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| 14:43 Uhr

Verabschiedet
Die Dienstälteste geht in Rente

So fühlt sich Christine Hinzmann am wohlsten: inmitten von Kindern. „Das Gewusel wird mir fehlen“, sagt die Erzieherin, die in den Ruhestand geht. Ab 1. Oktober will sie sich vor allem viel Zeit zum Reisen und Lesen nehmen.
So fühlt sich Christine Hinzmann am wohlsten: inmitten von Kindern. „Das Gewusel wird mir fehlen“, sagt die Erzieherin, die in den Ruhestand geht. Ab 1. Oktober will sie sich vor allem viel Zeit zum Reisen und Lesen nehmen. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Großrössen. Christine Hinzmann hat allein 34 Jahre ihres Berufslebens in der Kita in Großrössen gearbeitet. Von Sylvia Kunze

Für Christine Hinz­mann brechen heute die letzten Stunden im Job als Erzieherin an. Von den meisten der Mädchen und Jungen, die aktuell die Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“ im Falkenberger Ortsteil Großrössen besuchen, hat sie sich schon verabschiedet. Gestern war ein kleines Beisammensein mit Kollegen angesagt. Sozusagen als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Ab 1. Oktober geht das Kita-Leben dann ohne sie weiter.

Angst, in ein Loch zu fallen, hat die angehende Rentnerin nicht. Sie macht sofort das, worauf sie sich schon so lange freut: Reisen „ohne Rücksicht darauf nehmen zu müssen, ob ich zu dem Zeitpunkt gerade Urlaub bekomme oder nicht“, kündigt Christine Hinzmann mit Augenzwinkern an. Und setzt das Vorhaben auch glatt in die Tat um. Zuerst geht es fünf Tage in den Harz, fast unmittelbar daran anschließend noch zehn Tag nach Dänemark. „Ich will mir die Welt angucken, bis das Geld alle ist. Jetzt kann ich überall hin“, freut sie sich insbesondere auf das Reisen ohne das terminliche Korsett, das ein Arbeitsverhältnis mit sich bringt.

Aber wird sie wirklich so ganz ohne „ihre“ Kita und „ihre“ Kinder auskommen? Die aus dem Dienst ausscheidende gelernte Kindergärtnerin bleibt sich gegenüber ehrlich: „Ich werde das Gewusel, das Frau Hinzmann hier und Frau Hinzmann dort sicher vermissen“, weiß sie schon heute, denn Christine Hinz­mann gehört zu jenen Menschen, die mit Herzblut bei der Sache sind. „Ich freue mich auf die Zeit, die vor mir liegt. Aber ich war auch gern hier und Erzieherin. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich konnte es immer nicht erwarten, dass das Wochenende herum ist, es Montag wird und ich wieder zur Arbeit fahren kann.“ Auch die vielen Gespräche mit den Eltern seien ihr sehr wichtig gewesen, erklärt sie und setzt in der Hoffnung auf so manchen weiteren Plausch nach: „Ich hoffe, dass mich die Eltern noch kennen, wenn ich durch die Stadt gehe.“

45 Jahre und zwei Monate hat Christine Hinzmann Kinder auf ihrem Weg begleitet. Allein 34 Jahre im Falkenberger Stadtgebiet – und ist damit, so hat es die für Kitas zuständige Amtsleiterin Andrea Wagenmann herausgefunden, die derzeit dienstälteste Erzieherin in Falkenberg. Als Berufsstarterin hatte es sie damals erst einmal nach Annahütte gezogen. „Wir wurden in der Ausbildung gefragt, ob wir nicht auch an die Ostsee oder in den Senftenberger Raum gehen würden. Ostsee war mir zu weit weg, um mal am Wochenende schnell nach Bahnsdorf nach Hause zu fahren. Also hab ich mich auf Senftenberg eingelassen und wurde nach Annahütte geschickt“, berichtet sie. Eine Erinnerung an diese Zeit hat sich bei ihr eingebrannt: „Von dem vielen Kohlenstaub, der allgegenwärtig war, war ich immer dreckig.“ Einige Jahre hat sie auch in Hoyerswerda gearbeitet, „in einem nagelneuen Kindergarten mit 24 Kindern in einer Gruppe“. Dann ging es zurück in die Heimat.

Wie viele Kinder Christine Hinz­mann in ihrem 45 Jahre und zwei Monate dauernden Berufsleben betreut hat, hat sie nie zusammengezählt. „Es ist aber auf jeden Fall toll zu sehen beziehungsweise zu wissen, was aus manchen geworden ist. Dann bin ich etwas stolz und sage mir: Dazu hast auch du ein wenig beigetragen.“

Es wird ja auch keinen rigorosen Schlussstrich unter den Kita-Begeg­ungen geben. Im November übernimmt die Neu-Rentnerin den Sprachtest der zukünftigen Schulanfänger. Ein paar weitere Besuche wird es garantiert ebenfalls geben. Und wer weiß, vielleicht lässt sich Christine Hinzmann ja noch überreden, die gerade frei gewordene „Stelle“ des Vorlesepaten in der „Villa Kunterbunt“ zu übernehmen. Dem Lesen wollte sie sich, neben dem Reisen, doch ohnehin jetzt intensiver widmen. Wie das mit dem Paten geht, weiß sie ja schon. Im Netzwerk für gesunde Kinder hat sie diese Aufgabe schon vor einigen Jahren übernommen und will sie vorerst auch nicht aufgeben.