ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:18 Uhr

Naturschutz
Die Zukunft fürs Oelsiger Luch

Ein Blick über das Oelsiger Luch in Richtung Nordosten.
Ein Blick über das Oelsiger Luch in Richtung Nordosten. FOTO: RANA - André Schmiedel
Oelsig. Der Entwurf vom Managementplan für das FFH-Gebiet eint die Interessen vieler Partner. Von Sylvia Kunze

Der Managementplanentwurf für das nach EU-Recht geschützte Flora-Fauna-Habitat „Oelsiger Luch“ liegt auf dem Tisch. Seit gut einem Jahr wird daran gearbeitet. Es hat öffentliche Runden vor Ort gegeben, sowohl am Tisch als auch direkt vor Ort. Es hat unzählige Stunden akribische Erfassungsarbeit direkt im Luch gegeben. Es gab fachliche Abstimmungen mit der unteren Naturschutzbehörde. Nun nimmt der „Fahrplan“ für das weitere Umgehen mit dem Oelsiger Luch Gestalt an.

Es sei ein erster Entwurf, ganz fertig sei man noch nicht, berichtet André Freiwald von der Stiftung NaturSchutzFonds, die die Erstellung des Schutz- und Bewirtschaftungsplans, wie man den Managementplan auch umschreiben kann, koordiniert. Immerhin müsse der Plan noch öffentlich ausgelegt werden, und eingehende Stellungnahmen seien dann zu prüfen und gegebenenfalls einzuarbeiten und zu berücksichtigen. Mit der Fertigstellung rechne man gegenwärtig Ende des Jahres.

In der Informationsveranstaltung am Mittwochabend, zu der Landeigentümer, Nutzer und Interessierte eingeladen sind, ist breiter Konsens mit dem niedergeschriebenen weiteren Vorgehen im Oelsiger Luch zu hören. Einer der Schwerpunkte dabei ist das zukünftige Wassermanagement. Bei diesem wird davon ausgegangen, dass man aktuelle Stauhöhen beibehält und eine langfristige Überwachung der Wasserstände initiiert. Eine weitere Kernaussage: Die Wiesen sollen nutzbar bleiben und gepflegt werden. Wie das zukünftig funktionieren kann, der Naturschutzverein „Elsteraue“ sieht sich personell dazu nicht mehr in der Lage, muss noch geklärt werden. Erste Überlegungen reifen.

Moorschlenke mit Bestand des Fieberklees, welcher früher als Volksheilmittel verwendet wurde.
Moorschlenke mit Bestand des Fieberklees, welcher früher als Volksheilmittel verwendet wurde. FOTO: RANA - Thoralf Sy

Aus der Vorgabe. die Jagd soll gewährleistet sein, ist nach kurzer Diskussion ein muss geworden. Jagdpächter Christian Schülzke legt dar, wie bis jetzt in dem Gebiet gejagt wird und dass man in den Anstrengungen nicht nachlassen dürfe, denn insbesondere Waschbären würden immer mehr zum Problem. Iris Schülzke merkt außerdem an, dass man zuweilen schnell reagieren müsse, das aber problematisch werde, wenn z.B. eine Wiese über Wochen unter Wasser stehe. Die Jäger wollen ihre Überlegungen noch niederschreiben. Und André Freiwald hat versprochen, auch hier nach einem gemeinsamen Nenner suchen zu wollen.

Der scheint mit dem Managementplanentwurf wirklich gefunden. „Wir waren sehr skeptisch“, sagt Dieter Lehmann vom Falkenberger Naturschutzverein „Elsteraue“, der Eigentümer der guten Hälfte der Luch-Flächen in Oelsig ist. Aber nun sei er sehr positiv gestimmt. „Allein schon die Bestandsaufnahme in Perfektion lässt den Managementplan zu einem vollen Erfolg werden“, lobt er die sehr sorgfältige Arbeit des begleitenen Rana-Büros für Ökologie und Naturschutz.

Inhaber Frank Meyer kommt angesichts des guten Zustandes des Moorgebietes ins Schwärmen und spricht von einem „kleinen, aber feinen Gebiet“ - zumal er und seine Kollegen bei der Kartierung im Vorjahr beste Wetter- und damit auch Wasserverhältnisse vorfanden. Man habe 171 verschiedene Pflanzenarten in dem nur 40 Hektar großen und vom Lebensspektrum sehr eingeschränkten Areal vorgefunden - 17 davon stehen auf der Roten Liste. Hinzu kommen 26 Moosarten (vier auf der Roten Liste, acht auf der Vorwarnliste). Sein Fazit: Generell seien zukünftig im Moorgebiet nur wenige Maßnahmen nötig.

Die Große Moosjungfer ist über die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt.
Die Große Moosjungfer ist über die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt. FOTO: RANA - Thoralf Sy

Zum Wassermanagement und zur Pflege der Feucht- und Nasswiesen gerät beispielsweise noch der Oelsiger Mühlgraben ins Blickfeld. Er hat für die Wasserzufuhr im FFH-Gebiet Bedeutung. Dann muss aber der Mühlteich mitbetrachtet werden. Auch darüber wird in Zukunft noch zu sprechen sein. Denn wie sagt Gastgeber und Luch-Kenner Gerhard Kupke zum Schluss der Runde: „Wir begrüßen die vorgeschlagenen Maßnahmen, die uns aber erst nützen, wenn sie umgesetzt werden.“

Der "Lehmannsche Karpfenteich" stellt einen wertvollen Lebensraum der Großen Moosjungfer, einer sehr seltenen Libellenart, dar.
Der "Lehmannsche Karpfenteich" stellt einen wertvollen Lebensraum der Großen Moosjungfer, einer sehr seltenen Libellenart, dar. FOTO: RANA - Thoralf Sy