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| 01:07 Uhr

Ein Wanderer zwischen Abstraktion und Realismus

Schwarzheide.. Treffender als der Senftenberger Maler Bernd Winkler kann man wohl kaum die Vernissage zur ersten Ausstellung in diesem Jahr in der Galerie der BASF Schwarzheide GmbH beschreiben: „Die Ausstellungseröffnung war wie immer fantastisch. Der Hegenbarth ist so großartig, da braucht man gar nichts mehr sagen. Und ich freue mich, dass wir in dieser Ausstellung Arbeiten sehen können, die sonst nur im Bestand des Kupferstich-Kabinetts schlummern“ . Von Bernd Balzer

Auch die musikalische Umrahmung war fast ein kleines Konzert und ein guter Wein ist auch nicht zu verachten. Das junge Dresdner Klaviertrio mit Ricarda Gnauck am Klavier, Christiane Liskowsky, Violine, und Beate Hofmann, Violoncello, spielte vortrefflich Stücke von Beethoven und Dvorák. Alle drei haben in Dresden und anschließend im Ausland Musik studiert, Ricarda Gnauck in Brüssel, Christiane Liskowsky in Manchester und Beate Hofmann in Helsinki. Zusammen musizieren sie seit 1994. Während Christiane Liskowsky sonst in der Dresdener Philharmonie spielt, sind die beiden anderen freiberuflich tätig.
In seiner Laudatio vor den gut 280 interessierten Zuhörern aus nah und fern beschrieb der Oberkonservator des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dr. Hans-Ulrich Lehmann, Leben und Werk des Malers von europäischem Rang. Am 15. Juli 1884 in Böhmisch-Kamnitz geboren, siedelte Josef Hegenbarth nach Dresden über und schuf von 1905 bis 1908 erste künstlerische Arbeiten unter Anleitung seines Vetters Prof. Emanuel Hegenbarth. Von 1908 bis 1915 studierte Josef Hegenbarth an der Kunstakademie Dresden und wird 1915 Mitglied der Dresdner Künstlervereinigung. 1936 heiratete er Johanna Aster und hielt sich während der Kriegsjahre im Böhmischen auf. Nach der Rückkehr 1945 nach Dresden wird Josef Hegenbarth Dozent an der Staatlichen Hochschule für Werkkunst und 1947 Professor an der Hochschule für Bildende Künste. Am 27. Juli 1962 starb er in einem Dresdner Krankenhaus.
Josef Hegenbarth gehört als Zeichner, Grafiker, Maler und Illustrator zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des vergangenen Jahrhunderts. Er bemühte sich von Anfang an, konsequent und selbstbewusst eine eigene, unverwechselbare Ausdrucksform zu schaffen, wobei die Zeitverhältnisse zwischen der künstlerisch überkommenen Wiedergabe des Sichtbaren und der Hinwendung zum Abstrakten, also die Spannung zwischen Realismus und Abstraktion, befruchtend für seine Werk waren.
1953 bekannte Josef Hegenbarth, dass das Naturstudium die Grundlage seiner Arbeit sei, als unverzichtbaren Gegenpol nannte er aber gleichzeitig die Fantasie als die aus dem Inneren Leben schöpfende Kraft. So malte er mit seiner markanten Handschrift und mit knappen treffsicheren Zügen mit Feder- und Pinselstrichen Szenen aus dem Alltag, Märchen- und Tiermotive. Auffallend sind immer seine zurückgehaltenen Grundtöne, auf die er sehr dynamisch wirkende Farbkleckse aufsetzt. Josef Hegen barth hat das Leben immer dort gezeichnet, wo es besonders lebendig war: im Café, im Varieté, im Kabarett.
Seine „Portraits“ sind individualisierte Typen, deren Lebensgeschichten in den Rhythmus der Linien einfließen. Werke von Josef Hegenbarth zu biblischen Themen sind stets Botschaften an die Menschen. Es sind Gleichnisse, keine Illustrationen eines Bibeltextes schlechthin, sondern Bekenntnisse eines Christen, der in diesen Gleichnissen seiner Zeit den Spiegel vorhält. Diese erste gemeinsame Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der BASF Schwarzheide GmbH vermittelt mit den 80 Arbeiten einen umfassenden Einblick in die thematische Vielfalt und in die stilistische Entwicklung von Josef Hegenbarth.
Die Ausstellung „Zeichnungen und farbige Blätter“ von Josef Hegen barth ist bis zum 6. März täglich von 12 bis 18 Uhr in der Galerie der BASF Schwarzheide zu sehen.