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| 16:53 Uhr

Massive Sturmnachwirkungen
Die Zuwegung ist teilweise abgeschnitten

René Bruschke (rechts) und Peter Bieler begutachten einen der Wege, der vom Wetter der letzten Monate in Mitleidenschaft gezogen wurde.
René Bruschke (rechts) und Peter Bieler begutachten einen der Wege, der vom Wetter der letzten Monate in Mitleidenschaft gezogen wurde. FOTO: Sven Gückel
Züllsdorf. Die Wälder der Bundesforst weisen noch immer massive Nachwirkungen der zurückliegenden Stürme auf. Von Sven Gückel

Immer öfter ziehen heftige Stürme über die hiesige Region hinweg. Höhepunkte der vergangenen Monate waren die Sturmtiefs „Paul“ im Juni sowie „Xavier“ und „Herwart“ im Oktober des letzten Jahres. In deren Folge entstand in den Wäldern erheblicher Schaden, der teilweise bis heute nicht aufgearbeitet ist. Das erste Sturmtief des Jahres 2018 „Friedericke“ setzte dem in der vergangenen Woche noch eins drauf.

Waren es beim Sommersturm 2017 überwiegend Laubhölzer, vor allem Eichen und Birken, die mit ihrem Laub dem Sturm hohe Angriffsflächen boten, so traf es im Oktober Kiefernbestände aller Altersklassen. „In der Annaburger Heide war davon in erster Linie der westliche Teil der Liegenschaft in den Revieren Eichenheide, Dautzschen, Züllsdorf und Rosenfeld betroffen“, sagt René Bruschke, Leiter des Betriebsbereiches Ost Annaburger Heide im Bundesforstbetrieb Mittelelbe. Insgesamt, fügt er an, gehe man für 2017 von einem außerplanmäßigem Holzanfall von bis zu 22 000 Festmeter aus. Was die Auswirkungen des Sturmtiefs „Friedericke“ betrifft, lassen sich noch keine Zahlen nennen. „Auf den ersten Blick lässt sich nur sagen, dass sie annähernd doppelt so hoch sind wie die des Herbststurmes“, konstatiert Bruschke.
Unmittelbar nach den Stürmen 2017 lag der Schwerpunkt der Aufräumarbeiten innerhalb der Heide zunächst bei der Wiederherstellung der Befahrbarkeit für die Bundeswehr. Dem schloss sich die Aufarbeitung des Schadholzes an. Ein Part, den gewerbliche Forstdienstleister mittels Technik ausführten. „Der Einsatz der Waldarbeiter war und ist hingegen nur eingeschränkt möglich, da die manuelle Holzernte im Bruchholz sehr hohe Arbeitsschutzrisiken birgt“, betont Bruschke. Vordergründig erfolgte deshalb bei der Aufarbeitung der Einsatz von Forstmaschinen. Die Waldarbeiter wurden stattdessen bei der Instandsetzung beschädigter Wildschutzzäune eingesetzt.

Sorgen bereitet der Bundesforst jedoch nicht nur der Verlust des Holzes. Aufgrund der großen Fläche, die von den Auswirkungen der Stürme betroffen ist, und verbunden mit durchweg feuchten Witterungsverhältnissen, wurden viele Forstwege überdurchschnittlich beansprucht und haben in vielen Bereichen ihre Belastbarkeitsgrenze erreicht oder schon überschritten. Die Länge der in Mitleidenschaft gezogenen Wegeabschnitte beziffert René Bruschke auf über zehn Kilometer. Da diese Wege insbesondere für die Bundeswehr sowie für die forstbetrieblichen Abläufe und im Besonderen zur Sicherung der Befahrbarkeit im Brand- oder Katastrophenfall benötigt werden, ist eine fachgerechte Instandsetzung dringend erforderlich. Auch Rettungskräfte brauchen einen Zugang in das Waldgebiet. „Aktuell muss ich sagen, dass die Feuerwehr im Brandfall zu einigen Flächen nicht vorstoßen könnte“, sagt er mit Hinblick auf die im Frühjahr wieder einsetzende Waldbrandgefahr.

Der schlechte Zustand der Wege wirkt sich aber auch auf die hohe Verarbeitungskonzentration der Holzindustrie aus. Sie verlangt nach einer fast ganzjährigen Befahrbarkeit mit hohen Traglasten, da die Waldflächen vielfach als verlängerte Lagerkapazität der Holzkäufer dienen. Da dies im Augenblick unmöglich ist, kommt es vereinzelt schon zu Lieferengpässen in manchen Werken.

Dringendes Handeln ist also geboten. Aus diesem Grund beabsichtigt der Bundesforstbetrieb nunmehr kurzfristig die Beauftragung von Tiefbaufirmen, um die betroffenen Hauptwege nach detaillierter Schaderfassung grundhaft instand zu setzen. Mit den notwendigen Ausschreibungen für die Arbeiten, die nach Einschätzung des Forstbetriebes mehrere Zehntausend Euro veranschlagen, beschäftigt sich im Bereich der Annaburger Heide der Forstwirtschaftsstudent Peter Bieler. Der aus Wernigerode stammende junge Mann studiert derzeit in Göttingen und nutzt sein Praktikum bei der Bundesforst, um sich ausgiebig mit dem Thema forstlicher Wegebau zu beschäftigen. Allerdings ist fraglich, wie schnell das Vorhaben nach dem neuerlichen Sturmtief nun umgesetzt werden kann.