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| 19:30 Uhr

RE3 und RE4 betroffen
Düstere Aussichten für Berlin-Pendler

Wer von Herzberg aus nach Berlin zum Job pendelt, hat es schon heute nicht leicht.
Wer von Herzberg aus nach Berlin zum Job pendelt, hat es schon heute nicht leicht. FOTO: dpa / A3397 Gero Breloer
Herzberg. Die Bahn baut und sperrt im Jahr 2020 Teil der Strecke. Der Finsterwalder CDU-Landtagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Rainer Genilke, fordert jetzt bereits eine Suche nach Lösungen. Von Birgit Rudow

Auch ohne Bahnstreik sind die Bedingungen für Berufspendler aus Herzberg in und aus Richtung Berlin nicht gerade günstig.

Dabei geht es nicht nur um die Falkenberger und Herzberger oder um die Pendler aus der Region Torgau, die von Herzberg aus nach Berlin wollen, sondern auch um die Beschäftigten am Bundeswehrstandort Holzdorf. Der Zug fährt nur alle zwei Stunden. Das ist ein Grund dafür, dass viele mit dem Auto bis nach Jüterbog fahren und dort in Zug nach Berlin steigen. Immer wieder fordert deshalb unter anderem der Städtebund Elbe-Elsteraue einen einstündigen Takt, zumindest zu den Hauptverkehrszeiten.

Der ist aber nicht in Sicht. Auf einen Stundentakt haben Verantwortliche aus den einschlägigen Ministerien auch bei einer länderübergreifenden Konferenz zur Infrastruktur kürzlich in Holzdorf keine Hoffnung gemacht. Und nun könnte es sogar noch schlimmer kommen für die Berufspendler. Die DB Netz Agentur soll beim Land angekündigt haben, vom 5. Oktober 2020 bis 12. Dezember 2020 wegen Bauarbeiten die Strecke zwischen Niedergörsdorf und Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming) komplett zu sperren. Betroffen wären davon der RE 3 von Falkenberg nach Berlin und der RE 4 von Rathenow nach Jüterbog. Konkret heißt das: Von Falkenberg, Herzberg und Holzdorf kommt man nicht mit dem Zug nach Jüterbog und weiter nach Berlin.

Diese angekündigte Vollsperrung ist zwar noch eine ganze Weile hin. Sie bringt den Finsterwalder CDU-Landtagsabgeordneten und verkehrspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag Rainer Genilke aber schon jetzt auf die Palme. Er habe nur durch Zufall davon erfahren, sagte er zur RUNDSCHAU und sofort eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Was Genilke besonders ärgert ist, dass sich noch niemand Gedanken darüber macht, wie das Problem Vollsperrung für die vielen Pendler und Bahnreisenden gelöst werden kann. „Damit kann man nicht erst im Mai 2020 anfangen. Das muss jetzt geklärt werden“, sagt er.

Aus der Antwort der Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung auf die Kleine Anfrage von Genilke geht hervor, dass die Bahn mit der Baumaßnahme zwischen Niedergörsdorf und Ludwigsfelde einen qualitätsgerechten Zustand der Strecke herstellen will, der auch den Anforderungen des Hochgeschwindigkeitsverkehrs entspricht. Dafür müssten Gleise und Weichen erneuert werden. Dagegen hat der Abgeordnete Genilke auch gar nichts. Er fragt aber an, ob nicht wenigstens im Berufsverkehr eine eingeschränkte Nutzung der Strecke möglich ist. Das Ministerium verneint. Aus sicherungstechnischen Gründen sei eine Sperrung des parallelen Gleises notwendig.

Mehr noch interessierte Rainer Genilke aber, wie die Ersatzverkehre während der Bauarbeiten organisiert werden sollen. Dazu das Land: Im Rahmen der weiteren Planungen für den Fahrplan 2020 werde die konkreten Auswirkungen auf den Zugverkehr im Detail mit den Verkehrsunternehmen abgestimmt und Ersatzkonzepte entwickelt. Die konkrete Informationen zu den Ersatzverkehren erfolgt nach Vorliegen des Konzeptes  voraussichtlich im ersten Halbjahr 2020.

Das, so Genilke, ist viel zu spät. „Wenn man jetzt schon weiß, von wann bis wann die Strecke voll gesperrt ist, dann kann man nicht erst im Frühsommer 2020 aus dem Mustopf kommen“, sagt er. Für die Bahnfahrer Richtung Berlin und umgekehrt würde sich die Reisezeit extrem verlängern. Die Möglichkeit, über Doberlug-Kirchhain nach Berlin zu kommen, müsste geprüft werden. Aber auch in Doberlug-Kirchhain soll der Bahnhof umgebaut werden, so Genilke. Außerdem müsste in Doberlug der Anschluss passen und entsprechend ein Buskonzept entwickelt werden. Das alles müsse rechtzeitig und gründlich geprüft sowie vorbereitet sein. Bliebe auch noch die Frage, was die Pendler machen, die aus dem Sächsischen kommen, sagt Rainer Genilke.

„Zu diesen Fragen müssen sich alle Partner Gedanken machen, wenn wir nicht wollen, dass die Berlin-Pendler ein Vierteljahr lang ins Auto steigen. Am besten wäre es, die Vollsperrung doch noch zu vermeiden“, so der Abgeordnete.