| 18:26 Uhr

Ein starkes Ausstellungsdoppel

Doberlug-Kirchhain. Gut, dass der offizielle Teil am Donnerstagabend in der benachbarten Klosterkirche stattfand. Dort war genug Platz für die knapp 300 Gäste aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft und es war angenehm kühl. Heike Lehmann

Außerdem stieg während der musikalischen Beiträge, der Reden und vorweggenommenen Lobpreisungen die Spannung auf die Schau, die die Interimsphase im Museum Schloss Doberlug beenden sollte.

Am Donnerstagabend hat Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, "Doberlug und das sächsische Brandenburg" eröffnet. Die Ausstellung greift die Thematik der vor drei Jahren an gleicher Stelle erfolgreichen 1. Brandenburgischen Landesausstellung "Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft" auf. Doberluger Geschichte - einst sächsisch, später preußisch geprägt - steht stellvertretend für Kulturgeschichte einer ganzen Region.

Zugleich wurde die Sonderausstellung "Die letzten Mönche von Dobrilugk" eröffnet. Der Beitrag zum Reformationsjahr ist auch Projekt der Kulturlandkampagne 2017. Die von Dr. Sascha Bütow kuratierte Ausstellung spürt mithilfe von wertvollen Originaldokumenten Lebenswege der Mönche nach der Auflösung des Klosters auf. Diese Schau ist eine Kooperation des Landkreises Elbe-Elster mit dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam, den Universitäten Potsdam und Rostock sowie der Stadt Doberlug-Kirchhain.

Münch sprach von einem "starken Ausstellungsdoppel". Habe die Landesausstellung das Schloss auf die kulturelle Landkarte des Landes Brandenburg zurückgebracht, werde das neu gegründete Museum das Schloss darauf fest verankern, so die Ministerin zuversichtlich. Dieses Vorhaben habe das Land gern finanziell unterstützt. 40 000 Euro sind vom Kulturministerium in den Ausstellungsbau geflossen.

Die von Stefanie Fink und Peter Langen kuratierte Ausstellung, mit vielen historischen Objekten illustriert und medial aufbereitet, schlägt einen Bogen von der Stiftung des Doberluger Klosters im Jahr 1165 über die Glanz- und Blütezeit der Stadt unter der wettinischen Nebenlinie Sachsen-Merseburg im 17. und 18. Jahrhundert. Doberluger Persönlichkeiten, wie dem Dichter Heinrich Clauren, dessen Bücher um 1800 mehr Leser fanden als Goethes Werke, oder dem Chemiker Hermann Wilhelm Vogel, der die Farbfotografie entscheidend mit auf den Weg brachte, ist ein eigenes Ausstellungskapitel gewidmet. Schlusspunkt sind Aspekte des sächsischen Brandenburgs, seine Künstler und Adelsresidenzen des Territoriums.

"Dank großzügiger Unterstützung von Sponsoren und institutionellen Geldgebern ist die Ausstellung mit hohem qualitativen Anspruch möglich geworden", betonte Landrat Christian Heinrich-Jaschinski. Die Sparkassenstiftung "Zukunft Elbe-Elster-Land" gab 200 000 Euro als Anschubfinanzierung für den 2015 neu gegründeten Museumsverbund Elbe-Elster, zu dem auch das Schlossmuseum gehört. Ein Teil dieses Geldes kam der Doberluger Ausstellung zugute. Thomas Hettwer von der Stiftung freute sich, zudem einen Audioguide für Erwachsene und Kinder mit auf den Weg gebracht zu haben.

Bodo Broszinski, Bürgermeister der Stadt Doberlug-Kirchhain, die beide Ausstellungen finanziell unterstützt hat, erinnerte an die Anstrengungen, "das historische Areal aus dem Kasernengrau und Dornröschenschlaf zu wecken". Hans Madsen, erster Vorsitzender vom vor 20 Jahren gegründeten Förderverein Schloss Doberlug, erklärte nach einem ersten Rundgang: "Wir haben das Ganze mit aus der Taufe gehoben, hätten es in der Dimension und Qualität aber nie auf die Reihe gekriegt."

Dr. Kurt Winkler vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam und Vorsitzender des Fachbeirats für die Doberluger Dauerausstellung freute sich, wie anschaulich der Impuls der Landesausstellung aufgegriffen wurde.