(ru) Jeden Morgen fährt Reiner Schülzke in Jagsal raus zu seinen Damwildgattern, um nach dem Rechten zu sehen und für Futter und Wasser zu sorgen. Am Donnerstag hatte er gleich ein ungutes Gefühl. „Die Kolkraben haben mir signalisiert, dass da irgendwas nicht stimmt“, sagt er. Aus der Vermutung wurde schnell Gewissheit. Von drei der acht Tiere – alles tragende Muttertiere – war nicht mehr viel da. Und auch wenn ein Wolfsbeauftragter erst am Abend oder am Freitag nach Jagsal kommen konnte, ist Reiner Schülzke sich sicher, dass hier der Wolf zugeschlagen hat. „Es ist genau zu sehen, wo er sich die einzelnen Tiere geschnappt und wo er die Eingeweide verschlungen hat. Alle drei weisen den für den Wolf typischen Kehlbiss auf“, sagt er.

Im März 2012 hatten selbst ernannte „Tierschützer“ Zäune an den Gattern von Reiner Schülzke zerschnitten. 120 Tiere waren damals entlaufen. Schülzke musste den sicheren, schon eingewachsenen Zaun an einigen Stellen erneuern. „Vielleicht gab es da mit der Zeit eine Schwachstelle, die der Wolf gesucht und gefunden hat“, sagt er.

Der Jagsaler, der einen Handel mit Wildspezialitäten aus dem Schliebener Land betreibt, macht sich große Sorgen. Erst kürzlich hätten Wölfe Damwild bei einem Bekannten in der Nähe von Torgau gerissen, erzählt er. Und vor knapp zwei Wochen hätte ihm eine Familie, die mit ihren Kindern an Schülzkes Rothirschgatter in Jagsal war, berichtet, dass dort ein Wolf am helllichten Tag in der Nähe spazieren gegangen ist. Als schon von Berufs wegen passionierter Jäger sei er nicht generell gegen die Ansiedlung des Wolfes in der Region. „Aber der Bestand muss auf ein vernünftiges Maß reduziert werden. Man muss mit dem Wolf so umgehen, dass er Respekt vor dem Menschen hat“, so Schülzke. Wie er selbst würden auch andere Tierhalter tausende Euro für Zäune und Gatter ausgeben und seien dem Wolf dennoch tatenlos ausgesetzt. Das empfinde er als ungerecht, sagt Schülzke.

Er schaut weiter jeden Morgen nach seinen Tieren. „Aber man bekommt schon einen Schock, wenn man sie nicht gleich sieht“, beschreibt er seine Unsicherheit.