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| 01:05 Uhr

Dürre, so schlimm wie vor 67 Jahren

Herzberg.. Ein übler Geruch steigt in diesen Tagen jedem entgegen, der sich im Umkreis der Grochwitzer Teiche aufhält. Der Grund ist so schockierend wie einleuchtend: Es ist zu heiß, und die Teiche trocknen teilweise komplett aus. Von Gabi Zahn <br> und Marlene Woloszyn

Der etwas kleinere und fast ganz und gar verschilfte Teich, der hinter dem Haus der alten Grochwitzer Schule liegt, ist komplett trocken, Risse bilden sich im Boden. Der unangenehme Geruch, der von dem Weiher ausgeht, steigt jedem in die Nase. Der kleine Teich ist schon länger trocken. Er ist eigentlich der Wasserauffänger für den gleich daneben liegenden großen Teich. „Wenn dieser voll ist, fließt das Wasser ab in den kleinen, der jetzt aber noch schlimmer stinkt als jeder der anderen Teiche“ , erklärt Elfriede Schmiel, die 1928 in dem Haus an den Grochwitzer Teichen geboren wurde, in dem sie jetzt immer noch lebt.
Was jetzt passiert, sei erschreckend. Karpfen und Hechte verenden. Sie zeigt traurig auf zwei große Fische, die auf dem Trockenen in der prallen Sonne liegen. Da die Lapine, die den Zufluss für die Grochwitzer Weiher bietet, schon seit längerem staubtrocken ist, kämpfen auch die kleineren Fische ums Überleben. Sie tummeln sich alle auf einer Stelle in dem übrig gebliebenen Wasserloch, das aber auch nur noch sehr flach ist. Elfriede Schmiel zeigt auf einen Stab mitten in dem großen Tümpel. „Im Frühjahr stand der bis auf zehn Zentimeter ganz unter Wasser. Jetzt schauen 70 oder 80 Zentimeter aus dem Wasser heraus.“
Die Seniorin weiß vieles über die Teiche: „Früher gehörten sie dem Fischergut, das die Weiher regelmäßig abfischte. Danach sorgte sich ein Anglerverein darum, und nun macht niemand mehr etwas und die Teiche verschilfen.“ Sie selbst mäht ab und zu das Schilf mit einer Sense ab. Jeden Tag sitzt sie einige Zeit am Ufer, um das Wasser zu beobachten. Seit einigen Tagen nicht mehr: „Den Geruch kann man einfach nicht aushalten.“
An eine solch trockene Zeit kann sie sich in ihrem langen Leben nur einmal erinnern. „Ich glaube es war 1936, da waren die Teiche auch schon einmal ausgetrocknet“ , erzählt sie von früher, als die Kinder noch in deren Wasser badeten.
Volker Enigk vom Ordnungsamt der Stadtverwaltung würde gern helfen. „Wir wissen jedoch alle nicht wie. Wo soll denn das Wasser herkommen, wenn nirgendwo mehr welches ist?“ , stellt er die Frage, auf die es momentan keine Antwort zu geben scheint. Er blickt zum Himmel: „Für heute sind wieder mal Regen und Gewitter angesagt. Doch ob wir davon etwas abkriegen, ist ungewiss. Wenn, dann kommt es meist als Unwetter, was noch mehr schadet“ , prognostiziert er gestern Nachmittag.
Die Grochwitzer Teiche seien einst künstlich angelegt worden. „Wir wissen zwar, dass die Lette-Schicht, also der lehmhaltige Untergrund, teilweise unterbrochen ist und das Wasser dadurch noch mehr absinken kann“ , sagt Enigk. Doch dies sei nur ein Punkt und keineswegs der ausschlaggebende für das gegenwärtige Dilemma.
Mitarbeiter, die gegenwärtig vom Gewässerunterhaltungsverband aus unterwegs sind, würden ein Jahr nach der Hochwasserkatastrophe durch vertrocknete Gräben laufen und dort den Unrat heraus sammeln. „Es ist überall dasselbe Drama. Die Fische sterben, die Felder vertrocknen und wir können nichts dagegen tun“ , zeigt er auf.
Zu DDR-Zeiten habe man in wasserknappen Zeiten noch Zufluss aus dem Kiebitz-See in Falkenberg bekommen. Doch das sei nun auch nicht mehr möglich. Auch im Grochwitzer Tiergehege trocknen die Gewässer immer mehr aus. Fischen und Wassergeflügel fehlt zunehmend das Lebenselixier.
Gestern Abend begann es in Herzberg zu regnen. Ob es reichte, wenigstens einen Bruchteil des Wasserdefizits zu kompensieren, war noch nicht absehbar.

Hitze-Rekord 36 Grad in Herzberg
 Um 16 Uhr hat die Temperaturskala in Herzberg die Rekordmarke von 36 Grad Celsius erreicht. Das teilte der Hobby-Meteorologe Klaus Schmidt gestern Abend mit. Außerhalb errechnete er, das bisher in Herzberg im Juli nur 15 Liter Regen pro Quadratmeter fielen. Das sind gerade mal 25 Prozent des langjährigen Mittelwertes für den Monat Juli. Allerdings gibt es im Altkreis auch noch Orte, in denen noch weniger oder fast gar kein Niederschlag fiel.