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Diskussion um Schulzukunft entbrennt erneut

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Uebigau-Wahrenbrück. In Uebigau wird zum neuen Schuljahr keine 1. Klasse eingeschult. Und auch eine 6. Klasse wird es an der Grundschule nicht geben. In Sachen Zukunft der jetzt noch bestehenden zwei Grundschulen im Stadtgebiet Uebigau-Wahrenbrück muss deshalb jetzt schnellstens Klartext gesprochen werden. Sylvia Kunze

Die Realität hat die Stadtverantwortlichen schneller eingeholt, als bisher immer gedacht. Für das anstehende neue Schuljahr glaubte man sich noch auf der sicheren Seite. Aber die Eltern der zukünftigen Abc-Schützen haben einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Außerdem tut sich in Uebigau in der Klassenstufe 6 ein weiteres Problem auf.

Die aktuellen Fakten:

19 Erstklässler waren für das Schuljahr 2015/16 für die Grundschule in Uebigau prognostiziert, 23 für die in Wahrenbrück. Während in Wahrenbrück voraussichtlich auch so viele Kinder eingeschult werden können, hat sich die Zahl in Uebigau auf 12 minimiert — weil Eltern von ihrem Wunsch- und Wahlrecht Gebrauch gemacht haben und ihre Kinder lieber in der Falkenberger Grundschule im Flex-Modell oder auch in der evangelischen Grundschule Tröbitz untergebracht wissen wollen bzw. weil es gesundheitlich bedingte Rückstellungen gibt. Die Mindestfrequenz von 15 sei damit deutlich unterschritten. Eine 1. Klasse werde nicht eingerichtet, kündigt Schulrat Uwe Mader an. Rechtlich heiße das, dass die 12 Abc-Schützen, die von ihren Eltern an der Uebigauer Grundschule angemeldet wurden, der nächstgelegenen Grundschule des Schulbezirks, also Wahrenbrück, zugewiesen werden, erläutert Bürgermeister Andreas Claus (parteilos).

Das zweite Problem: Die jetzige 5. und 6. Klasse wird in Uebigau schon seit mehreren Schuljahren jahrgangsübergreifend unterrichtet. Wenn die Mädchen und Jungen der jetzigen 6. zur Sekundarstufe wechseln, würden mit Beginn des neuen Schuljahres nur noch neun Schüler in der künftigen 6. verbleiben. "Wir wollten die Klasse so auslaufen lassen, aber das bekommen wir beim Ministerium nicht durch", erläutert Mader. "Sie muss deshalb zum neuen Schuljahr nach Wahrenbrück wechseln."

Die Perspektiven:

Mit Blick auf die Geburtenstatistik wird die Situation nicht besser. Der Schulrat schaut nur ein Jahr weiter und warnt vor akuten Problemen an beiden Standorten, wo aktuell 15 bzw. 16 Erstklässler prognostiziert werden (mögliche Wechselwünsche und Rückstellungen noch nicht eingerechnet).

Die Bürgermeisteransage:

"Die Entscheidung wird uns keiner abnehmen. Wenn uns daran gelegen ist, künftig wenigstens eine Grundschule in der Stadt zu halten, müssen wir alle Polemik rauslassen und um einen Standort kämpfen", fordert Claus zur Diskussion auf, denn "wir können bis 2020 vielleicht noch zweizügig laufen", danach werde laut aktuellen Prognosen der Bevölkerungsentwicklung selbst eine Schule im Stadtgebiet nur noch einzügig bestehen können.

Die Schulrat-Stellungnahme:

Kurzfristig betrachtet: Über den Standort, an dem die verbleibenden Klassen 2 bis 5 der Uebigauer Grundschule unterrichtet werden, habe der Schulträger, also die Stadt, zu entscheiden. "Konzentrieren Sie den Unterricht. Insbesondere der Fachunterricht lässt sich an einer zweizügigen Schule besser organisieren", sagt Uwe Mader.

Langfristig gesehen: Mit Blick auf die zukünftig zu erwartenden, weiter sinkenden Schülerzahlen erteilt er allen Überlegungen wie dem Einrichten einer Kleinen Grundschule, dem jahrgangsübergreifendem Unterricht oder auch einer Grundschule mit Filiale eine Absage. "Treffen Sie eine Entscheidung, um wenigstens einen Standort zu retten", rät er den Uebigau-Wahrenbrückern.

Die Hausaufgaben: In der nächsten Sitzungsrunde der Stadtverordneten im Juni soll das Thema Schulzukunft auf die Tagesordnung gesetzt werden, kündigt der Bürgermeister an. Er hofft, dass in der Stadtverordnetenversammlung am 24. Juni eine Entscheidung fällt, die frühestens zum Schuljahr 2016/17 greift. "Eher bekommen wir das logistisch gar nicht hin", so Claus. Außerdem brauche man Zeit für eventuell nötige Investitionen.

Die ersten Reaktionen:

"Ich finde es unmöglich, eine 6. Klasse noch mal umzuschulen", bezieht Silvio Burkert, Elternsprecher der Uebigauer Grundschule, Stellung zur aktuellen Situation. "Wenn man Bad Liebenwerda und Falkenberg nicht das Feld überlassen will, dann sollte man sich zusammenraufen", appelliert der Wahrenbrücker Schulleiter Reno Wolschke mit Blick auf die Zukunft. "Je länger die Entscheidung hinausgeschoben wird, desto mehr Zeit haben die Eltern, sich umzuorientieren", warnt auch die Uebigauer Schulleiterin Bärbel Voigt.

Der Uebigauer Ortsvorsteher Ulrich Jachmann (FDP) indessen erneuert schon mal die Forderung: "Eine Stadt mit 1600 Einwohnern braucht eine Schule!" Der Abgeordnete Manfred Stahr (WG LUN) setzt dagegen: "Wir wollen doch was Optimales für die Kinder schaffen. Da hilft kein Tauziehen. Und wir müssen uns entscheiden. "

Zum Thema:
Bereits 2011 hat Bürgermeister Andreas Claus darauf aufmerksam gemacht, dass es aufgrund der Geburtenentwicklung und Kinderzahlen im Stadtgebiet problematisch wird, beide Schulstandorte auf Dauer zu sichern. Ein Jahr später war eine umfangreiche Diskussion in Gang gekommen. Eine Entscheidung für einen Standort ist dabei aber nicht gefallen. Eine damals eigens gebildete Arbeitsgruppe "Schulzukunft" votierte für Wahrenbrück, im städtischen Bildungsausschuss fand dieser Vorschlag keine Mehrheit. Dort sprach man sich für Uebigau aus. Die Debatte endete ohne klare Positionierung, nur mit dem Bekenntnis, "beide Grundschule längerfristig" erhalten zu wollen.