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Ein Hund fürs Klassenzimmer

Die Drittklässler Nico, Max und Antonia (v.l.) freuen sich über die Unterrichtsstunden mit Hündin Dami, hier bei der Tunnel-Übung.
Die Drittklässler Nico, Max und Antonia (v.l.) freuen sich über die Unterrichtsstunden mit Hündin Dami, hier bei der Tunnel-Übung. FOTO: Daniel Friedrich
Walddrehna. Wenn Hundedame Dami über die Flure der Grundschule Walddrehna spaziert, erobert sie die Herzen der Kinder im Sturm. "Hallo Dami, wie geht's dir?" oder "Du bist ja eine Brave", rufen ihr die Jungen und Mädchen zu und fahren durch ihr wuscheliges Fell. Daniel Friedrich

Dami lässt sich die Streicheleinheiten sichtlich gefallen. Sie ist den Trubel, die unterschiedlichen Gerüche und Geräusche im Gebäude inzwischen gewöhnt, denn sie ist ein Schulhund.

Seit gut einem Jahr arbeitet "Frauchen" und Sonderpädagogin Beate Patallas (51) mit der katalanischen Schäferhündin in der Grundschule Walddrehna. "Mach doch aus dem Hund einen Schulhund", ermutigte sie Schulleiterin Gudrun Glowacki einst zu dem Schritt. Beate Patallas entwarf daraufhin ein Konzept "Hund gestützte Pädagogik" und stellte es in der Schulkonferenz Kollegen und Eltern vor - sie gaben schließlich grünes Licht für das Vorhaben.

Denn längst haben Studien die positive Wirkung von Tieren auf Menschen bewiesen. "Ein Hund hält in Bewegung und sorgt für psychische Ausgeglichenheit. Das führt zu weniger Streitigkeiten, die Kinder werden ruhiger und können sich besser konzentrieren", führt Beate Patallas die Vorteile des Einsatzes von Schulhunden auf. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Hund kennt keine sozialen Unterschiede, ist unvoreingenommen. "Er geht dahin, wo viel Herz rüberkommt", sagt die Pädagogin, "egal, aus welchem Elternhaus das Kind stammt oder welche Kleidung es trägt." Schüler, die sonst eher isoliert sind, werden selbstbewusster und in der Klasse besser akzeptiert. Lernschwache Kinder blühen im Unterricht mit Dami auf, weil sie einen positiven Impuls bekommen.

Im Alter von 13 Wochen begann für Dami die Ausbildung. Dabei lernte nicht nur die Hündin, sondern auch ihre Halterin jede Menge über das Verhalten von Mensch und Tier. Parallel dazu nahm sie die Welpin hin und wieder mit in die Schule, um sie an die vielen Leute und die großen Räume zu gewöhnen. Nun kommt Dami für besondere Fördermaßnahmen ab der dritten Klasse einmal in der Woche zum Einsatz. Mit ihr hat Beate Patallas stets noch einen "Schüler" mehr im Unterricht zu sitzen, auf den sie Acht geben muss.

Im Klassenzimmer hat Dami ihren Platz auf einem roten Teppich. Wird es ihr zu laut, bellt sie auch mal und sorgt selbst für Ruhe. Der Umgang mit dem Hund fördere zunächst wichtige Sozialkompetenzen bei den Schülern, erklärt Beate Patallas: "Sie lernen, ihre eigene Körpersprache richtig einzusetzen, denn der Hund führt bestimmte Kommandos nur aus, wenn man sich konsequent verhält. Dazu müssen sie das Verhalten des Hundes deuten und ihn bei Erfolg belohnen." In einem weiteren Schritt hilft Dami den Schülern bei der Sprachförderung, denn beim Umgang mit dem Hund fällt es den Kindern leichter, sich auszudrücken. Auch im Mathematik-Unterricht hilft Dami lernschwachen Kindern spielerisch, Aufgaben zu verstehen und sie zu lösen. Demnächst soll sie zudem in der Bewegungserziehung eingesetzt und zu einem Therapiehund ausgebildet werden.

Noch sind Schulhunde in Brandenburg eine Seltenheit. Seit gut zehn Jahren werden aber auch in der Mark immer mehr Hunde zu pädagogischen Begleitern ausgebildet. Die Kosten für das Training tragen die Lehrkräfte selbst. "Für die gelehrige Hündin ist der Schulalltag eine willkommene Herausforderung", weiß Beate Patallas. "Dafür ist Dami nach einem Schultag aber auch ziemlich ausgepowert." Um fit zu bleiben, nimmt sie mit der zweijährigen Hündin regelmäßig an Wettbewerben zur Intelligenz und Körperbeherrschung teil.