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Finsterwalde
Edle Fassade mit Lämmchen

„Zum weissen Lamm“ kann man in Finsterwalde lesen. Was verbirgt sich dahinter?
„Zum weissen Lamm“ kann man in Finsterwalde lesen. Was verbirgt sich dahinter? FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Auflösung von gestern: Zu DDR-Zeiten war die Adler-Apotheke in Herzberg bis nach Jessen zuständig.

Um 1900 entsteht eine heute noch vorhandene Fassade mit Relief eines Lammes und der Inschrift „Zum weissen Lamm“ in der Langen Straße von Finsterwalde. Der Finsterwalder sagte seinerzeit: „Ich geh ein Bier trinken im Schafstall.“ Die RUNDSCHAU fragt ihre Leser: Was wissen Sie über das Haus und dessen Nutzung? Welche Erinnerungen verknüpfen Sie damit? Rufen Sie am Freitag, 8. Dezember, zwischen 14 und 15 Uhr die 03531 717421 an oder schreiben Sie bis 15 Uhr eine E-Mail an finsterwalde@lr-online.de.

Die Adler-Apotheke in der Torgauer Straße 76 in Herzberg hat eine lange Geschichte. Chronisten wie Kurt Hartwich und Helmut Knuppe berichten in Veröffentlichungen, dass der Vorgängerbau des heutigen Gebäudes bei dem Stadtbrand 1723 zerstört wurde. Der Wiederaufbau fand vermutlich um 1728 statt. Wie Helmut Knuppe 1991 im Kommunalblatt der Stadt schrieb, hat der Apotheker Paul Arnold aus Görlitz an der damaligen Torgauer Gasse im Haus des Bürgers Ritzow 1609 eine Apotheke eingerichtet.

1775 war der Stadtrichter und Apotheker Christian Jordan Eigentümer des Gebäudes der heutigen Apotheke, die sich seit 1757 auf dem Grundstück befindet. Die Apotheke hat viele Besitzer gehabt. 1910 hat Otto Gundermann die Apothekenleitung übernommen. Nach dem 2. Weltkrieg wechselten die Apotheker mehrmals, bis 1949 Pharmazierat Erdmenger die Leitung übernahm. 1959 wurde die Apotheke an die Stadt verkauft. Seit 1977 lag die Leitung dann in den Händen von Hans-Heinrich Krug. Er berichtet, dass die Apotheke damals Kreisapotheke war, die elf Apotheken im Raum Herzberg und Jessen versorgte. Sie hatte 15 Mitarbeiter in den Abteilungen Aus- und Weiterbildung, Ökonomie und Arzneimittelversorgung. In Falkenberg gab es neben der Linden-Apotheke auch ein pharmazeutisches Zentrum. „In der DDR herrschte Mangel, so haben wir Zäpfchen oder Salben selbst hergestellt und auch die Qualitätskontrolle übernommen“, sagt Hans-Heinrich Krug. Die Apotheke hat auch regelmäßig mehrere Lehrlinge zu Apothekenfacharbeitern ausgebildet.

Nach der Wende hat Hans-Heinrich Krug das Gebäude von der Treuhand gekauft und die Apotheke privat weitergeführt. 1992 wurde sie umgebaut. Dafür musste sie für etwa drei Monate ausgelagert werden. Apotheker Krug erzählt, dass die Apotheke unter schwierigen Bedingungen im Ratskeller untergebracht war. Der Humor ging aber nicht verloren. „Ein Rezept, ein Kurzer und ein Pils“ hatte so mancher Kunde gescherzt. Hans-Heinrich Krug arbeitet heute nur noch im Bereitschaftsdienst. Die Apotheke führt jetzt sein Sohn, der Apotheker Wieland Krug.

Seit 1757 befindet sich die Apotheke an dieser Stelle. Eine Apotheke gab es in Herzberg schon seit 1609.
Seit 1757 befindet sich die Apotheke an dieser Stelle. Eine Apotheke gab es in Herzberg schon seit 1609. FOTO: Rudow / LR