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| 17:43 Uhr

Herzberg
Ein neues Haus für die „Spatzen“

Die Kindertagesstätte „Spatzennest“ in Herzberg kann an ihrem jetzigen Standort gegenüber der Elsterlandgrundschule bestehen bleiben, allerdings soll dafür ein komplett neuer Bau errichtet werden.
Die Kindertagesstätte „Spatzennest“ in Herzberg kann an ihrem jetzigen Standort gegenüber der Elsterlandgrundschule bestehen bleiben, allerdings soll dafür ein komplett neuer Bau errichtet werden. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Herzberger Bauausschuss diskutiert über Sanierung oder Neubau der Kita „Spatzennest“. Von Birgit Rudow

Das Karussell dreht sich in Herzberg, was die Zukunft der Kinderbetreuung betrifft. Nach der Entscheidung für einen Anbau an die Elsterlandgrundschule favorisiert der  Herzberger Bauausschuss auch für die Kita „Spatzennest“ einen Neubau. Dass die Abgeordneten für diese Einrichtung als erste der drei zur Debatte stehenden Kitas im Kernstadtgebiet konkrete Zukunftspläne schmieden (neben „Spatzennest“ noch „Flax und Krümel“ in Trägerschaft der Volkssolidarität und „Märchenland“ in Trägerschaft der Intawo), hat auch mit möglichen Finanzierungsquellen zu tun. Das Land hat im Rahmen des Förderprogramms „Kleine Städte“ für Herzberg die Elsterlandgrundschule und die Kita „Spatzennest“ als Gebietskulisse bestätigt. „Natürlich schielen wir zur Finanzierung des Neubaus auch auf dieses Programm“, so Stadtplanerin Janett Lehmann.

Doch soweit ist man bei der Stadt noch lange nicht. Erstmal geht es darum, grundsätzlich festzulegen, ob die Kita von grundauf saniert werden oder komplett neu gebaut werden soll. Mit dieser Frage hat sich der Bauausschuss am Dienstagabend auf seiner Sitzung, an der auch die Mitglieder des Kultur-und Bildungsausschusses teilnahmen, intensiv beschäftigt. Helfen soll den Abgeordneten bei ihrer Entscheidungsfindung das so genannte Modul 4 der Machbarkeitsstudie zur sozialen Infrastruktur in Herzberg. Zur Kita „Spatzennest“ hat Cathleen Koroschetz von der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung Berlin (BSM) das Modul erarbeitet. Sie begleitet die Stadtentwicklung in Herzberg schon seit vielen Jahren.

Die Untersuchungen haben sich intensiv mit dem Vergleich von Um- und Neubau beschäftigt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch das neue pädagogische Konzept, das die Kita seit etwa einem Jahr verfolgt, und das die stellvertretende Leiterin Alexandra Scheffzyk kurz vorgestellt hat. Die Kita hat ihre Arbeitsweise von geschlossenen Gruppen in eine teiloffene Arbeit umgestellt. Die Kinder können sich zeitweise in mehreren Räumlichkeiten bewegen. Mit der derzeitigen Raumstruktur lässt sich dies auch unter dem Aspekt der Aufsichtspflicht nur schwer umsetzen. Die Kita braucht flexible Räume, die sich je nach Bedarf verkleinern oder vergrößern lassen.

Laut Cathleen Koroschetz sind die  Vorteile der Kita „Spatzennest“  ihre integrierte Lage, eine gute Erreichbarkeit und die Nähe zur Elsterlandgrundschule. Mit einer Grundstücksfläche von 7818 Quadratmetern, davon 6300 Quadratmeter Freifläche, verfügt die Einrichtung über ausreichend viel Platz. Die Kita hat eine Betriebserlaubnis für 125 Kinder. 122 besuchen die Einrichtung derzeit. Es gibt Wartelisten für Neuaufnahmen.  Eine leichte Vergrößerung der Kapazität wäre also angebracht.

Sollte die Kita umgebaut werden, sind massive Investitionen notwendig. Stichworte sind Barrierefreiheit, Haustechnik, Fußbodenheizung, Sicherheitstechnik bei Fenstern und Türen, Elektrik, Sanitärbereich, Tritt- und Schallschutz oder Dämmung. Zwar sind 2011 an der Kita energetische Sanierungen vorgenommen worden, doch auch die entsprechen heute nicht mehr den geforderten Parametern. Außerdem, so erklärte Cathleen Koroschetz, wäre für die Lösung des Raumproblems ein Anbau unumgänglich. Für die Umbauzeit müsste eine Ausweichlösung für den Kita-Betrieb gefunden werden. Alles in allem, so haben es die Planer errechnet, würde eine Sanierung der Kita mit Anbau  4,31 Millionen Euro kosten. Die Höhe der Betriebskosten bliebe annähernd so wie bisher.

Für einen Neubau mit einer Kapazität für 138 Kinder  werden 4,25 Millionen Euro veranschlagt. Die Betriebskosten würden sich verringern und der alte Bau könnte während der Bauzeit stehen bleiben. Der Platz auf dem Gelände reicht aus und bietet für den Neubau zwei mögliche Standorte.

Der Bauausschuss folgte einstimmig der Ansicht der Planerin, einen Neubau zu favorisieren. Die endgültige Entscheidung trifft die Stadtverordnetenversammlung in zwei Wochen. Vorgesehen ist, wie schon beim Anbau für die Elsterlandgrundschule, für den Kita-Neubau im Januar ein EU-weites Wettbewerbsverfahren in Gang zu setzen. Der Siegerentwurf könnte dann im Sommer 2019 gekürt werden.