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E-Mobilität
E-Tankstellen sind noch Mangelware

Ein Elektroauto an der Tankstelle. Wird das Bild bald Normalität in unseren Städten? Noch sind wir ziemlich weit davon entfernt. 
Ein Elektroauto an der Tankstelle. Wird das Bild bald Normalität in unseren Städten? Noch sind wir ziemlich weit davon entfernt.  FOTO: Hendrik Schmidt / dpa
Herzberg. Leader-Förderung könnte das ändern, aber Kommunen rechnen mit jedem Cent und gehen zaghaft mit dem Thema um. Sylvia Kunze

Noch sind sie recht selten auf unseren Straßen zu sehen: die E-Autos. Aber es gibt sie auch hierzulande schon. Und deshalb ist das Schaffen von E-Tankstellen immer wieder Thema vor Ort. Erst kürzlich haben sich die Mitglieder des Schliebener Amtsausschusses damit befasst, denn in Aussicht stehende Fördermittel über das Leader-Programm fordern eine Positionierung ab. Damit macht sich die Frage auf: Werden in den Städten und Gemeinden derartige Ladestationen gebraucht?

Der Vorsitzende der Lokalen Aktionsgemeinschaft Elbe-Elster, die die Elektromobilität auf ihre Agenda setzt, verweist auf eine Prognose einer Studie. Deren Ergebnis ist, dass nicht Hunderte E-Bike-Ladestationen gebraucht würden. Es gebe überall Möglichkeiten, die Akkus aufzuladen. Viel wichtiger sei es, eine Kampagne ins Laufen zu bringen, dass die E-Bike-Fahrer in Elbe-Elster frei laden könnten. Für diese Kampagne wolle man den Tourismusverband mit ins Boot holen.

Und wie sieht es mit den E-Autos aus? Die Studie prognostiziert ein Anwachsen der Zahl der Fahrzeuge mit Elektroantrieb.  Die Kommunen müssten aber für sich entscheiden, ob sie eine Ladestation errichten, so Richter. Und wenn ja, dann biete das Leader-Projekt eine nicht unbeträchtliche Förderung beim Errichten solcher Zapfsäulen. Bis Jahresende müssten die Anträge auf dem Tisch liegen.

In Schlieben hat man deshalb Nägel mit Köpfen gemacht. Einig waren sich die Amtsausschussmitglieder dahingehend, dass im Lebusaer Ortsteil Körba (am See) eine Ladestation für E-Bikes und in der Stadt Schlieben auf dem Markt eine für E-Autos errichtet werden soll. Veranschlagte Gesamtkosten: rund 15 000 Euro, Fördermittel 75 Prozent, Eigenanteil 25 Prozent. Für 2018 sollen die Finanzen im Haushaltsplan eingestellt werden.

Man müsse etwas machen, sonst fahre der Zug ohne die Schliebener ab, war der Tenor der Diskussion. Selbst wenn die Zahl der Fahrzeuge, besonders der Autos, vermutlich erst einmal noch überschaubar bleibe. Am Körbaer Teich sehe man eine solche Ladesäule bestens platziert, da sei Bewegung auf dem Fernradweg, da kämen viele Ausflügler vorbei. Und der Teich lade zum Ausruhen und Verweilen ein, währenddessen sich auch der Akku des E-Bikes wieder füllen könne. Auf dem Schliebener Markt, der schon seit seiner Sanierung einige Elektroanschlüsse vorhalte, erhoffe man sich hingegen ein Stück Innenstadtbelebung. „Da müssen wir als Kommune auch mal Vorreiter sein und zeigen, dass wir was machen“, argumentierte Amtsdirektor Andreas Polz. Aber er sagte auch deutlich: „Auf Dauer soll das aber nicht Aufgabe des Amtes sein“, so eine Ladesäule zu betreiben.

In Herzberg hat man sich mit dem Thema schon vor ein paar Monaten befasst - und kam zu keinem abschließenden Ergebnis. In Uebigau-Wahrenbrück sammelt man hingegen bereits erste Erfahrungen. Die E-Tankstelle in Domsdorf wird gut angenommen. „Die Nutzung ist gut - jeden Tag wird an der Ladesäule getankt. Die meisten Nutzer sind aus der Region. Weil der Standort der Säule jedoch in den wichtigen Internetseiten und E-Mobilitätsapps eingepflegt ist, wird sie auch durch überregionale Nutzer angesteuert“, berichtet Klimamanager Daniel Willeke. Er rechnet vor: „Seit der Inbetriebnahme im September 2016 bis März 2017 wurden 434 Ladevorgänge mit 732 kWh Stromabnahme durchgeführt.“ Die Zeit des Tankens werde, so beobachten es die Leute vor Ort in der Brikettfabrik „Louise“, nicht selten für einen erholsamen Zwischenstopp genutzt. Wer den nicht sportlich beim Joggen angehe, gönne sich zumindest einen Spaziergang an frischer Luft. Weitere Pläne würden reifen, verrät Willeke. Ein nächster E-Tankstopp sei auf dem Markt in Uebigau geplant.

Kein Geld, keine aktuellen Pläne - so sieht es derzeit im Schönewalder Stadtbereich aus. Wenn, dann wolle man den Markt in Schönewalde favorisieren, so Thomas Kräuter, Bauamtsleiter in Schönewalde.

Auch in Falkenberg stehen zumindest Autos momentan nicht im Fokus, aber die E-Bike-Fahrer schon. „Am Bahnhof und am Kiebitz-See wollen wir über die Leader-Förderung Lademöglichkeiten, versehen mit Schließfächern für die Akkus, schaffen“, berichtet die Falkenberger Bauamtsleiterin Gundula Manigk. Beide Standorte würden ausreichend frequentiert und es sei naheliegend, dass man von dort nicht sofort wieder wegwolle, sondern das Fahrrad ohnehin eine Zeit ungenutzt stehenbleiben würde. Die könne dann gleich mit dem Laden des Antriebs des Zweirades verbunden werden, so die Idee, die dahinterstehe.

Noch viele Fragen bleiben bei den Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden aber offen. Wie soll das zum Beispiel mit dem Bezahlen laufen, fragt sich der Schliebener Amtsdirektor Andreas Polz. Es könne nicht Aufgabe einer Kommune sein, sich darum zu kümmern. Man müsse deshalb zum Beispiel parallel auch über Betreibermodelle nachdenken, sagt er.