ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:03 Uhr

Ein Besuchertag völlig ohne Spannung und jegliches Knistern

Hartmannsdorf.. Einmalig – genau so lässt sich der am vergangenen Freitag durchgeführte Besuchertag im Umspannwerk Hartmannsdorf beschreiben. Einmalig vor allem deshalb, weil es für Interessenten diese Gelegenheit nie wieder geben wird. Spätestens am 1. Sven Gückel

Dezember, wenn die Anlage planmäßig ans Netz gehen soll, steht sie unter Spannung und ist für jedermann tabu.
Das Angebot, sich das Umspannwerk aus unmittelbarer Nähe anzusehen, ließen sich deshalb mehr als 100 Besucher nicht entgehen. Angeregt hatten den Rundgang Schönewaldes Bürgermeisterin Irene Kluge und der Ortsbürgermeister von Hartmannsdorf, Falk Riechert. Ein Anliegen, dass vor allem bei Michael Raschemann auf offene Ohren stieß. Der Geschäftsführer der Energiequelle GmbH, die im Verbund mit dem Windparkbetreiber Enercon GmbH und Vattenfall als Netzbetreiber das Umschaltwerk errichtete, sah letztlich in den angebotenen Führungen auch die Möglichkeit, eventuellen Gerüchten oder anderweitigen Spekulationen vorzugreifen. „Wir haben nichts zu verbergen“ , fügte er verschmitzt lachend an.
Was die Besucher zu sehen bekamen, veranlasste sie zu offensichtlichem Staunen. Besonders der Transformator, Kernstück der Anlage, zollte ihnen Respekt ab. Das bei Siemens gefertigte Produkt kann die gewaltige Größenordnung von 450 Megawatt aufnehmen. Er transformiert die ihm eingespeiste Spannung von 110 auf 380 KV und ist auf eine Lebensdauer von mindestens 50 Jahre ausgelegt. Länger, als manch eines der Windräder oder der angeschlossenen Biogasanlagen je in Betreib sein wird, deren Leistung fortan in Hartmannsdorf gebündelt werden. Gespeist wird die Anlage ausschließlich aus alternativen Energiequellen. Standorte der Windparks sind unter anderem in Altes Lager, Heidehof und Feldheim. Biogasanlagen befinden sich im gesamten Umland verteilt. Die sechs in unmittelbarer Nähe des Umspannwerkes aufgestellten Windkraftanlagen gehören nicht den Betreibern und agieren vollkommen unabhängig. „Das ist purer Zufall, dass die hier stehen“ , verdeutlichte Jürgen Helms, Projektentwickler bei Enercon. Ausschlaggebend für die Wahl des Standortes sei die darüber befindliche Vattenfall-Hochspannungsanlage gewesen, in welche die Spannung abgegeben wird. Gesteuert und überwacht wird das Umspannwerk von Feldheim aus. Die Zahl der dortigen Arbeitsplätze wird deshalb von drei auf 15 angehoben. Gewaltige, 1200 Quadratmillimeter starke Kabelstränge werden gegenwärtig dorthin verlegt, um jede technische Schaltung aus der Ferne kontrollieren zu können. Lediglich zu Wartungsarbeiten kommen Mechaniker später nach Hartmannsdorf.
Alternative Energien, so Raschemann, sind angesichts steigender Preise fossiler Brennstoffe definitiv auf dem Vormarsch. Zudem sichern sie langfristig Arbeitsplätze. Pro Windrad ein Arbeitsplatz, rechnete Helms vor. Die Bedeutung der Anlage Hartmannsdorf lässt sich darüber hinaus an weiteren Zahlen ablesen. Etwa 200 000 Haushalte kann sie jährlich mit Strom versorgen. Große Bedeutung misst Michael Raschemann aber nicht nur den Windrädern, sondern auch den Biogasanlagen bei. Besonders für Agrarbetriebe und Wiedereinrichter ist dies nach seinen Worten ein lohnenswertes Geschäft. Erkannt haben diesen Gedanken auch Bauern aus Oehna. Deren Anlage wird demnächst an das Netz angeschlossen.
Feierlich übergeben wird das Umspannwerk Hartmannsdorf noch einmal im Frühjahr. Dann allerdings mit geladenen Gästen und vor dem Tor. Der Schritt ins Innere war nur den Einwohnern der Region vorbehalten.