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Düsteres Jahr für den Storchen-Nachwuchs

Nicht überall waren die Storchenberinger (hier Ulf Lehmann) so glücklich beim Blick in die Nester wie in Herzberg. Hier gab es vier Junge.
Nicht überall waren die Storchenberinger (hier Ulf Lehmann) so glücklich beim Blick in die Nester wie in Herzberg. Hier gab es vier Junge. FOTO: Stephanie Kammer
Elbe-Elster. Wenn Berliner sich für Elbe-Elster interessieren und fragen, an welcher Autobahnabfahrt Herzberg, Uebigau oder Schlieben liegen, dann muss der Elsterländer für gewöhnlich passen. Die Schlagfertigen entgegnen jedoch postwendend: "Mit der Autobahn können wir nicht dienen, aber in jedem zweiten Dorf brütet ein Weißstorch-Paar". Stephanie Kammer

An diesem Wochenende bekam der Storchennachwuchs in der Region den Ring fürs Leben verpasst. Durch die Ringe, die oberhalb des Kniegelenkes angebracht werden, ist es möglich, die Vögel in ihren Brutgebieten und auf ihren Zugrouten zu identifizieren und zu beobachten.

Bereits seit mehr als 20 Jahren startet die Gruppe von Ornithologen aus Wittenberg und Jessen Ende Juni zur Beringungstour entlang Elbe und Schwarzen Elster. Benötigt werden ein Fahrzeug mit Steigleiter oder Hebebühne, mindestens ein eingewiesener Beringer und reichlich Fußringe der Vogelwarte Hiddensee. Peter Raschig begleitet als Jessener Storchenexperte dieses Jahr im Hintergrund die Fahrt, organisiert und holte Informationen ein. "Über Ländergrenzen hinweg ist es eher ein düsteres Jahr für die Jungstörche. Die wechselhafte Witterung verbunden mit ausgeprägter Trockenheit bietet keine guten Voraussetzungen für die Brutaufzucht. Nur 56 Störche konnten vergangenen Samstag beringt werden. In manchen Jahren waren es doppelt so viele", bedauert Raschig die geringen Schlüpferfolge seiner Schützlinge.

Reinhard Langer aus Friedersdorf führt seit 2008 Buch über Horst und Brutpaare des Feuerwehrmastes im Dorf. "Vier Jungstörche in diesem Jahr", vermeldete er freudig. Beim Blick ins Nest entdeckten die Vogelfreunde jedoch ein verendetes Jungtier unter den vier Störchen. "Das ist symptomatisch für den Nachwuchs 2017", sagt Guido Schmidt vom NABU Wittenberg, der das tote Jungtier sofort entfernt. Durch die erschwerte Fütterung breiten sich Infektionskrankheiten schnell aus. Auffällig ist zudem, wie unterschiedlich die einzelnen Jungstörche entwickelt sind. Lagen im Züllsdorfer Nest noch zwei flauschige kleine Vögelchen starr vor Schock im Nest, so türmte ein kräftiger Jungstorch beim Anblick der Vogelfreunde schnurstracks flügelschlagend aufs nächstgelegene Häuserdach in Löhsten.

"Jedes Jahr verläuft anders", fasst Ulf Lehmann, der die Beringer seit 20 Jahren mit einem Drehleiterfahrzeug begleitet, zusammen. "Dieses Jahr fuhren wir 26 Nester mit 56 Jungstörchen auf einer Strecke von 210 Kilometern an. Alles an einem Tag. Nicht immer waren wir glücklich beim Blick in die Nester. Aber wir wissen, die meisten, die durchkommen, kommen wieder. Das sind Rückkehrer. Und sie brüten erneut."