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Mehr Soldaten – bessere Ausrüstung
Die Truppe wächst wieder an

Oberst Mario Herzer und sein Gast Martin Gorholt hatten einiges zu bereden.
Oberst Mario Herzer und sein Gast Martin Gorholt hatten einiges zu bereden. FOTO: Sven Gückel
Holzdorf. Beim Neujahrsempfang der Bundeswehr Holzdorf gab es positive Signale für die Zukunft. Der Bunker Schönewalde zur Luftraumüberwachung wird runderneuert. Von Sven Gückel

Beim Neujahrsempfang des Bundeswehrstandortes Schönewalde-Holzdorf ist es gute Tradition geworden, dass im Wechsel alle zwei Jahre die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen-Anhalt Ehrengäste sind. In diesem Jahr wäre es an Dietmar Woidtke gewesen, dem Standort seine Aufwartung zu machen. Aufgrund eines Treffens der SPD-Spitze in Berlin musste dieser aber kurzfristig absagen und entsandte statt seiner Staatssekretär Martin Gorholt, Bevollmächtigter des Landes beim Bund und Beauftragter für internationale Beziehungen. Der vernahm aus der Rede des Standortältesten Oberst Mario Herzer, dass die Bundeswehr nach Jahren des Sparzwangs wieder am Aufwachsen sei, was mittelfristig auch in Holzdorf zu spüren sein wird. „Die Truppe soll bis 2024 um über 18 000 Soldaten und zivile Mitarbeiter anwachsen”, erläuterte er. Gleichsam wird sich der Stand der Ausrüstung verbessern. Dafür ist ein kontinuierlicher Anstieg der Finanzmittel auf 42,4 Milliarden bis 2021 vorgesehen.

Für den Standort bedeutet das etwa, dass der Bunker Schönewalde, der die Luftraumüberwachung übernimmt, demnächst für vier Monate abgeschaltet und runderneuert wird.

Trotz teils unbefriedigender Einsatzbereitschaftslage bei den Luftfahrzeugen stand die Sicherung des Einsatz- und Ausbildungsbetriebes mit der CH-53 im absoluten Fokus der Lufttransportgruppe HSG 64, fügte Herzer in seiner Rede vor etwa 400 Gästen an. Dass der Flugbetrieb am Standort keinem reinen Selbstzweck unterliegt, belegen die Einsatzzahlen. So gehen Besatzungen und Techniker regelmäßig in den Auslandseinsatz, nehmen die Maschinen an NATO-Übungen teil oder unterstützen zivile Kräfte bei Großbränden sowie der Hochwasserbekämpfung.
In seiner Antwort dankte Gorholt den Soldaten im Namen der Landesregierung für ihr Engagement. „Wer Politik macht, muss auch Verantwortung übernehmen”, sagte er mit Blick auf das Fehlen des Ministerpräsidenten. Und ergänzte, dass sich die Bundeswehr auch zukünftig des politischen Rückhaltes in Potsdam gewiss sein darf. Schließlich, so Gorholt, beschäftigt die Bundeswehr allein in Brandenburg etwa 7000 Soldaten und 2000 zivile Mitarbeiter. „Was um so mehr belegt, welch massiver Wirtschaftsfaktor die Standorte für die Regionen sind”, betonte er weiter. Für 2018 kündigte Martin Gorholt eine „Phase der Investitionen im Land” an. Ziel sei ein modernes Brandenburg als Heimat für alle. Abschließend sagte Gorholt ein Kommen des Ministerpräsidenten für den 9. Juni 2018 zum Tag der Bundeswehr zu. Woidke übernimmt die Schirmherrschaft des Events am Standort Holzdorf.

Noch immer nimmt ein Großteil der am Standort Schönewalde-Holzdorf dienenden Soldaten das Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort in Kauf. Gründe hierfür sind unter anderem die teils schlechte Verkehrsinfrastruktur in der Region oder der Mangel an attraktivem Wohnraum. Diese Defizite zu beheben, hat sich der Städtebund Elbe-Elsteraue auf die Fahne geschrieben, dem auch Herzberg, Schönewalde und das Amt Schlieben angehören. Unter seinem Dach haben sich die Bundeswehr und Städte aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen zusammengefunden, um sich mit einer Stimme bei der Landes- oder Bundespolitik verstärkt Gehör zu verschaffen.