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| 01:09 Uhr

Die Tropensavannen Afrikas ließen grüßen

Herzberg.. Das Wetter dieses Monats wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, die Trockensavannen Afrikas lassen schon mal grüßen! Die nun schon seit Februar bei uns andauernde Dürreperiode fand leider auch im Juni ihre Fortsetzung, ähnlich wie schon einmal im Jahr 1976. Klaus Schmidt

Zwar fiel mit 44,1 Liter pro Quadratmeter etwas mehr Regen als in den Vormonaten, aber er konnte für die durstende Pflanzenwelt nur wenig wirksam werden, denn es gab nur neun Niederschlagstage.

Winde trugen Feuchtigkeit weg
Zudem resultierte die Hauptmenge, 40,8 Liter, aus vier nur kurzen aber heftigen Gewitterregen, die von den ausgedörrten Böden nur teilweise aufgenommen werden konnten.
Schließlich trugen lebhafte Winde, zumeist aus östlichen Richtungen, die wenige Feuchtigkeit schnell wieder weg. So ist seit Beginn der Dürre der Wasserfehlbetrag im Herzberger Raum bedrohlich auf 113 Liter pro Quadratmeter angestiegen. Die fließenden Gewässer führen kaum noch Wasser. Die für Juni extrem hohen Lufttemperaturen beschleunigten die Verdunstung.
Das Monatsmittel der Temperatur kletterte auf die Rekordhöhe von 20,11 Grad. Es lag damit um 3,26 Grad über dem langjährigen Herzberger Mittel von 16,85 Grad. Dieser bisher einmalige Juniwert hatte verschiedene Ursachen.
Zum einen wurde er durch die für Juni überdurchschnittlich hohe Sonnenscheindauer von 52 Prozent des Möglichen bewirkt. Zum anderen trugen die insgesamt acht Tage zu uns herein geflossenen subtropischen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum sowie die über zehn Tage aus Osteuropa zu uns eingeströmte trockene Warmluft dazu bei.
So erlitt Herzberg, einmalig in seiner Wettergeschichte für einen Juni, zwölf Tropentage mit Tagestemperaturen ab 30 Grad und außerdem noch neun Sommertage ab 25 Grad. Am heißesten war der 5. Juni mit 35 Grad, an drei weiteren Tagen wurden noch je 34 Grad gemessen. Unter diesen Bedingungen konnte die sonst um den 20. Juni häufig hereinbrechende Schafskälte kaum wirksam werden. Sie war nur in einigen Nächten vom 21. bis 28. Juni mit Temperaturen zwischen 8,5 bis 10,5 Grad spürbar. Kurioserweise blieb ausgerechnet der 21. Juni als astronomischer Sommeranfang der kälteste Tag des Monats mit nur 20,5 Grad.
Schließlich prägten auch vier sehr starke Stürme, besonders am 8. und am 23. Juni, das Wetterbild im Juni. Sie rasten mit fast 100 Stundenkilometern über uns hinweg und verursachten zum Teil erhebliche Schäden an Gebäuden und Bäumen.

Keine konkrete Vorausschau
Alle Wetterbeobachter werden sicher besonders auf den 27. Juni geschaut haben, bekannt als Siebenschläfer. Er gilt seit Jahrhunderten als „wegweisender“ Lostag (Lurtag) für das Wetter der nächsten Wochen. Nach einer Bauernregel soll es sieben Wochen regnen bzw. unbeständig sein, wenn an diesem 27. Juni Niederschlag fällt. Da dies 2003 nicht der Fall war, dürften wir nun beruhigt auf schönes Urlaubswetter im Juli/August hoffen.
Doch Vorsicht! Neuere Erkenntnisse der Wetterforschung besagen, dass der Siebenschläfer als eine zeitliche Periode anzusehen ist, die sich bis zum 7. Juli erstreckt. Deshalb sollte unser besonderes Augenmerk dem Wetterverhalten bis zu diesem Datum gelten, um eine Vorausschau wagen zu können.

Hundstage zu erwarten
Ergänzend muss zudem angemerkt werden, dass zwar in dieser Periode eine Tendenz zu charakteristischen Wetterentwicklungen für die Zeit bis zu den Hundstagen besteht, doch ist die abgeleitete Wetterregel nicht uneingeschränkt gültig!
Dagegen werden mit großer Wahrscheinlichkeit ab der letzten Juli-Dekade die schon erwähnten Hundstage in Mitteleuropa wetterwirksam. Bis etwa 25. August fließt aus dem um diese Jahreszeit stark aufgeheizten osteuropäischen Festland warme, trockene Luft nach Westen in unseren Raum.
Der Name „Hundstage“ (auch Hitzetage genannt) stammt aus der ägyptischen Astronomie des Altertums. Ab Ende Juli jeden Jahres geht der hellste Stern am nördlichen Himmel - der Sirius, Hauptstern des Sternbildes „Großer Hund“ am Morgenhimmel auf. Er diente den Ägyptern für ihre Zeitrechnung.
Schauen wir abschließend noch in den 100-jährigen Kalender mit seiner Vorhersage für Juli 2003. Dort steht, dass er mit kühlem Wetter beginnen werde, das bis zum 9. Juli andauern soll. Ab 11. Juli kämen heiße Wochen bis Monatsende, allerdings mit kühlen Nächten und großer Dürre. Sollten etwa im „Sonnenjahr“ die „Hundstage“ schon früher als üblich beginnen? Wir müssen abwarten und beobachten, welche Wetterkapriolen uns in 2003 noch bevorstehen.