich bin dann als Bürgermeister nur ein Bürger dieser Stadt. Wir brauchen die Herzberger, die mitmachen wollen und sich mit ihrer Stadt identifizieren", sagt er und führt als Beispiel die Stadt Finsterwalde an, in der es großen Lokalpatriotismus gebe, der das Stadtleben positiv beeinflusse.

Karsten Eule-Prütz hat nicht vor, in der Stadtverwaltung gleich alles umzustrukturieren. "Von außen ist ein Einblick schwer. Ich werde sehen, wer Lust hat und mitzieht. Ich glaube, das sind ganz viele", sagt er. In den kommenden Wochen will er das Gespräch mit Michael Oecknigk und Vertretern andere Kommunen suchen. Mit dem Landrat und Landtagsabgeordneten sowie mit einigen Stadtverordneten hat er schon unmittelbar nach der Wahl Kontakt gehabt.

Was Karsten Eule-Prütz braucht, ist auf jeden Fall den Rückhalt in der Familie. Dem Vater von zwei kleinen Kindern ist bewusst, dass er mindestens ein Jahr benötigen wird, in sein neues Amt einzutauchen. Im Wahlkampf haben ihm die Familie und viele Freunde den Rücken freigehalten. "Sie haben extrem viel Zeit geopfert, mit mir gezittert und gelitten. Dafür möchte ich meinen Leuten danken", sagt er.

Während Karsten Eule-Prütz sich auf seine neue Aufgabe vorbereitet, versuchen Mario Lehmann und Ulf Lehmann das Wahlergebnis zu verstehen. Es gelingt ihnen nicht. "Dass es so klar ausfällt, das hätte niemand gedacht", sagt ein enttäuschter Mario Lehmann. Er habe sich für Herzberg engagiert und viel Energie und Herzblut in den Wahlkampf gesteckt. Das Ergebnis mache ihn betroffen. Er müsse jetzt überlegen, was das für ihn persönlich bedeutet, sagt er. Aber er möchte sich bei allen bedanken, die ihm das Vertrauen geschenkt und ihn unterstützt haben. "Und Karsten Eule-Prütz wünsche ich alles Gute für sein Amt", sagt Mario Lehmann.

Zutiefst enttäuscht von seinen nur 15,2 Prozent der Wählerstimmen ist Ulf Lehmann. "Ich kann das Ergebnis nicht im geringsten erklären. Es ist für mich so vernichtend, dass ich feststellen muss, dass ich wohl der falsche Kandidat war. Das stellt alles infrage. Ich werde daraus meine Konsequenzen ziehen", sagt er. Was das genau heißt, darüber wollte Ulf Lehmann nicht sprechen. Dem künftigen Bürgermeister Karsten Eule-Prütz wünscht er für seine neue Aufgabe "alles Gute und frohes Schaffen".