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| 18:42 Uhr

„Schlimme Situation“
Einbrüche beunruhigen Elbe-Elster

Dittgard Hapich, Leiterin der Arbeitslosen-Service-Einrichtung in Herzberg, ist fassungslos über die vielen aufgebrochenen Schränke und die Brutalität, mit der die Täter vorgegangen sind.
Dittgard Hapich, Leiterin der Arbeitslosen-Service-Einrichtung in Herzberg, ist fassungslos über die vielen aufgebrochenen Schränke und die Brutalität, mit der die Täter vorgegangen sind. FOTO: LR / Rudow
Elbe-Elster. Vor allem im Raum Herzberg schlagen Täter immer wieder zu. Polizei: keine besondere Häufung. Von Birgit Rudow

In der Arbeitslosen-Service-Einrichtung (ASE) in Herzberg ist an vorweihnachtliche Besinnlichkeit nicht zu denken. Zu tief sitzt der Schock über den Einbruch in der Nacht zu Freitag letzter Woche. „In der oberen Etage haben die Täter fast alle Schränke aufgebrochen. Sie waren in allen Beratungszimmern. Nur im Kinderraum und in der Kleiderkammer waren sie nicht. Bei der Tafel hatten sie es auf die persönlichen Schließfächer der Mitarbeiter abgesehen“, sagt ASE-Chefin Dittgard Hapich. Sie glaubt auch zu wissen, was die Einbrecher gesucht haben: Geld. Die Technik war unberührt. Dafür war die Kassette mit den Mitgliedsbeiträgen aufgebrochen und alle „stillen Sammler“ waren verschwunden. Das sind kleine Sparbüchsen, in die Bürger nach kostenlosen Beratungen gern mal einen Euro werfen.

Die Einbrecher sind äußerst rabiat vorgegangen. Viele Türen sind kaputt. Für die ASE ist das bitter. Die Einrichtung hat nur wenig Geld. Sie finanziert sich neben den Mitgliedsbeiträgen des Arbeitslosenverbandes vor allem aus Spenden. Und die Weihnachtszeit steht vor der Tür.

Es war bereits der 14. Einbruch, seit die ASE vor zehn Jahren in die Räumlichkeiten in der Lugstraße gezogen ist. Dabei war in letzter Zeit Ruhe, sagt Dittgard Hapich. Sie denkt, dass das mit dem benachbarten Flüchtlingsheim zu tun hat, das bewacht wird. Um so tiefer sitzt der Schock über den neuerlichen Vorfall.

So wie der ASE geht es derzeit vielen Betrieben, Einrichtungen und Vereinen im Elbe-Elster-Kreis. Kaum ein Tag vergeht ohne Einbruchsmeldung. Seit dem 1. Oktober hat die Lausitzer Rundschau in ihren Polizeiberichten 46 Mal über Einbrüche im Kreisgebiet berichtet. Die Informationen dazu kommen von der Pressestelle der Polizeidirektion Süd. Die jüngsten drei Meldungen stammen von Dienstag, 27. November. Für ein bisschen Bargeld haben Einbrecher in der Nacht 2000 Euro Schaden am Gebäude einer gemeinnützigen Einrichtung in Schönewalde verursacht. Weiterhin sind Unbekannte in eine Firma in der Mühlstraße in Herzberg eingestiegen, haben eine geringe Menge Bargeld erbeutet und Schaden von rund 500 Euro hinterlassen. In Falkenberg haben Täter vermutlich am Wochenende etwa 120 Solarmodule demontiert und entwendet. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere 10 000 Euro, so die Polizei.

Der letztgenannte Vorfall war der dritte massive Angriff auf Solaranlagen in Falkenberg seit Ende Oktober. Überhaupt scheint der Altkreis Herzberg derzeit Schwerpunkt von Diebstahlshandlungen in Elbe-Elster zu sein. 25 der 46 Straftaten, über die berichtet wurde, entfallen auf diesen Bereich. Allein zehn auf Herzberg und fünf auf Falkenberg. Schönewalde, Körba, Friedersdorf, Schlieben und Stechau wären ebenfalls zu nennen. Elf Einbrüche waren im Bereich Finsterwalde zu verzeichnen, vier in Finsterwalde, zwei in Doberlug-Kirchhain, zwei in Massen und je einer in Schönborn, Lichterfeld und Trebbus. Über neun Einbrüche wurde im Bereich Elsterwerda informiert – in Bad Liebenwerda, Gordon-Staupitz, Oschätzchen, Wainsdorf, Plessa, Dollenchen, Prieschka und Großthiemig. Vorrangig haben es Diebe neben Solarplatten auf Werkzeuge, Geräte, Baumaterialien, Buntmetall und Geld abgesehen.

Vor allem in Herzberg werden die  Einbrüche in jüngster Zeit als beunruhigend empfunden. Den Betroffenen macht auch der hohe Sachschaden zu schaffen, selbst wenn nicht viel gestohlen wurde. Die Stadtverwaltung berichtet auf ihrer Facebook-Seite vom Einbruch in Mannschafts-, Kassen- und Vereinsräume auf der Sportanlage Ende letzter Woche. Der Sachschaden wird auf eine vierstellige Summe geschätzt. Die Stadt bittet die Bürger, Augen und Ohren offen zu halten.

Muss sich Elbe-Elster derzeit mit einer Einbruchswelle auseinandersetzen? Nein, meint die Leiterin der Pressestelle der PD Süd Ines Filohn. Im Vergleich zu Cottbus, Rand-Berlin oder die Grenzregion zu Polen sei Elbe-Elster ein ruhiger Landkreis, sagt sie, ohne dabei despektierlich wirken zu wollen. Allerdings würde es die Jahreszeit, in der es früh dunkel und spät hell werde, Einbrechern leichter machen. Auch kämen in die ländlichen Bereiche immer wieder „reisende Täter“. Und es gebe auch dort Menschen mit Drogenproblemen, die auf der Suche nach Geld viel Sachschaden anrichten, sagt sie. Wichtig sei besonders die Sozialkontrolle, die im ländlichen Bereich ausgeprägter ist als in großen Städten. „Wenn Bürger in ihrer Nähe jemanden feststellen, den sie noch nie gesehen haben, sollten sie ihn ansprechen oder das Kennzeichen aufschreiben. Befinden sich Fremde auf dem Grundstück, sollte man die Polizei informieren“, rät Ines Filohn. Als besonderen Brennpunkt bei Einbrüchen könne sie Elbe-Elster momentan aber nicht bestätigen.

Der Leiter des Herzberger Ordnungsamtes Sven Ziehe sieht das etwas anders. „Das ist derzeit eine schlimme Situation und für die Region ist die Häufung der Einbrüche in den letzten Wochen schon sehr groß. Das stärkt nicht das Vertrauen unserer Bürger in Sicherheit und Ordnung. Man kann uns nicht mit Cottbus oder Rand-Berlin vergleichen“, sagt er. Auch die Mitarbeiter des Herzberger Ordnungsamtes seien erschüttert über die Häufigkeit der Einbrüche und die hohen Schäden, so Sven Ziehe.

So sehen viele Türen in der ASE aus. Sie alle zu reparieren  dauert lange und kostet Geld.
So sehen viele Türen in der ASE aus. Sie alle zu reparieren dauert lange und kostet Geld. FOTO: LR / Rudow