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| 18:45 Uhr

LR vor Ort
Ein Dorf mit Faible für die Zukunft

Stolz sind die Züllsdorfer auf ihre Kita „Löwenzahn“. Beim Besuch der Jury für den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ staunten auch die Jury-Mitglieder über die Einrichtung.
Stolz sind die Züllsdorfer auf ihre Kita „Löwenzahn“. Beim Besuch der Jury für den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ staunten auch die Jury-Mitglieder über die Einrichtung. FOTO: LR / Rudow
Züllsdorf. Züllsdorf hat sich ein Leitbild gegeben. Was können die Leute im Ort damit anfangen? Von Birgit Rudow

Mit seinen etwa 450 Einwohnern ist Züllsdorf nach Gräfendorf einer der größten Herzberger Ortsteile. Aber nicht nur in der Größe hat das Dorf an der Grenze zur Annaburger Heide so manchem Nachbarn etwas voraus. Züllsdorf wurde 2017 Sieger im Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Und auch, wenn es im Landesrahmen nicht zum Ruhm gereicht hat, macht sich der Herzberger Ortsteil das Wettbewerbsmotto zum Programm und um seine Zukunft reichlich Gedanken. Züllsdorf hat sich selbst ein Leitbild auferlegt, das gemeinsam mit einer Frau vom Fach, der Herzberger Stadtplanerin Janett Lehmann erarbeitet wurde.

Ist dieses Leitbild eine Vision, oder beschreibt es realistische Ziele? Darüber möchte die RUNDSCHAU am 18. Oktober mit den Züllsdorfern in einer gemütlichen Runde diskutieren. Eingeladen sind alle, die an dem Ortsteil und seiner weiteren Entwicklung interessiert sind.

Im Dorf hat in den vergangenen Jahren ein „Verjüngungsprozess“ an verschiedenen „Schaltstellen“ eingesetzt. Die Jüngeren müssten jetzt ran, wie der 33-jährige Falko Richter als Vorsitzender des Sportvereins, der 20-jährige Gregor Göbel im Vorstand des Vereins oder der 29-jährige Peter Quelms als neuer Ortswehrführer, so Ortsvorsteher Ulrich Grundmann. Mit Peter Mann, der das Leitbild maßgeblich mit entwickelt und die Internetseite „Unser Züllsdorf“ auf Vordermann gebracht hat, hat Grundmann einen verlässlichen Partner an der Seite, wie er sagt.

Züllsdorf werde jünger, meint der Ortsvorsteher. Es gebe viele Kinder im Ort. Die Kita sei ausgelastet. Erst kürzlich sei eine junge Familie mit drei Kindern aus Leipzig nach Züllsdorf zurückgekommen. Das sei zwar noch nicht die Welt, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken, aber es sei ein guter Anfang. „Unser Altersdurchschnitt im Ort liegt etwa bei 48 Jahren“, so Grundmann.

Die Züllsdorfer sind auch ein stolzes „Völkchen“, das gern T-Shirts, Jacken, Dresse oder Sweatshirts mit Schriftzügen wie „Züllsdorfer“, „Züllsdorfer Mädels“ oder „Züllsdorfer Jungs“ versieht. Das zeugt von einer engen Bindung zum Dorf, das auch mit einem ausgeprägten Vereinsleben punkten kann. Neben dem Sportverein mit seinen drei Fußballmannschaften, der Volleyball-Freizeitgruppe und der Frauensportgruppe sind das vor allem der Heimatverein, der Anglerverein und der Reit- und Fahrverein. Vorwärts gehe es auch wieder bei der Feuerwehr. Und die Kirchengemeinde sei ohnehin ein aktiver Anker, so der Ortsvorsteher. Nicht zu vergessen die Unternehmen und den großen Agrarbetrieb, die nach ihren Möglichkeiten helfen, wo es nötig ist

Bei so vielen positiven Ansätzen  fragt man sich, wo die Züllsdorfer nun noch hin wollen mit ihrem Leitbild unter dem Titel „Unser Züllsdorf“? Das haben sie in sechs Schwerpunkten zusammengetragen. Danach soll Züllsdorf Heimat für junge Familien sein. Der Kita-Standort soll noch attraktiver werden, zum Beispiel durch Renovierungsmaßnahmen und die Fertigstellung eines „Schulgartens“.

Weiterer Schwerpunkt ist die regionale Wirtschaft. 13 Betriebe sind im Ort ansässig. Dass Züllsdorf gut mit Breitband versorgt ist, ist dafür eine Voraussetzung, die der technischen Entwicklung immer angepasst werden muss, fordert das Leitbild ebenso wie die Verbesserung des Zustands der Annaburger Straße. Die Vereine bilden Punkt 3. Hier heißt es für die Zukunft, die Vielfalt zu erhalten, das Miteinander zu stärken und noch mehr Anreize zu schaffen, sich in Vereinen zu organisieren. Im Sportkomplex als Treffpunkt für Jung und Alt ist viel Eigeninitiative gefragt. Die Warmbierhalle soll weiter saniert und das alte Wohngebäude am Sportplatz abgerissen werden. Die Sporthalle braucht eine modernere Heizungsanlage und eine neue Abhangdecke.

Der Erhalt der Naturräume, die Pflege von Traditionen und der „Zugang für alle“, also eine zunehmende Barrierefreiheit im Ort, sind weitere Schwerpunkte. Und dann steht auch noch die Diskussion darüber im Raum, was mit der alten Schule werden soll.

Züllsdorf hat sich sehr viel vorgenommen. Nun sind Leitbilder, wie sie momentan als Wegweiser für künftige Entwicklungen an allen möglichen Stellen erarbeitet und angewandt werden, eine feine Sache. Trifft die Agenda für Züllsdorf aber auch den Nerv der Bürgerinnen und Bürger? Darüber möchte die RUNDSCHAU demnächst  vor Ort gern mit den Züllsdorfern diskutieren.